Das Bauernopfer, das die Bank in der Auseinandersetzung mit der Finanzaufsicht des Staates New York bringt, ist nicht allzu groß. Chodron de Coucel ist 64 Jahre alt und steht vor dem Rentenalter. Er wäre normalerweise am 30. September in den Ruhestand getreten. Chodron de Courcel ist zuständig für das Finanz- und Investmentgeschäft der Gruppe und Vorsitzender des Verwaltungsrates der BNP Paribas Schweiz mit Sitz in Genf.
Wie das Wall Street Journal weiter berichtet, soll ein weiterer Kopf auf Wunsch der US-Behörden bereits gerollt sein: Betroffen sein soll Vivien Lévy-Garboua, Compliance Officer von 2005 bis 2008 und damit verantwortlich dafür, dass die Bank in den USA mit ihren Geschäften die Gesetze respektiert. Außerdem soll die Bank bereits aus eigenem Ermessen Mitarbeiter bereits disziplinarisch bestraft und auch Entlassungen vorgenommen haben.
Zehn Milliarden US-Dollar
Das Volumen der Geschäfte, mit denen die Bank die US-Gesetze verletzt haben soll, wird mit zehn Milliarden US-Dollar angenommen, schreibt die französische Wirtschaftszeitung „Les Echos“. Allein acht Milliarden sollen im Zeitraum 2002 bis 2012 auf Geschäfte mit dem Sudan zurückgehen. Eine Milliarde Dollar betrifft den Iran und weniger als eine Milliarde soll auf Kuba entfallen. Zurückgehen sollen die Geschäfte auf die United European Bank, die von der BNP Paribas Schweiz absorbiert worden ist.
Die amerikanischen Behörden scheinen darauf aus zu sein, die französische Finanzgrupppe so mit Sanktionen zu belegen, dass sie in ihrer Entwicklung gehemmt wird. Eine mögliche Geldstrafe zwischen acht und zehn Milliarden Euro könnte das Eigenkapital der Gruppe schädigen und es unter die von der Regelung Basel III verlangte Schwelle drücken. Nicht ganz klar ist, wie die Bank dem von den Behörden verlangten Schuldeingeständnis entkommen will.
Nach Auffassung der Zeitung „les Echos“ würde ein Schuldeingeständnis bedeuten, dass die Regulierungsbehörden aller Länder, in denen die Bank tätig ist (damit auch Luxemburg), die erteilte Banklizenz überprüfen müssten. Würde weiter die New Yorker Regulierungsbehörde der BNP Paribas für 90 Tage das Recht entziehen, in Dollar zu handeln, „könnte das das internationale Finanzsystem in seinem Funktionieren beeinträchtigen, weil BNP Paribas ein großer Händler ist“, meint der Gouverneur der französischen Zentralbank, Christian Noyer.
(Helmut Wyrwich / Tageblatt.lu)
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können