In Deutschland hat der Konzern im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 500 Millionen auf 5,5 Milliarden Euro gesteigert. Über den Gewinn schweigt das Unternehmen. Es gebe zwar schwarze Zahlen, die aber nicht genannt werden. Deutschland, genauso wie Frankreich ziehen sich hinter die europäische Organisation der Gruppe zurück, in die sie eigebunden sind. In Europa hat der Konzern im vergangenen Jahr 29,7 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Der operative Gewinn beträgt 1,7 Milliarden Euro.
Deutschland stellt sich, genauso wie Frankreich, in der europäischen Organisation als eigenständig dar, ist es in Wirklichkeit aber nicht. Die lothringische Walzstraße Gandrange wird von Duisburg aus mit Vormaterial bedient. Während in Gandrange ein Zug ausgeladen wird, ist der zweite unterwegs und der dritte wird in Duisburg beladen. ArcelorMittal hat mit solchen Verfahren die Produktion abhängig gemacht vom Produktabsatz und damit von der Arbeit der Walzstraßen. Grenzüberschreitend arbeitet auch die dritte Anlage in Deutschland. Eisenhüttenstadt versorgt den Osten mit Produkten.
Kein Sympathieträger
Stahl ist in der Herstellung ein Produkt , das kein Sympathieträger ist. Hochöfen sehen nicht anziehend aus. In absehbarer Zeit werden sie aber nicht ersetzt werden können, sagt der Deutschland Chef Frank Schulz. Er wirbt dafür, dass Stahl in seinem gesamten Leben betrachtet wird, von der Produktion über die Funktionserfüllung bis hin zum Recyclingprozess. Erst im Recyclingprozess nämlich mache sich der Einsparungsprozess von Kohlenstoffdioxid bemerkbar. „Stahl“, so Schulz, könne in der Herstellung nicht auf Kohlenstoff verzichten, weil nur mit Kohlenstoff dem Eisen der Sauerstoff entzogen werden könne.
Die Manager von ArcelorMittal Deutschland gehen nicht davon aus, dass man derzeit mit den bestehenden Auflagen ein Stahlwerk neu bauen könne. Die Industrie sei heutzutage nicht mehr genehmigungsreif. Die 88 Millionen Euro, die der Luxemburger Konzern daher im laufenden Jahr in Deutschland investieren werde, seien „Verteidigungsinvestitionen“, sprich: gedacht zur Erhaltung und Modernisierung bestehender Anlagen. Insgesamt hat der Konzern in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren 630 Millionen Euro investiert.
Problem Import
Probleme hat der Konzern, wie die gesamte deutsche Stahlindustrie mit Importen. China wird an erster Stelle genannt, aber auch Russland wird stärker. Russland entwickelt sich zum Exporteur – paradoxaler Weise – weil es das europäische Embargo gibt. Der Inlandsmarkt bricht zusammen. Die russische Stahlindustrie sucht Absatzmärkte für ihre Produkte und findet Europa. Die Klage der deutschen Stahlhersteller erinnert stark an die Vorwürfe des ehemaligen französischen Industrieminister Arnaud Montebourg. Der hatte der EU-Kommission vorgeworfen, die eigene Industrie nicht genügend vor Importen zu schützen.
Auch in anderer Hinsicht zeigen sich die deutschen Stahlkocher wenig zufrieden mit Europa. Die Pläne Brüssels, die Zertifikate für Kohlenstoffdioxid schneller aus dem Verkehr zu ziehen und sie in eine Reserve zu legen, stoßen auf Unverständnis weil man Stahl ohne Kohlenstoffdioxid eben nicht produzieren könne. Der Konzern klagt nach außen und stellt sich nach innen auf die neue Welt der Stahlerzeugung ein. Unter dem Namen „Energize“ läuft intern ein Programm mit einem Volumen von 500 Millionen Euro, um den Energieverbrauch bis 2016 um neun Prozent zu senken. Seit 2007 sind in Deutschland 130 Millionen investiert worden, um den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid zu senken. Am Rande der Veranstaltung wurde bekannt, dass die deutschen Stahlwerke nun deutlich besser dastehen als die europäische Organisation.
19 von 25 Hochöfen
Wim van Gerven, Europachef des Konzerns, redet von einem freundlichen Beginn des Jahres 2015. Deutschland, so meint er, werde das hohe Niveau von 2006 wieder erreichen. Insgesamt läge Europa aber immer noch unter dem Benchmarkjahr 2007. In Europa liefen derzeit 19 von 25 Hochöfen. In Eisenhüttenstadt, in Dünkirchen, in Polen stünden 2015 / 2016 Hochöfen zur Erneuerung an. Die Produktion in Dünkirchen, zentraler Standort an der Ärmelkanal Küste soll auf sieben Millionen von jetzt fünf Millionen ausgedehnt werden. Dünkirchen beliefert unter anderen Walzstraßen in Lüttich und in Florange. Die lothringischen Walzstraßen wiederum beliefern deutsche Automobilfabriken.
Stahl, so Schulz, ist ein moderner Werkstoff. Der Stahl von heute habe nichts mehr mit dem von vor 20 Jahren zu tun. Und: Man sei heute in der Lage, 2500 verschiedene Qualitäten herzustellen, Stahl mithin für alle industriellen Bedürfnisse zu liefern.
Zu Demaart
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