Wirtschaftsstaatsekretärin Francine Closener stellte am Mittwoch im Inkubator „Technopol“ in Esch-Belval die Studie mit dem etwas sperrigen Namen „Global Entrepreneurship Monitor“ (GEM) vor.
Psychologische Gründe
Die Studie befasst sich nicht mit den praktischen Schwierigkeiten, die Personen bei der Unternehmensgründung erleben, sondern mit den psychologischen Gründen (Wahrnehmungen und Empfindungen), welche die Menschen dazu bewegen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen oder eben auch nicht. Sonderlich überraschend waren die groben Resultate jedenfalls nicht. Allenfalls die Diskrepanz zwischen den Menschen, die sich befähigt finden, ein Unternehmen zu gründen, und denen, die am Ende ein solches über den Zeitraum von rund vier Jahren hinaus auch noch führen, sticht heraus.
Mit anderen Worten: die Zahlen schmelzen kontinuierlich dahin in dem Prozess, der von der Intention, ein Unternehmen zu gründen, bis zum gestandenen Unternehmen führt.
In der Tat sind 43,3 Prozent (Rang 3 von 23 europäischen Ländern) der in Luxemburg Befragten der Meinung, die Kompetenzen für eine Unternehmensgründung zu besitzen. Lediglich knapp 20 Prozent haben dann allerdings die Absicht, auch diesen Schritt zu vollziehen, 8,7 Prozent tun es dann auch. Dies ist laut Francine Closener immerhin noch ein hoher Wert. Allerdings schmilzt dieser dann nach den Anfangsjahren auf lediglich 2,4 Prozent.
Die Gründe hierfür dürften auf mindestens zwei Ursachen zurückzuverfolgen sein: die Angst vor dem Scheitern (42,9 Prozent/ Rang18) und die Ansicht vieler, dass die Selbstständigkeit eine schlechte Berufswahl ist (39,4 Prozent/Rang 21).
Paradox
Die Staatsekretärin bezeichnete diese Situation denn auch als ein Paradox: „Viele haben Lust und nur wenige vollziehen diesen Schritt.“ In der Tat, denn eigentlich haben die Unternehmer unter den Befragten auch noch einen hohen Status (70 Prozent / Rang 9).
„Man muss in diesem Sinne die Rolle der Emigration hervorheben. Die ‚résidents non-luxembourgeois‘ tragen zu einem wesentlichen Teil zur Schaffung von Unternehmen bei.“ Es würde sich zwar oft um kleine Firmen im Dienstleistungssektor handeln, sie würden allerdings das Rückgrat der Luxemburger Wirtschaft darstellen.
Interessant verspricht jedenfalls die Entwicklung dieser Zahlen in den kommenden Jahren zu werden. In der Tat sind eine ganze Reihe von Initiativen seit Jahren dabei, das Unternehmertum zu fördern. „Wir müssen auf vielen Ebenen etwas tun. Vor allem muss aus den Köpfen raus, dass eine unternehmerische Pleite ein gesellschaftliches Stigma ist und jeglichen Neuanfang bereits im Keim verhindert“, meinte Francine Closener abschließend.
Zu Demaart
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