Eva Brauns Abenteuer in unserem Land sind selbst nach 71 Jahren noch immer eine höchst zweifelhafte Reklame.
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S. Jaspers & G. Hausemer
Das Luxemburger Tagebuch der Eva Braun
120 Seiten
Capybara Books
ISBN 789995 975142
16,95 Euro
www.capybarabooks.com
Festungs- und Rosenstadt. Auf hohen Felsen thronend, durch Brücken verbunden, von Türmen überragt, umschlossen von Grüngürteln und Rosenkulturen.“ Die Eigenwerbung der Stadt Luxemburg hat nicht wesentlich geändert. „Mein Gott, klingt das romantisch, da will ich hin!“, schreibt Eva Braun begeistert in ihr Tagebuch. Wir sind im Jahr 1942, Eva Braun ist 30 Jahre alt.
So wie dieser Aufschrei sind alle Aufzeichnungen ihres elftägigen Aufenthalts in „Lützelburg“, den sie, trotz ihres Alter, in einem äußerst naiven Stil wortreich beschreibt. Sie schwärmt für den Mercier-Champagner, dem sie reichlich zuspricht, sie schildert ihre Entdeckungen und sie beschreibt ihre Begegnungen mit Norbert Jacques, dem Autor ihres Reiseführers, und mit Evy Friedrich, den sie allerdings nur höchst ungern mit „Evi“ anredet. Die heimliche Geliebte des Führers ist keine öffentliche Persönlichkeit. Sie ist ihr Schattendasein gewohnt, stellt sich niemandem vor.
Für die Luxemburger ist sie wahrscheinlich nichts anderes als die Frau oder Freundin eines Nazi-Funktionärs. Normale Bürgerinnen konnten sich 1942 keine Urlaubs- oder Shoppingtouren mehr leisten. Von der politischen Lage des Landes, in dem sie sich bewegt, hat sie anscheinend keine Ahnung.
Sensation oder Täuschung?
Vorurteile, Unwissenheit, holprige Vergleiche und immer wieder die Referenz auf „ihn“. Auf 120 Seiten begleitet der Leser Eva Braun auf Kleider- und Bucheinkäufen, zu Ausflügen nach Esch-Alzig (!), Echternach und Mondorf. Dabei fließt hauptsächlich der Champagner immer reichlich. In Deutschland sind bestehende Fragmente eines Tagebuchs Eva Brauns bislang umstritten. Sie seien als Quelle nicht hinreichend zuverlässig, hieß es 2010 bei der Veröffentlichung der Biografie von Eva Braun durch die Historiker Heike Görtemakers, die allgemein nicht strittig gemacht wird. Suzanne Jaspers und Georges Hausemer, die das Luxemburger Tagebuch in ihrem Verlag Capybara veröffentlichen, schreiben von „sensationellen Notizen der heimlichen Führerbraut“, die sie lediglich in die neue deutsche Rechtschreibung übertragen haben wollen. Sie sagen nichts über den Zufall, der ihnen die Dokumente, die dem Buch zugrunde liegen, in die Hand gespielt hat. Allerdings stimmten Stil und Ausdrucksweise mit älteren, überlieferten Aufzeichnungen Eva Brauns überein.
Auf Anfrage erzählt Georges Hausemer mehr über die sensationellen Notizen: Sie kommen von einem alten Herrn, den er in einem ganz anderen Zusammenhang interviewt hat. Dieser hatte als junger, in Luxemburg stationierter Soldat den Auftrag bekommen, ein Briefkuvert im Hotel „Brauer“ abzuholen und dieses zu vernichten. Bis jetzt hat er sie unter Verschluss gehalten. „Das lässt zumindest darauf schließen, dass Eva Braun damals wohl etwas überstürzt abgereist ist“, spekuliert der Verleger. Die Neuerscheinung blieb nicht unbeachtet, das Buch ist zwar heftig umstritten, landete jedoch auf Anhieb auf Platz sechs der hiesigen Bestsellerliste. Auch in Deutschland wurde die Aufmerksamkeit geweckt. Es kommen bereits erste Bestellungen, bislang aber noch keine Kommentare.
Zu Demaart
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