Montag19. Januar 2026

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Frühwarnsysteme für die Arktis

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Die Meereswirtschaft wächst. Rund 1000 Experten aus Politik, Wissenschaft und Verwaltung diskutieren auf dem "Europäischen Tag der Meere" in Bremen, wie damit umzugehen ist. Experten warnen vor Risiken.

In der Industrie herrscht Goldgräberstimmung: Die Meere und vor allem die Arktis bergen große Schätze wie Öl oder Gas. Auch auf dem «Europäischen Tag der Meere» dreht sich vom 19. bis 20. Mai alles um die Meereswirtschaft. Doch Wissenschaftler warnen vor den Umweltrisiken, die die Ausbeutung der Rohstoffe mit sich bringen. Dringend würden neue Technologien für Beobachtungs- und Frühwarnsysteme benötigt, sagt etwa die Direktorin des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts, Karin Lochte, der Nachrichtenagentur dpa.

Frage: Was sagen Sie dazu, dass die Industrie Richtung Arktis drängt?

Antwort: Wir Wissenschaftler können im Augenblick noch nicht mit ausreichender Sicherheit sagen, welche Maßnahmen notwendig sind, um in der Arktis umweltgerecht arbeiten zu können. Dafür brauchen wir viel mehr Daten. Wir können es uns nicht erlauben, hemdsärmelig an die Sache heranzugehen, denn Ölunfälle sind zum Beispiel ein großes Risiko. So etwas kann allein schon über die Schifffahrt passieren. Wenn ein Tanker verunglücken würde, hätten wir ein Problem.

Frage: Welche Risiken bestehen noch?

Antwort: Zum Beispiel wenn an einer Ölplattform starker Eisgang herrscht. Dann muss man Voraussagen über das Auftreten großer Belastung haben, um rechtzeitig Maßnahmen einzuleiten. Man muss wissen, aus welcher Richtung die Strömungen kommen und wohin mögliche Ölverschmutzungen treiben. Wir brauchen Frühwarnsysteme, damit man relativ rasch eingreifen kann, um Schaden zu verhindern oder um vorzubeugen, bevor der Schaden zu groß wird.

Frage: Wie sieht so ein Frühwarnsystem aus?

Antwort: Es reicht nicht, wie bisher mit dem Schiff rauszufahren und punktuell Messungen zu machen oder nur von Zeit zu Zeit Daten von ausgesetzten Messsystemen einzusammeln. Stürme und Eis verhindern zudem, dass wir vor Ort sind, wenn es kritisch ist. Wir benötigen autonome Messsysteme, die wir aussetzen können und die uns verlässliche Daten zeitnah und selbstständig über Satellit oder Kabel übermitteln. Dafür brauchen wir neue Sensoren, neue Ideen für Energieversorgung, für Datenspeicher und Datenübertragung und auch mobile Trägersysteme, die in der Arktis auch unter dem Eis arbeiten können.

Frage: Wie lange wird es dauern, solche Technologien zu entwickeln?

Antwort: Die Entwicklung ist erst am Anfang. Da ist noch sehr viel Spielraum für Innovation. Es wird vielleicht noch zehn Jahre dauern, bis wir gute Beobachtungssysteme eingerichtet haben. Das ist alles auch nicht ganz billig. Deshalb sollten wir diese teure Infrastruktur auch – wenn sie denn einmal vorhanden ist – international abgestimmt nutzen. Auf der Konferenz wollen wir zum Beispiel auch überlegen, wie wir jetzt schon die beiden Forschungseisbrecher, die wir in Europa haben, zusammen mit den eisverstärkten Forschungsschiffen (Schiffe, die in gewissem Umfang vor Eis geschützt sind) besser international aufeinander abstimmen und gemeinsam nutzen können.

Frage: Sollte man die Industrie an den Kosten beteiligen?

Antwort: Wir werden diese Systeme nicht einsetzen, damit bestimme Industrien einen einseitigen Vorteil bei der Nutzung der Ressourcen im arktischen Ozean haben. Sondern wir wollen Behörden beraten. So wollen wir erreichen, dass sie genügend Information haben, um entscheiden zu können, ob ein gewünschter Eingriff möglich ist oder nicht. Die Industrie kann aber natürlich unsere Daten nutzen, wie alle anderen auch. Deshalb wäre es schön, wenn sich auch die Industrie finanziell an der Beobachtung der Ozeane beteiligt. Denkbar wäre etwa ein von der Industrie und anderen gespeister Fonds, der von einer neutralen Einrichtung verwaltet wird, um entsprechende Forschung zu fördern.