Antworten auf diese und viele andere Fragen liefert eine Ausstellung im Geschichtsmuseum der Stadt Luxemburg, die im Rahmen des 25-jährigen Bestehens des „Ordre des architectes et ingénieurs“ (OAI) ausgerichtet wurde und noch bis Anfang kommenden Jahres zu sehen ist.
OAI: „Bau-Zeichen: Unsere gebaute Umwelt lesen“
Bis zum 3. Januar 2016
Di. bis So., 10 bis 18 Uhr
Do., 10 bis 20 UhrKontakt
Musée d’histoire de la ville de Luxembourg (MHVL)
38, rue du
Marché-aux-Herbes
L-1728 Luxembourg
www.mhvl.lu
www.oai.lu
Als Kunsthistoriker hat Hans Fellner sich seit jeher für den öffentlichen Raum interessiert und für Stadtsoziologie. So gesehen hat der OAI mit ihm genau den Richtigen ausgewählt, um die Ausstellung im Rahmen des 25-jährigen Bestehens der Vereinigung zu kuratieren.
Architektur bewusst erleben
Dass er mit Begeisterung bei der Sache war, wird beim Besuch der Ausstellung ersichtlich, die mittels einer ganzen Reihe von Fotos, Grafiken und mit dazu gehörenden Begleittexten den Laien in die Geheimnisse der „Bau-Zeichen“ einweiht. Die Ausstellung ist in zwei Teile gegliedert: In einem ersten Raum stellt sich der OAI vor: Gezeigt werden u.a. die mit dem „Bauherrenpreis“ ausgezeichneten Objekte der vergangenen Jahre. So erhält der Besucher einen Einblick in die Entwicklung der Architektur in Luxemburg in den letzten 15 Jahren. Richtig interessant und spannend wird es dann im zweiten Raum. Hier erklärt Hans Fellner anhand von zahlreichen Beispielen die Symbolik der verschiedenen Formen der urbanen Architektur.
„Ich möchte die Menschen dazu bringen, sich etwas bewusster mit der städtischen Architektur auseinanderzusetzen“, erklärt der Kurator. „Dabei geht es mir darum, Denkanstöße zu liefern und dem Besucher genügend Freiraum zur eigenen Interpretation zu lassen.“ Hans Fellner hat die Ausstellung in diesem Sinne aus der Sicht des Spaziergängers aufgebaut. Als Flaneur, der an den einzelnen Bauwerken vorbeigeht und sich diese einmal genauer ansieht.
Zeichen setzen
„Man kann Architektur lesen“, betont der Kurator. Anhand verschiedener Beispiele, wie etwa der „Erfindung“ der Gotik im Mittelalter, erklärt er dies einleitend in der Ausstellung. „Die Kirche wollte damals Zeichen setzen, mit höheren Bauwerken und mehr Licht in diesen, und das Ingenieurswesen war dazu bereit.“
Ein anderes Beispiel: Die futuristisch anmutenden Entwürfe des französischen Architekten Étienne-Louis Boullée, der im 18. Jahrhundert bauliche Visionen zu Papier brachte, die mit den damals vorhandenen technischen Möglichkeiten niemals in die Realität hätten umgesetzt werden können, in ihrer Symbolik aber beeindruckend sind.
Kirche als Orientierungspunkt
Diesen generellen Informationen zu den vielfältigen Aspekten der Architektur folgen dann konkrete Beispiele aus dem Großherzogtum, wobei sich Hans Fellner vor allem mit Bauten aus der Hauptstadt auseinandergesetzt hat. Von der Altstadt bis zum Kirchberg hat er eine Reihe von Gebäuden unter die Lupe genommen und veranschaulicht mittels Fotos und Begleittexten die Entwicklung der Architektur im Laufe der letzten Jahrhunderte und Jahrzehnte. Ein Aspekt etwa betrifft die Funktion der Kirche als Orientierungspunkt in den verschiedenen Stadtvierteln.
„Doch die letzte Kirche wurde 1980 gebaut und in den neuen Vierteln entsteht keine mehr. Ein Orientierungspunkt fehlt.“ Auf anderen Schautafeln geht es etwa um die Bankbauten. „Der Sitz der Sparkasse sorgte damals, als er gebaut wurde, für Kontroversen. Schon allein wegen der Tatsache, dass der Turm höher ist als derjenige der Kathedrale.“
Besonderes Mitbringsel
Auch die Banken wollen mit ihrer spezifischen Architektur eben Zeichen setzen. Im Fall des Sitzes der BCEE, die einem Rathaus ähnlich ist, sollte das wohl heißen: „Wir sind amtlich sozusagen, vertraut uns und wenn ihr mit einer Bank zu tun haben wollt, kommt zu uns!“, erklärt Fellner.
Es ließe sich noch viel mehr über die sehenswerte Ausstellung sagen, doch leider ist der Platz auf dieser Seite beschränkt. Erwähnen wir abschließend noch, dass jeder Besucher sich kostenlos ein interessantes Plakat mit nach Hause nehmen darf, auf dem einige der „neuen Wahrzeichen“ der Gemeinden zu sehen sind: Wassertürme, die immer spektakulärere Architekturformen annehmen. Gewissermaßen sind sie die neuen Orientierungspunkte geworden.
Eine absolut sehenswerte Ausstellung!
Zu Demaart
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