Dienstag17. Februar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

Tor nach Europa

Tor nach Europa
(Ciro Fusco)

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Anarchie und Wetter treiben Flüchtlinge nach Libyen, nachdem die Balkanroute geschlossen ist.

Viele Flüchtlinge träumen von einem besseren Leben in Europa. Die EU macht es ihnen aber künftig schwerer – und die Balkanroute ist dicht. Von Libyen aus scheint das Tor nach Europa dagegen noch immer offen. Die Bedingungen sind günstig für eine der riskantesten Reisen der Welt. Tage und Nächte sind warm im Norden Afrikas, der mäßige Wind peitscht das Mittelmeer nicht mehr so auf wie noch im Spätherbst oder Winter.

Nach der faktischen Schließung der Balkanroute könnte der Westen Libyens zu einem noch öfter genutzten Knotenpunkt für Überfahrten nach Europa werden – trotz der tödlichen Gefahr. Alleine am Samstag retteten spanische, italienische und deutsche Marineschiffe knapp 800 Bootsflüchtlinge in Seenot. In den vergangenen Jahren starben Tausende auf ihrem Weg übers Meer.

Viele starten von Tripolis aus

Die meisten Boote starten in der Nähe der Hauptstadt Tripolis. Bislang kommen die Flüchtlinge vor allem aus den afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Wie viele Flüchtlinge dieses Jahr kommen könnten, weiß niemand so genau. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini befürchtet einem Bericht von «politico.eu» zufolge, dass sich mehr als 450.000 von dem Bürgerkriegsland aus auf den Weg machen könnten. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) kann diese Zahl zwar nicht bestätigen, geht aber davon aus, dass Flüchtlinge nach Inkrafttreten des EU-Türkei-Pakts nach Alternativen suchen werden.

Zahl der Boote steigt

Die Zahl der abfahrenden Boote in Westlibyen scheint mit dem Frühlingsbeginn zu steigen. Die libysche Nachrichtenagentur Lana berichtet zunehmend von aufgegriffenen Flüchtlingen vor der Küste. In der Praxis mieten Mittelsmänner Unterkünfte, um die Flüchtlinge dort unterzubringen, bis sie ausreichend viele «Kunden» für eine Überfahrt haben.

Wenn die Flüchtlingsboote voll besetzt in Richtung der italienischen Inseln starten, ist es in den allermeisten Fällen nicht einmal mehr das Ziel, Europa aus eigener Kraft zu erreichen. Denn außerhalb der libyschen Zwölf-Meilen-Zone patrouillieren Schiffe für die EU-Operation «Sophia». Sie sollen Schleusern die Bewegungsfreiheit nehmen, retten aber auch die Flüchtlinge.

Nutznießer sind die Milizen

Die Nutznießer des Ganzen bleiben die Milizen, die im Machtvakuum des Bürgerkriegslandes ungehindert agieren können. Die manchmal tödlich endenden Überfahrten von der Küste Libyens werden weitergehen, solange das Chaos im Land selber nicht gelöst ist. Denn zur Entwaffnung der Milizen braucht es die von den Vereinten Nationen vermittelte Einheitsregierung. Genauso, um Schiffen im EU-Auftrag die Operationen in libyschen Gewässern oder Militärmächten Luftangriffe auf die Terrormiliz Islamischer Staat zu erlauben.

Das Kabinett der Einheitsregierung steht. Seine Einsetzung scheiterte dagegen bislang am Widerstand der beiden rivalisierenden Regierungen. Bis die neue Führung ihre Arbeit aufnehmen kann, bleiben die Bedingungen bestens – für Mittelsmänner, Schlepper und Milizenführer.