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„Fortis hat die Aktionäre getäuscht“

„Fortis hat die Aktionäre getäuscht“

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Der Zusammenbruch der Fortis-Gruppe im Jahre 2008, der unter anderem zur Übernahme der BGL durch die BNP Paribas führte, hat in Amsterdam zu einem gerichtlichen Nachspiel mit erstaunlichem Urteil geführt.

Kaum ein Bankenzusammenbruch hat in einem Maße zu gerichtlichen Auseinandersetzungen geführt wie der Zusammenbruch der Fortis-Gruppe. In einem neuen Urteil hat nun der Gerichtshof von Amsterdam ein weitreichendes Urteil gefällt. Die Fortis habe die Aktionäre getäuscht und müsse Schadensersatz zahlen, urteilten die Richter. Betroffen von dem Urteil ist die Ageas Finanzgruppe, in die der holländische Teil der Fortis umbenannt worden ist. Die Höhe des Schadensersatzes wird in einem gesonderten Urteil festgesetzt.

Die Niederlande hatten die Rettung der Fortis-Gruppe nach der ersten staatlichen Rettungsaktion durch Belgien, die Niederlande und Luxemburg in eine völlig andere Richtung gelenkt. Sie hatten Fortis Niederlande kurzerhand verstaatlicht. Belgien und Luxemburg befanden sich damals in der Situation, die belgische Fortis-Gruppe, zu der die BGL gehörte, retten zu müssen. Dabei ging es in Luxemburg nicht nur um das Schicksal der BGL sondern auch das Guthaben der Kunden und um die finanzielle Fähigkeit des Luxemburger Staates, die BGL retten zu können. Letztlich kaufte die BNP Paribas die BGL.

In Belgien wurde geklagt

In Belgien fanden sich Aktionäre zusammen und klagten. Sie waren der Meinung, über den Wert des ehemaligen Allfinanzkonzerns bei der Verstaatlichung durch die Niederlande im Jahre 2008 getäuscht worden zu sein. In erster Instanz hatte der mehrere hundert Mitglieder umfassende Verein von privaten und institutionellen Aktionären im Jahre 2011 verloren.

In der zweiten Instanz waren die Richter der Meinung, dass Fortis (heute Ageas) die Investoren im jahre 2008 getäuscht und unzureichend informiert habe. Die Täuschung liegt, so das Gericht, darin, dass Fortis nach der ersten Rettungsaktion 2008 in den Medien geäußert habe, dass „die Gruppe stärker als jemals zuvor sei“. Da Fortis gewusst habe, dass diese Information falsch gewesen sei, habe man ein Täuschungs-Signal gegenüber den Finanzmärkten und den Investoren ausgesendet, zitiert die belgische Wirtschaftszeitung „l´Echo“ das Urteil des Amsterdamer Gerichtshofes. Investoren hätten daher, vermutlich beeinflusst durch die Äußerungen der Bank, entweder Fortis-Aktien gekauft oder sie behalten. Diese Entscheidung habe zu Verlusten geführt und „Fortis ist für diese Verluste verantwortlich“.

Entschädigungen in Milliardenhöhe

Die Entschädigungen, so Rechtsanwalt Adriaan De Gier, Vertreter der in der Vereinigung „Fortiseffect“ zusammengeschlossenen Aktionäre, könnten sich in Milliardenhöhe bewegen. Ende 2008 waren 1,2 Milliarden Fortis-Aktien im Umlauf. Hinzu kommen Obligationen und Optionen. Der Kurs der Fortis-Aktie war zu jener Zeit von fünf Euro auf 0,80 Euro gesunken. De Gier: „Der Schaden beziffert sich auf Milliarden Euro“.

Ageas nimmt nach Aussage der Wirtschaftszeitung zu dem Urteil nicht Stellung. Die Vereinigung Fortiseffect wirbt auf der website www.fortiseffect.nl um weitere Geschädigte, die sich einer Klage um die Höhe der Entschädigung anschließen wollen. Nach Aussage der Vereinigung soll die Mitgliedschaft Gebühren in Höhe von „einigen Euro Verwaltungskosten“ mit sich bringen. Geschädigte Fortis-Aktionäre sollten sich die Website kritisch anschauen.