Die Umgehung von Embargos der Vereinigten Staaten von Nordamerika und die damit verbundene Geldstrafe schlagen sich im zweiten Vierteljahr 2014 in der Bilanz der Pariser Großbank nieder. Die Geldstrafe in Höhe von 6,35 Milliarden Euro (umgerechnet), die die USA gegen die Bank verhängt hatten, schlagen sich unter Anrechnung der Rückstellung, die die Bank vorgenommen hatte, mit einem Verlust von 4,3 Milliarden Euro nieder. Die Geldstrafe, so Generaldirektor Jean Laurent Bonnafé, bei der Vorstellung des Halbjahres-Ergebnisses, „ist in voller Höhe aus den Reserven der Bank bezahlt worden. Wir haben die Finanzmärkte dafür nicht in Anspruch genommen.“ Bemerkbar gemacht hat sich die Bezahlung aus den Reserven allerdings in der Kernkapitalquote, die von 10,6 Prozent auf zehn Prozent sank. BNP Paribas erfüllt damit aber immer noch bequem die Anforderung des Basel III Abkommens zur Kernkapitalquote.
Die Bank, die neben Frankreich in Italien, in Belgien, in Luxemburg, in Deutschland und in Polen vertreten ist, hat aus der Auseinandersetzung mit den US-Behörden Konsequenzen gezogen. In den USA wird der Compliance Sektor, der alle Geschäfte auf seine Übereinstimmung mit den Gesetzen überwacht, verstärkt. Innerhalb der Gruppe erhalten der Compliance Sektor und der juristische Sektor eigene Strukturen. Eric Martin, bisher Chef des Controllings der Bank, wird Chef der Compliance Struktur und Mitglied der Geschäftsführung. Martin war 2008, bei der Übernahme der BGL Mitglied des Tandems aus Carlo Thill und ihm, das die BGL BNP Paribas in die französische Finanzgruppe integrierte. Im vergangenen Jahr hatte Martin Luxemburg in Richtung Paris verlassen, um Chef des Controllings der Finanzgruppe zu werden.
Ausbau in Europa
Die Probleme der Bank überschatteten den konsequenten Ausbau in Europa. Den bemerkenswertesten Ausbau auf dem Weg zu einer europäischen Finanzgruppe leistet die BNP Paribas in Deutschland. Bonnafé hatte den Ausbau in Deutschland aus eigenen Mitteln verkündet, aber externes Wachstum nicht ausgeschlossen. In Deutschland hatte die Bank mit der Kreditfinanzierung des Mittelstandes begonnen, die Internet Bank Cortal Consors und die von Essen Bank übernommen, die Hello Internet Bank gegründet und das Depotgeschäft von der Commerzbank gekauft. Ohne großes Aufheben hatte sich die BNP Paribas zu einem Finanzkonzern mit 4.000 Mitarbeitern, 900.000 Kunden und Aktiva in Höhe von 25 Milliarden Euro gemausert.
Jetzt verkündete Bonnafé die Übernahme der DAB Bank, die ihre Stärke erneut im Internet in Deutschland und in Österreich hat. BNP Paribas übernimmt die Bank von der Unicredit für die Summe von 350 Millionen Euro. Der Aufsichtsrat der Unicredit und die Aufsichts- und Kartellbehörden müssen der Übernahme noch zustimmen. Der Kauf der DAB Bank bedeutet eine beträchtliche Geschäftsausweitung. BNP Paribas Deutschland übernimmt Kundendepots in Höhe von etwa 30 Milliarden Euro. Nach Abschluss der Aktion verwaltet das Institut Kundenanlagen in Höhe von 58 Milliarden Euro.
Mit dem Kauf der DAB Bank von der Unicredit macht die BNP Paribas auch ihren ersten Schritt nach Österreich. Hier verzeichnet die DAB Bank 67.000 Kunden. Insgesamt steigt die Zahl der Kunden der BNP Paribas mit der Übernahme der DAB Bank in Deutschland auf 1,4 Millionen.
(Helmut Wyrwich / Tageblatt.lu)
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