Mit der Bekanntgabe des Preisträgers in Medizin startet an diesem Montag (frühestens 11.30 Uhr) die Woche der Nobelpreis-Verkündungen. In der schwedischen Hauptstadt Stockholm verraten die Nobeljurys in den kommenden Tagen, wer die begehrten Auszeichnungen in den Naturwissenschaften – Medizin oder Physiologie, Physik und Chemie – bekommt. Ein Komitee im norwegischen Oslo verkündet am Freitag seine Entscheidung über den diesjährigen Träger des Friedensnobelpreises.
Ob in dieser Woche auch schon ein neuer Literaturnobelpreisträger gekürt wird, ist unklar. Verliehen werden die mit jeweils acht Millionen schwedischen Kronen (rund 878 000 Euro) dotierten Preise an Alfred Nobels Todestag, dem 10. Dezember.
Bis zum Lüften des ersten Preisträgers in der Kategorie Medizin/Physiologie hier zehn spannende Fakten und Irrtümer zu den bekannten Auszeichnungen:
Eine einzelne Person kann nur einmal einen Nobelpreis gewinnen
Falsch. Es gibt keine Obergrenze, wie oft jemand mit einem Nobelpreis geehrt werden kann. Der US-Wissenschaftler John Bardeen gewann den Preis für Physik zweimal, 1956 und 1972. Der britische Biochemiker Frederick Sanger erhielt zwei Preise für Chemie, 1958 und 1980.
Eine einzelne Person kann nur in einer Kategorie nominiert werden
Falsch. Die Französin Marie Curie gewann 1903 den Preis für Physik und 1911 den für Chemie. Der US-Chemiker und Friedensaktivist Linus Pauling erhielt 1954 den Nobelpreis für Chemie, acht Jahre später wurde er mit dem Friedensnobelpreis geehrt.
Ein Nobelpreis kann nicht wieder entzogen werden
Richtig. Die Nobelstatuten sind diesbezüglich eindeutig. Wer einen Nobelpreis bekommen hat, behält ihn für immer. Paragraf 10 lautet: «Gegen die Entscheidung eines Preisgremiums dürfen keine Einsprüche bezüglich der Zuerkennung eines Preises erhoben werden.» Online-Petitionen, die zum Entzug eines bestimmten Preises aufrufen, sind daher wirkungslos.
Vier Personen können sich einen Nobelpreis teilen
Falsch. Die Nobelstatuten besagen, dass die Auszeichnungen unter mehreren Preisträgern aufgeteilt werden können, doch in keinem Fall «darf eine Preissumme unter mehr als drei Personen aufgeteilt werden».
Hitler wurde für den Nobelpreis nominiert
Richtig. Adolf Hitler wurde 1939 von dem schwedischen Abgeordneten E.G.C. Brandt für den Preis nominiert, der «Brüderlichkeit unter den Nationen» und weltweite Abrüstung vorantreiben soll. Brandt zog die Nominierung später zurück und erklärte, sie sei satirisch gemeint gewesen. Die Episode zeigt, dass praktisch jedermann nominiert werden kann. Über die Aussichten, den Preis tatsächlich zu bekommen, sagt eine Nominierung nichts aus.
Winston Churchill gewann den Friedensobelpreis
Falsch. Der redegewandte, konservative britische Politiker erhielt zwar einen Nobelpreis, allerdings in der Kategorie Literatur. Er wurde damit 1953 «für seine meisterlichen historischen und biografischen Schilderungen sowie für brillante Rhetorik bei der Verteidigung erhabener menschlicher Werte» ausgezeichnet.
Nobelpreise können posthum verliehen werden
Falsch. Seit 1974 werden von den Preiskomitees nur lebende Personen berücksichtigt. 2011 machte die Nobelstiftung allerdings eine Ausnahme: Erst unmittelbar nach der Bekanntgabe des Preises für Medizin hatte sich herausgestellt, dass einer der Geehrten, der kanadische Immunforscher Ralph Steinman, wenige Tage zuvor gestorben war. Die Stiftung beließ es bei der Entscheidung, Steinmans Anteil am Preisgeld ging an seine Hinterbliebenen.
Neben Ralph Steinman und Bruce Beutler wurde 2011 auch der gebürtige Luxemburger Jules Hoffmann für ihre Arbeit zur Aktivierung angeborener Immunitätsmechanismen mit dem Nobelpreis geehrt.
Mehr als 94 Prozent der Nobelpreisträger sind Männer
Richtig. Von den 847 Personen, die bislang einen Nobelpreis erhielten, waren nur 44 Frauen – das sind gerade einmal rund fünf Prozent der Preisträger. 15 Frauen wurden mit den Friedensnobelpreis ausgezeichnet, während nur eine – die US-Forscherin Elinor Ostrom 2009 – den Preis für Wirtschaftswissenschaften erhalten hat. Das Geschlecht spiele bei ihrer Entscheidung über die Preisträger jedoch keine Rolle, sagen die Nobel-Juroren. Das Verhältnis spiegele nur die historische Dominanz von Männern in vielen Forschungsbereichen wider.
Der Preis für Wirtschaftswissenschaften ist kein echter Nobelpreis
Richtig. Der Preis für Wirtschaftswissenschaften zählte nicht zu den fünf Auszeichnungen, die Alfred Nobel in seinem Testament für die Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden forderte. Er wurde 1968 zu Ehren Nobels von der schwedischen Zentralbank gestiftet. Er wird gemeinsam mit den anderen Preisen bekanntgegeben, ist mit demselben Preisgeld in Höhe von acht Millionen schwedischen Kronen (878 000 Euro) dotiert und wird bei der jährlichen Nobelpreiszeremonie im Dezember verliehen. Doch formal ist er kein Nobelpreis. Der offizielle Name lautet «Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank».
Alle Nobelpreise werden in Stockholm verliehen
Falsch. Der Friedensnobelpreis wird, wie von Alfred Nobel verfügt, in Oslo verkündet und verliehen. Warum Nobel das so wünschte, ist nicht bekannt, doch waren Schweden und Norwegen zu seinen Lebzeiten in einer Personalunion verbunden.
Zu Demaart
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