Wissenschaftler sind auch nur Menschen und so hatten auch sie nach der Veröffentlichung des Regierungsprogramms am Montagabend darin geblättert und sich ihre Gedanken über die Kapitel des Programms gemacht, die sie direkt betreffen.
" class="infobox_img" />Die vier Neuvorstellungen. (Bild: Tageblatt/Alain Rischard)
„Unter dem Kapitel ‚Kultur‘ steht die Schaffung eines ‚Institut d’histoire du temps présent‘. Eine derartige Forschungseinheit ist durchaus willkommen. Sie sollte allerdings eher bei der Hochschule untergebracht sein als bei der Kultur“, meinte Professor Michel Pauly bei der Vorstellung der Arbeiten.
„Die Geisteswissenschaften sollten gestärkt werden“, wünscht er sich und fordert eine radikale Trennung von Archivierung und Forschung. „Die neue Regierung kann neue Weichen stellen. Diese Freiheiten hat sie“, fordert der für seine klare politische Sprache bekannte Pädagoge und Mitherausgeber der Luxemburg-Studien, die im internationalen Verlag der Wissenschaften Peter Lang erschienen sind.
Zeitgeschichte
Im ersten Band hat sich Christian Wille mit dem in Kultur und Sozialwissenschaften bislang kaum beachteten Phänomen des grenzüberschreitenden Arbeitnehmers befasst. Er hat die Geschichte des Grenzgängers beleuchtet und die sozio-kulturelle Dimension beleuchtet. Darin hat er sich mit Problemen wie der Sprache, der Arbeitszufriedenheit und den Ausbildungsunterschieden beschäftigt.
Der von Norbert Franz und Jean-Paul Lehners zusammengestellte zweite Band umfasst die Beiträge einer Fachtagung, in der die Staatsbildung und Weiterentwicklung der Nationen sowie die Identitätsbildung untersucht wurden.
Im dritten Band stellt sich Monika Sonntag die Frage, ob man Grenzen durch Kultur überwinden und von einer gemeinsamen europäischen Identität sprechen kann.
Der vierte Band ist die Doktorarbeit von Vincent Artuso, der sich an die bislang kaum erforschte Frage der Kollaboration im Zweiten Weltkrieg herangewagt hat und dabei untersuchte, inwieweit die hiesigen Autoritäten mit den Besatzern zusammenarbeiteten, wer dem Nazi-Regime wohlwollend gegenüberstand, wie weit dieses Engagement ging und wer die Luxemburger in deutscher Uniform waren. Artusos Arbeit hat bereits viel Aufmerksamkeit geweckt. Seit März hat der Historiker den Auftrag, die Wahrheit über die Rolle der Luxemburger Verwaltungskommission aufzudecken.
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