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Die Suche nach dem Geschäftsmodell

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Hat der Finanzplatz Luxemburg in den vergangenen acht Jahren wesentliche Entwicklungen verschlafen? "Wir sind im Jahre 2013 im Wesentlichen dort, wo wir auch 2005 schon waren".

«Wir sind im Jahre 2013 im wesentlichen dort, wo wir auch 2005 schon waren,» analysiert Walter Koob, Spezialist für die Entwicklung des Finanzplatzes in seinem Exkurs vor über 100 Zuhörern in den Räumen der LB Lux am Donnerstag früh. Hat der Finanzplatz Luxemburg in den vergangenen acht Jahren wesentliche Entwicklungen verschlafen?

Mit der Europäisierung der Bankenaufsicht wird ein großer Teil der Aufsicht von der CSSF auf die Europäische Zentralbank (EZB) verlagert. Sie übernimmt in Luxemburg die Aufsicht über sechs Banken und indirekt über 70 Tochterbanken von ausländischen Konzernen. Die Folge wird eine Verlagerung nationaler Zuständigkeiten auf die europäische Ebene sein.

Die Abstimmung über diese Neuregelung wird eine der ersten Bewährungsproben der neuen Regierung sein. Stimmt Luxemburg zu, dann wird von einer Institution außerhalb Luxemburgs entschieden, ob eine Luxemburger Bank abgewickelt wird, sprich im Konkurszustand ist. Der amtierende Finanzminister Luc Frieden hatte eine solche Regelung bisher strikt abgelehnt.
wy.

Der Rückblick des Partners der Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG läutet regelmäßig die letzten Wochen des Jahres ein. Koob ist ob seines Sachverstandes, aber auch seiner liebenswürdig vorgetragenen spitzen Analyse, beliebt. Er trägt vor, was man so weiß am Finanzplatz, aber nicht offen ausspricht. Und das gut belegt mit Grafiken und mit Statistiken. Das International Bankers Forum, die Vereinigung überwiegend deutscher Banker und Vermögensberater, hat aus der Präsentation von Walter Koob ihr jährliches Highlight gemacht.

«Spielkasino Mentalität»

Koob steigt deutlich ein in sein beinahe zweistündiges Referat: „Spielcasino Mentalität von vor der Krise kehrt zurück“, sagt er. „Die Risikobereitschaft der Anleger nimmt wieder zu“, fügt er an und weist gleich auf einen zweiten kritischen Punkt hin: „Das Verbundrisiko zwischen Banken und Staaten ist groß geworden. Die Banken haben sich angewöhnt, die Schulden ihrer eigenen Staaten anzukaufen. Diese Verbindung wirft Fragen auf“, sagt Koob. „Bisher konnten Banken die Staatsschulden mit Null-Risiko in ihre Bilanzen stellen. Risiko-Rücklagen waren dafür nicht nötig. Genau diese Risikolosigkeit aber wird heftig diskutiert. Würden die Zinssätze nur um einen Prozentpunkt angehoben, hätten die Banken sofort Schwierigkeiten.“ Zusätzlich seien die Renditen für Staatsanleihen deutlich zurückgegangen. Koob verweist in diesem Problembereich vor allem auf die „lateinischen“ Länder und Banken in Europa.

Die europäischen Banken, so der Finanzspezialist, säubern alle ihre Bilanzen von Risiken. Sie vergeben alle weniger Kredite; sie ziehen sich alle aus der langfristigen Kreditfinanzierung zurück. Der Grund: Die sich abzeichnende europäische Aufsicht der wichtigsten europäischen Banken. Die Banken müssten sich daher auf mehrere Stufen einstellen: Auf aufsichtsrechtliche Maßnahmen, auf die Prüfung der Qualität ihrer Vermögenswerte und schließlich auf den bereits angekündigten Stresstest, dem die Banken sich im kommenden Jahr zu unterwerfen hätten. „Es gibt also auch im fünften Jahr nach der Krise keine Entwarnung“, sagt Koob.

«Zunehmende Regulierung»

Die Banken müssen sich weiter mit einer zunehmenden Regulierung auseinandersetzen. Auf sie komme ein zusätzlicher Eigenkapitalbeadrf zu. Eine Tendenz zu risikoärmeren Anlagen sei unverkennbar. Dies deshalb, weil man für solche Anlagen weniger Risikokapital zur Verfügung halten müsse. Und schließlich unter anderem auch eine Erhöhung der Liquitätsvorsorge. Der Bedarf an bonitätsmäßig einwandfreien Sicherheiten werde weiter steigen. In der Konsequenz aller dieser Tendenzen bedeute das, dass die so genannten „Schattenbanken“, wie etwa Hedgefonds oder Private Equity Fonds, die sich an nicht Börsen notierten Unternehmen beteiligten, an Bedeutung gewännen, weil von ihnen die Finanzierungen kämen, die die Banken nicht mehr leisteten. Koob: „In der Politik scheint sich auch ein Wandel der Einschätzung dieser „Schattenbanken“ zu vollziehen.

Was bedeutet das alles für den Finanzplatz Luxemburg? Im laufenden Jahr hat sich in Luxemburg ein Trend umgekehrt: Es sind wieder mehr Banken, fünf neue Kreditinstitute haben sich in Luxemburg angesiedelt. Luxemburg scheint sich zusätzlich zu einem Ort für chinesische Banken zu entwickeln, die mit drei Instituten bereits vertreten sind. China habe zwar London als einen der internationalen Plätze auserkoren, aber Luxemburg sei wohl bemüht, sich gegenüber China als Mitglied der Eurozone zu platzieren. Nach Tageblatt-Informationen sucht derzeit die chinesische Nationalbank ihren Platz in Europa. Um sie scheint ein Wettbewerb entbrannt zu sein.

«Übergangsperiode»

„Die luxemburgischen Banken befinden sich“, so Koob, „in einer Übergangsperiode. Sie bereinigen derzeit ihre Geschäftsmodelle.“ Das erinnere ihn an das Jahr 2005, wo man ebenfalls über die Geschäftsmodelle nachgedacht habe. Koob diagnostiziert bei den deutschen Banken die Bereinigung von Mehrfachpräsenzen, wie zum Beispiel im Deutsche Bank Konzern. Der Bankensektor zeige eine Tendenz zur Konzentration und zur Größe. So würden insbesondere im Bereich des Private Bankings ganze Portfolios verkauft. Die DZ Bank gehöre hier zu den Aufkäufern. In diesem Bereich müsse man mit der Teilnahme am automatischen Informationsaustausch Luxemburgs auch mit Abflüssen rechnen. Insgesamt würden wohl kleinere Vermögen Luxemburg verlassen. Andererseits könne man jetzt schon Zugewinne aus Frankreich, Spanien, Portugal, Russland feststellen. Auch Family Offices überwiegend aus Europa würden Luxemburg in Streuung der Vermögen einbeziehen. Allerdings stelle die abnehmende Rentabilität des Private Banking angesichts eines größer werdenden Kostendrucks ein Problem für die Banken dar.

In Luxemburg sei eine Tendenz zur Größe der Banken darzustellen. So würden zehn Banken derzeit 46 Prozent der Bilanzsumme aller Banken darstellen. Der Gewinn der Banken beliefe sich derzeit auf plus 13 Prozent. Koob: „Wir müssen allerdings bei genauer Analyse feststellen, dass sich die operativen Erträge der Banken schlechter darstellen. Die Banken in Luxemburg haben eine strukturelle Ertragsschwäche. Das ist ein großes Problem.“

Rückzug und Vormarsch

Die deutschen Banken verlieren seit 2001 ihre Vormachtstellung in Luxemburg. Ihre Zahl ist von 59 vor zwölf Jahren auf 37 bis Oktober 2013 zurückgegangen. Seit 2010 sind französische Banken mit 14 Einheiten auf dem Vormarsch. Italienische Banken sind von 19 auf neun geschrumpft. Luxemburgische und belgische Banken stellen 12 Institute dar. Stark zugenommen haben Depotbanken, die nun 63 Einheiten darstellen. Aber auch hier gibt es die Tendenz zur Größe. Vier Institute beherrschen den luxemburgischen Markt. J.P. Morgan, State Street, Brown Brothers Harriman und BNP Paribas halten zusammen die Hälfte des Marktes. „Auch in diesem Segment“, so Koob, „ kommt es zu Wachstum durch den Aufkauf ganzer Pakete.

Die Entwicklungen des Luxemburger Finanzmarktes werden politisch begleitet. „Luxemburg will seit Dezember 2012 durch ein neues Gesetz über Family Offices ein neues Zentrum für diesen Bereich werden. Ein Gesetzesentwurf für private Stiftungsvermögen soll dem Finanzplatz außerdem neue Möglichkeiten eröffnen“, sagt Koob.

(Helmut Wyrwich / Tageblatt.lu)