Es waren brenzlige Minuten, die Astronaut Luca Parmitano Mitte Juli durchstehen musste. Bei einem Routineeinsatz außerhalb der internationalen Raumstation ISS spürte der Italiener plötzlich Wasser an seinem Nacken. Schnell stieg es zu den Augen, der Nase und schließlich dem Mund. Insgesamt eineinhalb Liter flossen wegen eines Lecks in seinem Helm. Nur dank der besonnenen Reaktion seines Partners, der Parmitano zur Luftschleuse zurückführte, überlebte dieser damals die Situation.
Nun hat sich die Nasa etwas einfallen lassen, um die Astronauten auf allfällige Wasserschäden vorzubereiten. Die vergangenen Monate hatten sich die Experten der US-Raumfahrtbehörde und die ISS-Astronauten den Kopf darüber zerbrochen, was der Grund für die Havarie gewesen sein könnte. Inzwischen gehen sie davon aus, dass ein verstopfter Filter den Wasserkreislauf von Parmitanos Raumanzugs durcheinander gebracht hatte. Was den Filter verstopft hatte, bleibt allerdings weiter unklar.
MacGuyver wäre stolz
Die jetzt gefundene Lösung für den Notfall ist ein Schnorchel, den die Astronauten auf der ISS à la MacGuyver selber gebaut haben. Dazu schnitten sie ein 50 Zentimeter langes Stück eines Plastikschlauchs ab, wie er normalerweise für den Kühlkreislauf in einem Raumanzuge verwendet wird. An dieser Röhre befestigten sie ein Stück Velcro, um sie damit im Innern des Anzugs zu befestigen. Sollte sich nun Wasser im Helm sammeln, können die Astronauten den Schnorchel mit dem Mund fassen und Luft aus dem Bereich der Taille einatmen.
«Einige gewiefte Ingenieure am Boden sagten sich ‹Hey, das hat einen ähnlichen Durchmesser wie die Schnorchel, die man zum Tauchen verwendet›», erklärte Allison Bolinger, die bei der Nasa für die Außenbordeinsätze zuständig ist, gegenüber den Medien. «Sie hatten diese geniale Idee.»
Pad im Helm
Doch die Schnorchel sind nur für den äußersten Notfall gedacht. Um ein allfälliges Leck zu entdecken, bevor es zum Problem wird, gibt es in den Helmen der Astronauten neu ein sogenanntes Helmet Absorption Pad. Dieses Stück Material kann bis zu 800 Milliliter Wasser aufnehmen und ist hinten im Helm angebracht. Wenn der Astronaut seinen Kopf nun gegen die Rückwand des Helms drückt, kann er erfühlen, ob das Pad sich mit Wasser gefüllt hat. Je nachdem wie feucht es ist, kann er entscheiden, ob er in Gefahr ist, und rechtzeitig reagieren.
Ab Samstag könnten die beiden Verbesserungen zum ersten Mal zum Einsatz kommen. Dann werden die beiden US-Astronauten Rick Mastracchio und Michael Hopkins den ersten von drei geplanten drei Außenbordeinsätzen unternehmen, um eine defekte Kühlpumpe zu ersetzen. Diese hatte sich vor gut einer Woche wegen eines defekten Ventils selber abgeschaltet.
Zu Demaart
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