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Der Drang nach Höherem

Der Drang nach Höherem
(Bohumil Kostohryz)

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Vier Personen auf der Suche nach ihrem Glück. Eine fast banale Angelegenheit, die bei Paul Claudel jedoch zu einer mystischen Suche wird. Eine weitere Kreation des „Théâtre du Centaure“ zum Thema Liebe und Sexualität.

Wenige Theaterstücke sind so mit der Biografie ihres Autors verwoben, wie dies der Fall bei „Partage de midi“ (auf dt. „Mittagswende“) von Claudel ist. Er war von 1895 an als Diplomat in China. 1900 kehrt er nach Frankreich zurück und will ins Kloster eintreten.

„Partage de midi“
von Paul Claudel

Regie:
Marja-Leena Junker

Mit:
Myriam Muller: Ysé
Olivier Piechaczyk: Amalric
Franck Sasonoff: De Ciz
Serge Wolf: Mesa

Koproduktion
Théâtre du Centaure,
Cube 521 Marnach

Weitere Vorstellungen:

Théâtre du Centaure:

18., 22. und 25. Januar um 18.30 Uhr
16., 17., 21., 23. und 24. Januar um 20.00 Uhr

Escher Theater:
3. März um 20.00 Uhr

Cube 521 (Marnach)
13. März um 20.00 Uhr

Weitere Infos & Tickets:
www.theatrecentaure.lu

Nach einer Probezeit wird sein Begehren abgelehnt, ein herber Schlag für den tiefkatholischen Claudel. Auf der Reise zurück nach China im Jahre 1900 lernt er auf dem Schiff eine junge polnische Frau kennen, Rosalie Vetch. Die beiden verlieben sich, doch die Frau ist verheiratet und Mutter von vier Kindern.

Claudel schmeißt alle moralischen und religiösen Bedenken über Bord und lebt sein Verhältnis mit Rosalie offen aus, was zu der Zeit zu einem Riesenskandal führte. Die Handlung des Stücks gibt ziemlich getreu Claudels „Abenteuer“ wieder. „Partage de midi est un drame qui n’est autre que l’histoire un peu arrangée de mon aventure“, schrieb Claudel 1906 in einem Brief an Francis Jammes.

Die Reise der Protagonisten beginnt in der physischen Welt – auf dem Schiff unter der brütenden Mittagssonne – und endet in der spirituellen Sphäre, den Tod vor Augen. Der Friedhof im zweiten Akt, als Übergang zwischen Leben und Tod, ist hier der Ort der Verwandlung. Der Mittag als Übergang vom Licht in die Finsternis, der Weg der Protagonisten.

Der erste Akt spielt auf einem Schiff nach China. Dort beginnt das Drama der vier Figuren: die Frau, Ysé, die sich zwischen drei Männern befindet: De Ciz, ihr Ehemann, Amalric ihr Ex-Liebhaber, und Mesa, den sie lieben wird. Mesa sträubt sich gegen seine Gefühle: Ihm als gläubigen Katholiken ist eine Beziehung zu einer verheirateten Frau untersagt.

Amalric ist noch an Ysé interessiert, merkt jedoch, dass er im Moment keine Chancen hat. De Ciz, der Ehemann, ist eine Randfigur, lediglich das Hindernis zwischen Mesa und Ysé.

Christlich: Wandlung, Verrat, Bekehrung

Der zweite Akt setzt die Verwandlung der Hauptpersonen Mesa und Ysé in Szene. Als Ort wählte Claudel hierfür einen Friedhof. Mesa setzt sich dort über seine Bedenken hinweg, „nimmt“ sich Ysé und treibt den Ehemann in den sicheren Tod, indem er diesen dazu bewegt, eine gefährliche Reise zu unternehmen. Gleichzeitig beteuert er diesem, er sei der beste Freund, der dieser jemals hatte. Ysé wandelt sich von der mit allen Männern kokettierenden „Femme fatale“ in eine sich völlig aufgebende, leidenschaftliche, liebende Frau.

In letzten Akt befinden sich Ysé mit Amalric, zu dem sie zurückgekehrt ist, in ihrem Haus wieder und warten auf den Ansturm der chinesischen Aufständischen und damit den Tod. Plötzlich taucht Mesa wieder auf, und will Ysé mitnehmen. Es kommt zum Streit zwischen beiden Männern und Mesa bleibt tot zurück. Amalric und Ysé sind am Ende wortwörtlich ganz unten angelangt. In der letzten Szene wendet sich der tot geglaubte Mesa an Gott und fragt diesen nach dem Sinn seines Lebens. Ysé kehrt zurück und sie vereinen sich im Tod. Die beiden wenden sich auf Umwegen höheren Idealen zu.

Serge Wolf spielt den von Selbstzweifeln geplagten Mesa, der erst vom Liebes-, dann vom Todesdrang getrieben wird. Ob’s gefällt, ist eine andere Frage. Myriam Muller zeigt als Ysé eine geglückte Wandlung von irdischen zu spirituellen Idealen. Weckt ihr arrogantes Spiel anfangs Antipathie, ist es später nur noch Mitleid. Olivier Piechaczyk ist majestätisch in der Rolle des Amalric, mit Momenten zu eindrucksvoll. Seine Bühnenpräsenz „erstickt“ stellenweise seine Mitspieler. Sein moralischer Fall am Ende ist umso eindrucksvoller.

Die Frage, wie weit uns die Liebe oder der Glaube treiben kann, ist heute wieder aktuell. Die Antwort „bis zum Tod“ sollte nicht als absolute Wahrheit angesehen werden.