Der Schweizer Natur- und Tierpark Goldau hat mit einer Wärmebild-Infrarotkamera seine Wildtiere aufgenommen. Die Bilder beweisen: Wildtiere sind deutlich besser gegen Kälte geschützt als Haustiere.
Die Infrarotkamera des Tierparks Goldau in der Schweiz zeigt: Der Steinbock ist besonders gut isoliert. Nur seine Augen und die Nüstern leuchten hell und zeigen damit, dass fast nur dort Wärme abgestrahlt wird. (Tierpark Goldau)
Auch die Wisente sind gut isoliert. Bei diesen Tieren ist allerdings ein Unterschied zwischen Jungtier und ausgewachsenen Tieren sichtbar. Die Jungtiere verlieren deutlich mehr Körperwärme. Aus diesem Grund dürfen sie in der Tiergruppe auch immer in der Mitte zwischen den Elterntieren liegen und sind dadurch zusätzlich geschützt. (Tierpark Goldau)
Der Schneehase ist mit seinem dicken Fell ganz besonders gut geschützt. Er drosselt ausserdem die Durchblutung in den Ohren und verhindert an diesen exponierten Körperteilen so einen Temperaturverlust. Auf den Bildern sieht man, dass der Schneehase an den Ohren keine Wärme abgibt. Wenn der Schneehase ruht, nimmt er eine möglichst kugelige Form an. Damit erreicht er die kleinstmögliche Körperoberfläche, die am wenigsten Wärme abgibt. (Tierpark Goldau)
Störche wagen sich auch bei so tiefen Temperaturen ins Wasser. Die Kamera zeigt, dass das Wasser deutlich wärmer ist als der Schnee. Die Wasservögel sind durch ihr dichtes und gut eingefettetes Gefieder bestens vor einem Temperaturverlust geschützt. Ihre Beine, die nicht gefiedert sind, werden einfach weniger stark durchblutet. (Tierpark Goldau)
Interessant ist der Vergleich von Wildschwein und Hausschwein. Das Wildschwein hat eine einigermassen isolierende Behaarung... (Tierpark Goldau)
...die Behaarung der Hausschweine geben keinen wirksamen Kälteschutz mehr ab. Die Zucht hat dazu geführt, dass Hausschweine bei tiefen Temperaturen einen Unterstand benötigen. (Tierpark Goldau)
Nur an Stellen wie Augen, Maul und Nase verlieren sie Körperwärme. Ohne diesen Schutz könnten die Tiere im Winter nicht überleben. «Wie beim Menschen würden Erfrierungen auftreten, und der hohe Energieverlust würde auch bei den Tieren früher oder später zum Tod führen», sagt Tierarzt Martin Wehrle.
Durch die Evolution hätten sich die heimischen Tiere an das Klima angepasst und nebst dem Winterfell weitere Überlebensstrategien wie den Winterschlaf oder das Anfressen eines Fettpolsters entwickelt. Haustiere wie etwa Schweine jedoch haben ihren Kälteschutz laut Wehrle im Laufe der Entwicklung und der Zucht verloren. Deshalb benötigen diese im Winter einen Unterstand.
Eric Rings, geboren 1979 in Esch/Alzette, studierte Germanistik und Romanistik an der Universität Heidelberg und fing 2010 als Journalist beim Tageblatt an. Seit 2019 schreibt er über innenpolitische Themen.
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