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Mutig müssen die Neandertaler gewesen sein - mit Speeren und Lanzen griffen sie Bären gezielt in Höhlen an, um sie dort zu stellen. Das hat ein Forscher herausgefunden, der Knochen aus der nordrhein-westfälischen Balver Höhle untersucht hat.

Höhlenbären waren vor tausenden Jahren in unseren Breiten eine wichtige Nahrungs- und Materialquelle für Neandertaler. Die Tiere wurden in Höhlen gezielt gejagt und dann regelrecht ausgeschlachtet, wie der Archäologe Lutz Kindler in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa sagte. Er arbeitet für das Monrepos, Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution, in Neuwied, eine Einrichtung des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz.

Logo" class="infobox_img" />Der Archäologe Lutz Kindler zeigt am 21.11.2012 im Archäologischen Forschungszentrum und Museum für die menschliche Verhaltensevolution Neuwied Monrepos (Rheinland-Pfalz) den Schädel eines Höhlenbären, der aus der Balver Höhle im Sauerland stammt. (dpa)

Kindler untersuchte über Jahre Knochenfunde aus der Balver Höhle in Nordrhein-Westfalen. Das Ergebnis: Die Neandertaler lauerten den Tieren, die bis zu einer Tonne schwer werden konnten, in der Höhle auf und erlegten sie dort. Die Balver Höhle im Sauerland ist eine der größten Fundstellen aus der Zeit der Neandertaler, wie Kindler betont. Dort seien mehr als 20 000 Tierknochen gefunden worden. Etwa zwei Drittel davon stammten von den damals lebenden Höhlenbären – einer Art, die deutlich größer war als heutige Braunbären.

Vielseitig nutzbar

Bei den Knochen in der Höhle handelt es sich um die Überreste von mehr als 100 Tieren. «Sie haben sich Höhlen bevorzugt zum Überwintern ausgesucht», sagte Kindler. Die Neandertaler seien in Gruppen immer wieder in die Höhle gegangen, um dort einzelne Bären zu töten. «Es war sehr attraktiv, dass in den Höhlen voraussichtlich immer Essen drin war», ergänzte der Archäologe. «So ein Bär ist eine Riesenportion Fett – eine wichtige Energiereserve, um über den Winter zu kommen.»

Dass Höhlenbären zuhauf in der Höhle getötet wurden, zeige sich anhand von Spuren der Schlachtung auf gefundenen Knochen. Diese entsprächen der Art und Weise, wie Neandertaler auch andere Tiere wie Pferde und Rinder ausgenommen hätten.

Mit Speeren und Lanzen

Angegriffen hätten die Neandertaler die Bären mit Speeren und Lanzen. «Das waren die Waffen der Zeit», sagte Kindler. «Sie mussten dicht an das Tier ran, eine echte Konfrontationsjagd.» Insgesamt werde deutlich, dass Neandertaler effiziente Großwildjäger gewesen seien, die sogar gefährliche Tiere in ihren Verstecken angriffen.

Die erlegten Tiere seien fast komplett verwertet worden. So seien etwa das Fell abgezogen und die Knochen aufgeschlagen worden, um an das fettreiche Mark zu gelangen. «Es zeigt, dass die Menschen am Ende der Nahrungskette waren», sagt Kindler. «So ein Tier bot Sehnen für Fäden, Fell für Pelze und Fleisch – eine Art Tante-Emma-Laden.»