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Tote Pottwale auf Nordseeinsel

Tote Pottwale auf Nordseeinsel
(Peter Kuchenbuch-hanken/dpa)

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An der deutschen Nordseeinsel Wangerooge sind zwei tote Pottwale angetrieben worden. Zuletzt war dort in den 1950er Jahren ein Orka-Wal gestrandet. Was tun mit den Kadavern?

Die dunkelgrauen Kolosse liegen in einem dünnen Rinnsal aus Nordsee-Wasser. Die dicke Haut der Wale schrumpelt, im Bauch der toten Meeressäuger sammeln sich langsam Verwesungsgase. Am Freitag sind zwei Pottwale tot auf einer Sandbank am Ostzipfel der Nordsee-Insel Wangerooge angeschwemmt worden. Und nun? Was soll passieren mit den beiden riesigen Tieren?

Dass die Kadaver wegen der Verwesungsgase explodieren könnten, hält Mathias Heckroth für unwahrscheinlich – er arbeitet für die Naturschutzvereinigung Mellumrat, die sich auf der Insel um Ranger-Aufgaben kümmert. «So warm ist es im Moment ja nicht», sagt er.

«Flüssigkeiten liefen aus»

Am Tag nach der Entdeckung strömen bei strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen Touristen, aber auch Inselbewohner zur Fundstelle, die außerhalb der Deiche liegt und zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gehört. Auch Niedersachsens Umweltstaatssekretärin Almut Kottwitz nimmt die toten Wale in Augenschein, gemeinsam mit Inselbürgermeister Dirk Lindner.

«Das war ein sehr beeindruckendes Bild», sagt sie. «Das rumorte richtig im Inneren der Wale, und Flüssigkeiten liefen aus.» Kottwitz war besorgt, dass Diebe versuchen könnten, die Elfenbeinzähne der Tiere zu stehlen. Deswegen wurden schon am Sonntag die Unterkiefer der Tiere abgetrennt, um Trophäenjägern keine Chance zu bieten.

«Bereits tot angetrieben»

Außerdem wurden den Walen Proben entnommen, die helfen sollen, die Todesursache der Tiere zu ermitteln. Inselbürgermeister Lindner geht davon aus, dass die Meeressäuger bereits tot angetrieben wurden. «Sie haben sich wohl verschwommen.»

Manfred Knake vom Wattenrat Ostfriesland beschäftigt sich seit 20 Jahren mit Walen, fast alle Arten hat er schon in der Natur erlebt, berichtet er. «In der nur bis 100 Meter tiefen Nordsee funktioniert das Echolot der Tiere nicht mehr richtig», erläutert er. «Sie kriegen kein ordentliches Ping mehr und verirren sich hilflos.»

In die Nordsee verirrt

Pottwale seien Tiefseetaucher und lebten normalerweise in Ozeanen mit mehreren Tausend Metern Tiefe. Vor allem in den Wintermonaten gelangen aber immer wieder Pottwale über die 700 Meter tiefe Norwegische Rinne in die sehr viel flachere Nordsee.

Knake glaubt nicht, dass Unterwasserlärm etwa durch Windkraftanlagen zum Tod der Tiere beigetragen hat. «Das Phänomen der Pottwal-Strandungen ist seit Jahrhunderten bekannt.» Es seien immer nur wenige Tiere, die sich verirrten, stets Männchen. Manchmal könnten auch ganze Walverbünde bei den Färöer- oder Shetland-Inseln zu früh abbiegen und in Richtung Nordsee schwimmen.

30 Tonnen Koloss

Auf Wangerooge war zuletzt in den 1950er Jahren ein Orka-Wal gestrandet. 1994 wurde auf der Insel Baltrum ein Pottwal angeschwemmt, sein Skelett ist heute in Wilhelmshaven ausgestellt. 1996 strandete ein 16 Meter langer toter Pottwal an der Insel Norderney; der 30 Tonnen schwere Koloss wurde später in einer Grube im Dünengürtel der Insel versenkt. Zuletzt wurde 2012 auf Juist ein neun Meter langer toter Zwerg- oder Minkwal am Strand entdeckt.

Auf Wangerooge soll nun von diesem Montag an überlegt werden, wie die toten Tiere abtransportiert werden können. «Wir müssen sehen, ob man mit Booten nah genug an die Fundstelle kommt oder ob die Tiere zerlegt werden müssen», sagte Wangerooges Bürgermeister Lindner.

Eines der Meeressäuger-Skelette soll jedoch auf der Insel bleiben, damit es für Besucher beim Nationalpark-Haus ausgestellt werden kann. Die Kostenfrage der Entsorgung ist bereits geklärt: Dafür ist das Land zuständig.