Fällt der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg dem deutschen Siemens Konzern in den Rücken? In einem Brief an den Vorstandsvorsitzenden des US Konzerns General Electric, Jeff Immelt, fordert französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg die Nordamerikaner auf, ihr Angebot für den Kauf der Energiesparte der Alstom Gruppe deutlich zu erhöhen. Montebourg fordert von den Amerikanern, im Gegenzug ihre Transportsparte an Alstom zu verkaufen. Das ist aber gleichzeitig der wesentliche Teil des Angebotes, das Siemens den Franzosen macht. Montebourg macht Siemens damit zu einem politischen Spielball in der Auseinandersetzung um den französischen Elektro Konzern Alstom.
Wie im Falle der Stahlwerke von Florange oder dem Verkauf der Mobilfunksparte SFR des Vivendi Konzerns benimmt der französische Wirtschaftsminister sich, als ob er der Chef der Unternehmen sei, die in Wirklichkeit Privatfirmen sind, an denen die Regierung in Paris keine Anteile besitzt.
Zick Zack Kurs
Um die Übernahme der Alstom Energiesparte durch General Electric zu vermeiden, hatte die französische Regierung Siemens gedrängt, den «weißen Ritter» zu spielen. Frankreich verband das mit der Philosophie, dass man in Europa einen großen Energiekonzern bilden müsse und dass nun der Moment dafür gekommen sei. Montebourg lobte, dass man mit Siemens und Alstom einen großen Energiekonzern bilden und gleichzeitig durch das Zusammenfügen der Transportbereiche der beiden Konzerne einen großen Verkehrskonzern schaffen könne. Mit dem Brief an den Chef des US-Konzerns fährt Montebourg einen Zick Zack Kurs und stellt die europäische Variante in Frage.
Die Bitte der französischen Regierung an Siemens, sich an dem Bieterstreit zu beteiligen, ist bei französischen Ökonomen sofort auf scharfe Kritik gestoßen. Siemens hat zwar zugesichert, dass man auf einen Zeitraum von drei Jahren die Arbeitsplätze erhalten wolle. Volkswirte verweisen allerdings darauf, dass die Produktgruppen von Siemens und Alstom gleich sind und auf Dauer in Frankreich bis zu 3.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel stünden. Ein Partner Siemens würde im Grunde nur einen Konkurrenten aus dem Markt kaufen.
Im Aufsichtsrat des deutschen Konzerns, dem im Grunde keine großen Chancen eingeräumt werden, melden sich kritische Stimmen, die mit einem Engagement bei Alstom nicht unbedingt einverstanden sind. Der Chef des Alstom Konzern hat seinerseits mit dem Vorstandsvorsitzenden des Siemens Konzerns telefoniert und ihm volle Unterstützung bei der Prüfung der Bücher zugesagt. Auch das Siemens Angebot soll fair geprüft werden. Alstom hat sich bis Ende Mai Zeit gegeben, um eine endgültige Entscheidung zu treffen. Wirtschaftsminister Montebourg, im Prinzip nur Zuschauer bei dem Verfahren, scheint die Zeit nutzen zu wollen um den Störenfried zu spielen.
(Helmut Wyrwich / Tageblatt.lu)
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