Sie ist bildhübsch, die Hauptdarstellerin des Films, die Witwe Wu Zhizen, gespielt von der taiwanischen Schauspielerin Gwei Lun Mei. Sie ist aber auch das einzig Hübsche, in diesem Film, der von der Kritik nicht zu unrecht in die Kategorie des Film noir geordnet wird.
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Potthässliche Thermoskannen stehen in dreckigen Küchen, an den Zimmern bröckelt die Fassade ab, die Autos sehen aus wie reif für den Schrottplatz, auf dem Tisch steht eine Plastikflasche mit einer eklig aussehenden Soße drin, niemand lächelt, es ist dunkel und kalt und es schneit, irgendwo, in einer Provinzstadt im modernen China, in dem nicht ein einziges Mal die Sonne scheint.
Abgetrennte Hand auf Fließband
Mit der abgetrennten Hand eines Toten, die auf einem Fließband zwischen lauter Kohlestücken ins Nichts fährt, geht es los. Ein Auge in der Nudelsuppe ist der nächste Fund. Nach und nach tauchen auch die restlichen Teile einer Leiche auf, der Tote kann identifiziert werden.
Kriminalkommissar Zhang Zili, gespielt von Fan Liao, der bei der Berlinale auch den Silbernen Bären als bester Hauptdarsteller gewann, ermittelt. Bei der Festnahme des mutmaßlichen Täters kommt es allerdings zu einer an Slapstick erinnernden Schießerei in einem skurrilen Friseurladen. Alle sterben, bis auf Zhang Zili. Dann der Zeitsprung. Wir befinden uns jetzt fünf Jahre später, im Jahr 2004. Zhang Zili hat Job und Frau verloren und liegt stockbetrunken neben seinem Motorrad am Straßenrand – natürlich schneit es wieder. Als ehemalige Kollegen ihm von einem Mordfall erzählen, der stark an jene Ereignisse von 1999 erinnern, beginnt Zhang Zili auf eigene Faust zu ermitteln. Seine Nachforschungen führen ihn zu der Witwe des Mordopfers von einst (gespielt von Gwei Lun Mei), die auch mit den weiteren Leichen in Verbindung zu stehen scheint. In einer trostlosen – wie könnte es anders sein – Wäschereinigung entwickelt sich nun eine fatale Liebe zwischen dem Ermittler und der von Geheimnissen umwobenen Frau.
Der dritte Spielfilm des chinesischen Regisseurs Yinan Diao besticht sicherlich in erster Linie durch seine Bildästhetik. Er malt das Porträt einer völlig zerrütteten Gesellschaft, in der selbst der Staatsapparat, hier repräsentiert durch die Polizisten, völlig trostlos wirkt, einsame Menschen beim Feierabendbier in einer verratzten Kneipe am Tresen. Die Welt ist kaputt und das Individuum ist dem existentialistischen Lebensgefühl, das auch China längst erreicht hat, völlig ausgesetzt. Als dann am Ende auch noch ein Feuerwerk am helllichten Tage ausbricht, ist die Poetik perfekt: Das Schlussbild gräbt sich durch seine hässliche Schönheit in unseren Köpfen fest, so dass es eigentlich egal ist, ob man den Film nun mag oder nicht. Das Bild wird bleiben. Das ist Kunst.
Zu Demaart
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