«Es ist immer warm und wird meist an dunklen Orten gelagert: Das Smartphone ist ein idealer Nährboden für Bakterien aller Art», warnt Dan Barnes, Mitgründer der US-Firma Phonesoap. Mit einer speziellen Sterilisationsbox will seine Firma nun Abhilfe schaffen und das Smartphone zur keimfreien Zone machen.
Mit den zwei blauen Leuchtröhren sieht die Box von Phonesoap aus wie ein Mini-Solarium. Das Gadget verhilft aber nicht zu perfekter Bräune, sondern soll der Bakterien-Killer schlechthin sein — und gleichzeitig das Smartphone aufladen. Die Idee: Über Nacht lagert das Telefon in der Box und wird dort mit UV-C-Licht bestrahlt. «Das zerstört die DNA von Bakterien», sagt Barnes. Kostenpunkt für ein klinisch sauberes Handy: Rund 49 Dollar. Im Sommer soll eine grössere Box für Tablets folgen.
Meister Proper spielt Musik
Ein ähnliches Prinzip verfolgt Hersteller Cleanbeats, der sein Produkt an der diesjährigen Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vorstellt hat. Mit der Box des kalifornischen Start-ups sollen sich gleich zwei Smartphones gleichzeitig reinigen lassen. Dahinter steckt Technologie der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Die Bakterien werden laut dem Hersteller mit sogenannt katalytischen Hydroperoxid-Molekülen abgetötet. Während sich die Smartphones in der «Waschanlage» befindet, kann über integrierte Boxen Musik abgespielt werden. Das alles hat seinen Preis: Cleanbeats, das in Kürze auf den Markt kommen soll, kostet knapp 500 Dollar.
Silberionen töten Bakterien
Der US-Glasspezialist Corning will den Bakterien mit einem antimikrobiellen Glas den Nährboden entziehen. Das reguläre Gorilla-Glas wird bereits heute in Smartphones von Samsung, Nokia oder Apple verbaut. Die Weiterentwicklung verspricht, dass bis zu 99,9 Prozent der Bakterien auf dem Display beseitigt werden sollen. Dafür werden sogenannte Silberionen direkt ins Glas eingebaut. Laut Corning sollen das Spezialglas für den Nutzer komplett sicher und die Silberionen ungiftig sein. Bisher ist aber noch nicht bekannt, welcher Hersteller als Erster das Spezialglas in eines seiner Geräte verbauen wird.
Gadgets sind schmutziger als ein WC
Der Trend zum klinisch sauberen Smartphone könnte Anklang finden. Eine Untersuchung von britischen Forschern hat letztes Jahr gezeigt, dass Smartphones und Tablets wahre Bakterienschleudern sein können. Getestet wurden insgesamt 30 Geräte. Auf einem Tablet wurden in einem Labor 600 Bakterien des Typs Staphylococcus Aureus gefunden, die zu Durchfall und Erbrechen führen können. «In der Studie war zu lesen, dass Smartphones bis zu 18 Mal schmutziger sind als öffentliche Toiletten», sagt Barnes von Phonesoap. Dies habe ihn zur Entwicklung der Reinigungsbox inspiriert.
Ob sich die speziellen Putz-Gadgets und das antibakterielle Displayglas durchsetzen werden, wird sich zeigen. Wer sein Telefon sauber halten will, kann auch einfach zu Desinfektionstüchern greifen und damit ab und zu das Gerät reinigen. Dabei sollte aber vorher geprüft werden, ob der Alkohol nicht die Oberfläche der Geräte angreift. Denn viele Hersteller, darunter Apple, raten von der Verwendung aggressiver Reinigungsmittel ab.
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