Freitag30. Januar 2026

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Ein wichtiger Schritt für die Filmindustrie

Ein wichtiger Schritt für die Filmindustrie
(Tageblatt/Isabella Finzi)

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LUXEMBURG - Im Rucksack hat Alexandre Espigares den vier Kilo schweren Oscar nach Europa gebracht. Bereits bei der ersten Etappe, am Flughafen von Los Angeles, gab es Schwierigkeiten.

Mit Skepsis fragten die Zöllner nach dem Kolben, den ihr Metalldetektor meldete. Als sie die berühmte Statuette in der Hand hielten, blieb ihnen der Mund offen. „Der Zöllner hat sich fast dafür entschuldigt, mich nicht auf Anhieb als Oscar-Gewinner erkannt zu haben“, lacht der glückliche Mitgewinner, der von München aus in die Bilanzpressekonferenz zugeschaltet wurde.

Sein Partner und Mitgewinner Laurent Witz ist nicht so locker. Mit Respekt fischt er seine Statuette aus der Arbeitsmappe. „Die Krönung von drei Jahren harter Arbeit und die Anerkennung der luxemburgischen und lothringischen Arbeit“, sagt er ehrfürchtig und gibt damit schon das erste Stichwort. Ist der Oscar denn nur ein luxemburgischer Preis oder dürfen sich auch Frankreich und Belgien (die Dekors kommen aus den Ateliers des belgischen Künstlers Stéphane Halleux) damit rühmen? Die Antwort ist eigentlich klar. 70 Prozent der Gelder kommen aus Luxemburg, 30 Prozent aus Frankreich.

Sie gingen an zwei Firmen, die alle beide Laurent Witz gehören. Die größte der beiden ist Zeilt Productions in Monnerich, wo eine rund 40-köpfige Belegschaft ebenfalls am Erfolg beteiligt ist. In der schön gemachten Mappe, die Witz in den letzten Wochen in den USA verteilt hat, wird die Gesellschaft als „Luxembourgish company“ vorgestellt.

Von den rund 750 im Filmgeschäft Beschäftigten arbeiten rund 40 Prozent im Bereich der Animationsfilme, wo Luxemburg seit einigen Jahren schon einen guten Ruf hat. „Diese hohe internationale Anerkennung gibt uns eine zusätzliche Glaubwürdigkeit“, betont Witz.

Harte Arbeit

Im Laufe seiner Erklärungen und hinter dem Glamour des Preises gibt er dabei Einblick in eine harte Wirklichkeit. Der Oscar ist nicht an einem festlichen Sonntagabend einfach so in seine Arme gesprungen. Ihm vorangegangene ist eine harte Promotionsarbeit. Seit dem 12. Januar war Laurent Witz in den USA, wo er seinen Film in unzähligen Fachkreisen und Arbeitsgruppen vorgestellt hat.

Das war im Bereich der Animationsfilme, den die USA traditionell für sich beanspruchen, nicht so einfach. „Mr Hublots“ direkter Konkurrent und schärfster Gegenspieler war niemand anderes als ein Film aus dem Walt-Disney-Studio, der Wiege des Genres. „David gegen Goliath“, meldet sich Alexandre Espigares aus München. Ab Mitte Februar hat er seinem Partner in den States Schützenhilfe geleistet.

Die Vergabe des Oscars verläuft in mehreren Stufen. Zuerst treffen die rund 6.000 Mitglieder der „Academy of Motion Pictures Arts & Sciences“ in 15 Kategorien eine Vorauswahl, wobei jeder in seinem Fachbereich stimmberechtigt ist. Das Szenario, die Originalität der Umsetzung und die Qualität der Animation werden einzeln bewertet, wobei sich „Mr Hublot“ der Herausforderung stellen musste, der erste Film in 3-D zu sein, den Zeilt Productions gemacht hat.

Diese Experten nominieren in jeder Kategorie die Filme. Die endgültige Entscheidung trifft dann wiederum das ganze Gremium, zu dem ab nächstem Jahr auch die beiden Luxemburger gehören werden. Hier war neben dem technischen Know-how auch Überzeugungsarbeit notwendig. „Wir haben unseren Film auf unzähligen Konferenzen, Dinners oder anderen Ereignissen gezeigt“, erzählen die Autoren mit der Nebenbemerkung, sie hätten im Vorfeld wohl mehr und besser über ihre Arbeit gesprochen als danach, wo alles nur noch schnell ging. Der Präsident des Filmfund, Guy Daleiden, wusste dem noch hinzuzufügen, dass die Poesie, die von den Figuren aus Stahl und Leder des Animationsfilms ausgeht, die Geschichte, die der Streifen erzählt, die Jury genauso überzeugt hat wie das rein technische Fachkönnen. Das ist jedoch in Zukunft wieder gefordert.