Mittwoch28. Januar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

Ein König liegt unterm Parkplatz

Ein König liegt unterm Parkplatz
(dpa)

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Wie in einem Wissenschaftskrimi: Forscher der Uni Leicester finden unter einem unscheinbaren Parkplatz das Skelett des berüchtigten Königs Richard III.. Geschichtsbegeisterte fiebern weltweit mit.

Eine Hobby-Historikerin geht im englischen Leicester über einen Parkplatz und fühlt nach eigenen Angaben, dass unter ihr irgendetwas liegt. Auch historische Karten weisen auf den besonderen Ort hin. Die Frau findet Verbündete an der Universität Leicester, kratzt über Sponsoren Hunderttausende Pfund zusammen und setzt eine Ausgrabung durch. Monatelang stecken Forscher aus unterschiedlichen Disziplinen die Köpfe zusammen – und verkünden schließlich: Die Gebeine des berüchtigten englischen Königs Richard III. sind mehr als ein halbes Jahrtausend nach seinem Tod identifiziert worden.

Archäologen, Historiker und DNA-Experten sind sich einig, dass es sich um den Monarchen handeln muss, wie das Team um den Chef-Archäologen Richard Buckley am Montag vor mehr als 140 Journalisten aus aller Welt erklärte. Nach Ansicht der Forscher ermöglicht der Fund ganz neue Erkenntnisse über den König und seine Zeit. Gleichzeitig hoffen die Experten, die Begeisterung für Wissenschaft zu schüren, Nachwuchs zu gewinnen und mehr Forschungsgelder zu bekommen. Uni-Vizekanzler Robert Burgess erklärte: «Eine Forschungsgeschichte ist zum Forschungsabenteuer geworden.»

Uni startet Werbekampagne

Für die Stadt Leicester und die Marketing-Abteilung der Uni ist das der Stoff, aus dem Werbeträume sind. Mit einer ausgeklügelten Kampagne wurde die Geschichte vermarktet. Ein Fernsehsender drehte parallel zu den Ausgrabungen eine Dokumentation. Für die Zukunft ist ein Besucherzentrum geplant. Wenn die Untersuchungen endgültig zu Ende sind, werden die Gebeine in die Kathedrale von Leicester gebracht.

Die Entdeckung der Gebeine veranlasste gleich einige Scherzbold dazu, auszurechnen, wie viel Parkgebühr Richard III. hätte zahlen müssen. Die Tagesgebühr für einen Parkplatz in Leicester betrage 18,50 britische Pfund (über 21 Euro), schrieben sie im Kurznachrichtendienst Twitter. «Richard III. lag dort 192 649 Tage lang. Er hat also 3 564 006,50 Pfund Schulden.»

Die Wahrheit über Richard III.

Mehr als 500 Jahre nach seinem Tod regiert in der Stadt in Mittelengland, die heute für ihre multikulturelle Bevölkerung bekannt ist, wieder Richard III.. Und man hofft, mehr über den Monarchen zu erfahren, der nicht zuletzt durch William Shakespeares Drama einen katastrophalen Ruf als Tyrann und Kindermörder hat. Die Richard-III-Society, eine der treibenden Kräfte hinter der Ausgrabung, und die sich selbst «Ricardians» nennenden Richard-Fans hoffen, ihm jetzt eine ehrenvolleren Platz in der Geschichte sichern zu können. Forscher gehen davon aus, dass vor allem eine Schmutzkampagne des Tudor-Geschlechts, der Nachfolger von Richards Plantagenet-Dynastie, für die düsteren Geschichten verantwortlich ist.

Faszinierend an dem Projekt sind aber nicht nur die Zukunftsaussichten für Forschung, Stadt und Uni. Tatsächlich lässt die Geschichte auch Laien staunen. So fand Stammbaumforscher Kevin Schürer tatsächlich noch Nachkommen der Linie sowohl von väterlicher als auch mütterlicher Seite, unter anderem in Kanada. Genetikerin Turi King konnte daraufhin DNA-Proben nehmen und diese mit der DNA des Skelettes vergleichen – die Übereinstimmung ließ ihr bei der Präsentation vor Freude fast den Atem stocken.

Geschichte neu schreiben

Über die Analyse historischer Texte fand Lin Foxhall heraus, dass Richard III. schlank und schmächtig war und einen krummen Rücken hatte. Sein Leichnam wurde Schilderungen zufolge in der Schlacht geschlagen und weiter beschädigt. Auch das stimmte mit den Knochenanalysen überein. Am Ende steht eine kleine Revolution, glaubt Foxhall: «Wir können ein kleines Stückchen Geschichte im großen Stil umschreiben.»

(Britta Gürke/dpa/Tageblatt.lu)