Es ist nicht so, als ob die Stahlindustrie in Europa nicht Sorgen hätte. Robrecht Himpe, seit Donnerstag neuer Präsident des europäischen Stahlverbandes Eurofer, spricht sie im Tageblatt Gespräch offen aus: „Die Marktnachfrage lässt zu wünschen übrig, der Handel arbeitet weltweit nicht fair, und bei der Energie und Klima gibt es Sorgen“.
„In Europa liegt der Stahlverbrauch immer noch um 25 Prozent unter dem Stand von 2007“, sagt Himpe. „In den USA liegt er bereits wieder auf dem Stand von 2007“. Himpe, Mitglied der Geschäftsführung des weltweit größten Stahlkonzerns ArcelorMittal, erklärt den Unterschied mit der Verschiedenheit der Mentalitäten. Sobald es eine Krise gibt, schalten die Europäer auf eine Sparmentalität um und brauchen Zeit um danach wieder in den Konsum einzusteigen. Die Amerikaner sind schneller wieder positiv eingestellt“, sagt Himpe. „Die USA sind der größte Verbrauchermarkt. Gut 18 Prozent des weltweiten Stahlverbrauchs entfallen auf die USA“, fügt er an und verweist darauf, wie es heutzutage der US-Automobilindustrie geht, nicht ohne darauf zu verweisen, dass die Situation bei der europäischen Automobilindustrie ganz anders aussieht.
Stahlverbrauch nimmt zu
Der globale Stahlverbrauch wird im begonnenen Jahr um etwa drei bis 3,5 Prozent steigen, schätzt der Eurofer-Präsident. In Europa wird der Stahlverbrauch um maximal drei Prozent zunehmen. Himpe schätzt, „dass der Stahlverbrauch zum ersten Mal seit sieben Jahren im Maschinenbau und im Bausektor zunehmen wird. Die beiden Bereiche stellen etwa 40 Prozent des Stahlverbrauches dar.
Schwierigkeiten sieht Himpe im internationalen Handel. Bei den Langprodukten, stieg der Import der Langprodukte um über 40 Prozent Jahr für Jahr. „Europa ist hier liberaler als die Vereinbarungen der Welthandelsorganisation (WTO), sagt Himpe. „Wir sind hier nicht protektionistisch. Wir erwarten nur einen fairen Austausch. Heimische Stahlproduzenten müssen unter denselben Bedingungen arbeiten können wie internationale Konkurrenten.
Große Unterschiede bei Energiekosten
Das gelte auch für die Kosten. „In den USA liegen die Kosten um 50 Prozent bei Gas und Strom unter denen in Europa. Wir haben Übersichten über die Energiekosten in Europa. Aus denen geht hervor, dass in Luxemburg die Energiekosten um 20 Prozent über denen von Deutschland liegen“, betont Himpe.
Das Problem liegt beim Stahl auch im Umweltbereich. „Wir haben es mit Klimazielen und mit Reduzierungsvorstellungen bei Kohlenstoffdioxid zu tun, die technisch unerreichbar sind. Die Unterschiede in Europa sind so groß, dass die Vorgaben und die Marktsituation Europas Stahlwerke auch an den Rand der Existenz bringen können, weil die Kosten einfach zu hoch sind. Wir haben ein Stahlwerk in Bilbao, das nicht nur hohe Stromkosten hat, sondern auch den Schrott sehr teuer einkaufen muss. Da stellt sich die Frage der Wettbewerbsfähigkeit. Das sind im Großen die Probleme, die wir in Europa bei sehr unterschiedlichen Ausgangspositionen in der Stahlindustrie haben.“
(Helmut Wyrwich / Tageblatt.lu)
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