Unruhige Märkte, Wachtumsfragen und Erfolgsstories: Das waren die Themen, die Yves Nosbusch, Chef-Volkswirt der BGL BNP Paribas beim Pressefrühstück am Dienstag Morgen berührte. Aber auch die Frage, ob Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank seine Möglichkeiten nun ausgeschöpft hat.
«Welche Mittel stehen Mario Draghi, noch zur Verfügung?», heißt die Frage. Die Zinsen sind im Keller, Draghi kauft Schulden der Banken und stattet die Institute mit Kapital aus. Draghi bereitet die Märkte darauf vor, dass er demnächst Staatsanleihen kaufen wird und damit Staaten finanzieren wird. Draghi geht an die Grenzen dessen, was das Mandat für die europäische Zentralbank zulässt. Aber: Es funktioniert nicht. «Das Problem ist», sagt Yves Nosbusch, «dass die Unternehmen nicht anspringen. Es gibt keine Investitionsneigung in Europa. Und damit gibt es auch kein Wachstum. Von der Finanzseite her hat der Präsident der Europäischen Zentralbank alle Mittel ausgeschöpft bis hin zur Abwertung des Euro.»
Euro-Abwertung um 10 Prozent
Der Euro hat in den vergangenen Monaten gegenüber dem US Dollar eine Abwertung von zehn Prozent hinnehmen müssen, erklärt Nosbusch. Das müsste in Europa die Exporte anziehen lassen. Bisher muss man darauf warten. «Von der finanziellen Seite her hat die europäische Zentralbank ihr Potenzial ausgeschöpft.» Die Märkte sind mit Kapital gut ausgestattet. Auf der industriellen Seite fehlt weitgehend das Vertrauen. Es fehlt aber auch die Notwendigkeit, Kredite aufzunehmen. Die Unternehmen sind weitgehend gut ausgestattet mit Kapital. «Der Konsum fehlt und die Investition fehlt. Beides führt dazu, dass die Haushalte und die Unternehmen Geld anhäufen.» Nosbusch geht davon aus, dass es politische Anreize geben muss und setzt seine Hoffnung auf die neue Europäische Kommission mit Jean-Claude Juncker an der Spitze.
Die Ökonomen der BNP Paribas Gruppe sind, so Nosbusch, der Meinung, dass es in Europa ein bescheidenes aber konstantes Wachstum geben wird. Sie sind dabei positiver eingestimmt als der allgemeine Konsens. Das Wachstum könnte in diesem Jahr in Europa noch 0,7 Prozent erreichen, würde im kommenden Jahr auf 0,9 Prozent ansteigen und 2016 dann auf 1,5 Prozent klettern. Nosbusch: «Kommt es aber zu irgendeinem Schock, etwa durch die Ukraine, oder China oder dem Mittleren Orient, dann gibt es in Europa eine Rezession.» Die Success-Story sind seiner Auffassung nach die Länder Irland, Spanien und Portugal, die sich aus ihren Schwierigkeiten befreit hätten und nun Wachstum aufweisen würden.
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