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Der Präsident steht vor dem Rücktritt

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Der Vorsitzende des Verwaltungsrates der BNP Paribas, Baudoin Prot, steht vor dem Rückritt, melden französische Medien. Der Rücktritt soll eine Folge der Embargo-Umgehungen sein, die dem Pariser Finanzkonzern eine Strafe von 6,6 Milliarden Euro einbrachten.

Baudoin Prot war von 2003 bis 2011 Generaldirektor des Finanzkonzerns. Auf ihn geht im wesentlichen der Ausbau der BNP zu einem europäischen Finanzkonzern mit den Heimatländern Frankreich, Italien, Belgien, Luxemburg und neuerdings auch Deutschland zurück.

In seine Amtszeit fallen aber auch die Dollar Kompensationsgeschäfte im Zeitraum von 2006 bis 2011, die eine Umgehung der Embargos gegen den Sudan oder auch den Iran bedeuteten. Im Rahmen der Ermittlungen hat sich herausgestellt, dass Prot diese Geschäfte sofort eingestellt hat, als er davon Kenntnis erhielt. Die US-Behörden haben ihm dies angerechnet, indem sie seinen Rücktritt vom Posten des Verwaltungsratsvorsitzenden nicht gefordert haben. Der Rücktritt erscheint allerdings unvermeidlich nach der harten Geldstrafe von 6,6 Milliarden Euro. Die französische SonntagsZeitung «Le Journal du Dimanche» zitiert Stimmen aus dem Umfeld von Baudoin Prot, denen zufolge er selbst von der Affäre sehr betroffen sei und seinen Rücktritt als unvermeidlich ansieht. Baudoin Prot will seine Entscheidung nach der Sommerpause im September bekannt geben. Sein Rücktritt wird ein politisches Opfer sein.

Einer der Retter der BGL

Prot steht in Luxemburg für die Rettung der BGL. Während der Finanzkrise in den Jahren 2007 und 2008 war die BGL Bestandteil der Fortis Gruppe. Als Fortis in Schwierigkeiten geriet, vereinbarten die luxemburgische Regierung und Prot, dass die BNP Paribas die BGL nötigenfalls übernimmt, wenn Fortis untergehen sollte und der belgische Teil der Fortis nicht Bestandteil der BNP Paribas werden sollte. Die Bereitschaft der BNP Paribas, die BGL zu übernehmen, gab mitten in der Krise dem Land die Sicherheit, dass die größte luxemburgische Privatbank nicht in den Fortis-Strudel geraten würde. BNP Paribas hat seit 2008 den Standort Luxemburg stetig ausgebaut und beschäftigt heutzutage 4.400 Menschen in Luxemburg.

Der Rücktritt von Baudoin Prot ist der letzte einer langen Reihe innerhalb der Bank und gilt als Schlusspunkt der mit der US Affäre verbundenen Strukturveränderungen. Dazu gehört, dass das frühere Co-Vorstandsmitglied der BGL BNP Paribas, Eric Martin, die gesamte Compliance Struktur der Finanzgruppe übernimmt. Die Struktur wird zukünftig jede Aktion der Bank darauf hin überwachen, ob sie gesetzeskonform ist.

Die Bank wird weiterhin etwa 100 Mitarbeiter von Paris nach New York versetzen. Alle Dollar Geschäfte werden über den Finanzplatz an der Ostküste abgewickelt. In New York wird eine eigene Finanz-Überwachung installiert. Letztlich muss sich die Bank der dauerhaften Überwachung durch die Finanzaufsicht und das Justizministerium unterziehen, die eigene Beamte in den Büros der BNP Paribas installieren. Das ist der Preis, den die Finanzgruppe dafür bezahlen muss, dass ihr die Banklizenz nicht entzogen wurde.