Der Dax-Konzern aus Hannover kauft für rund 1,4 Milliarden Euro den US-Kautschuk- und Kunststoffspezialisten Veyance. Mit dem US-Finanzinvestor Carlyle sei darüber eine Vereinbarung getroffen worden, teilte Conti am Montag mit.
Veyance erzielte zuletzt mit weltweit rund 9000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Euro. Der Zukauf soll bei der Tochter ContiTech eingegliedert werden und somit das Geschäft außerhalb der Automobilindustrie stärken. Die US-Firma werde gleich nach Abschluss der Übernahme einen positiven Beitrag zum Konzernergebnis leisten, kündigte Vorstandschef Elmar Degenhart an. Die Akquisition werde bar und über Kreditlinien finanziert. Durch den Zukauf verstärkt sich ContiTech in Regionen, in denen das Unternehmen bisher kaum oder gar nicht vertreten ist, vor allem in den USA und Südamerika. Zusätzliche Chancen ergäben sich in Mexiko, Kanada, China und Australien, teilte Conti mit. Mit dem Abschluss der Transaktion, für die die Kartellbehörden in mehreren Ländern noch grünes Licht geben müssen, rechnet Conti im Herbst.
ContiTech-Chef Heinz-Gerhard Wente bezifferte den erwarteten Kostenvorteil durch den gemeinsamen Einkauf mit Veyance auf 75 Millionen Euro verteilt auf drei Jahre.
Bewegte Geschichte
Conti hatte sich 2007 mit der Übernahme des Autoelektronikspezialisten VDO für gut elf Milliarden Euro von Siemens stark verschuldet. Ein Jahr später folgte die Übernahmeschlacht mit Schaeffler. Die Übernahme wurde für das mit der Herstellung von Wälzlagern groß gewordene fränkische Familienunternehmen viel teuerer als geplant, weil die Finanzkrise damals aufzog. Schaeffler kämpft noch gegen die Schuldenlast.
Conti hatte den noch aus der VDO-Übernahme stammenden Schuldenberg in den vergangenen Jahren schrittweise verringert und ist dadurch wieder in der Lage, Zukäufe ins Visier zu nehmen. Der Anteil am Geschäft außerhalb der Automobilindustrie steigt durch Veyance auf knapp ein Drittel von zuvor 28 Prozent. Ziel sei weiterhin ein Anteil von 40 Prozent, bekräftigte Wente, der weitere Zukäufe zur regionalen Arrondierung nicht ausschloss. Mit einem höheren Anteil am Nicht-Auto-Geschäft will Conti unabhängiger von den Schwankungen der Automobilindustrie werden. Die Tochter ContiTech stellt Transportbänder für Minen und Schlauchsysteme für die Lebensmittel-, Kosmetik- und Pharmaindustrie her. Aber auch das Reifenersatzgeschäft gehört dazu.
Im abgelaufenen Jahr hatte der hinter dem japanischen Weltmarktführer Denso weltweit zweitgrößten Automobilzulieferer den Konzernumsatz auf 33,3 Milliarden Euro leicht gesteigert. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern belief sich auf 3,7 Milliarden Euro. Die Ebit-Rendite kletterte auf 11,2 Prozent, einen halben Prozentpunkt mehr als im Vorjahr.
Zu Demaart
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