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«Werde mich nicht verstecken»

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Mittels einer Wildcard wird Hürdenläufer Jacques Frisch der einzige Luxemburger sein, der bei der Weltmeisterschaft ab Samstag in Moskau dabei ist. Er startet am Montag in den Vorläufen über 400 m Hürden.

Sportlich hatte sich kein FLA-Athlet qualifiziert für die WM, so wie auch bereits 2011 (Daegu/Südkorea). 2009 in Berlin war 800-m-Läufer Mike Schumacher der bisher letzte Luxemburger WM-Teilnehmer gewesen.

Nach «ganz vorne» gibt es derzeit keinen Luxemburger Leichtathleten, einige sind aber nahe dran. Das Bestreben des nationalen Verbandes ist es, wieder Anschluss zu finden; dank des «Olympic Challenge Team» sollen spätestens für Olympia 2016 in Rio wieder sportliche Qualifikationen möglich sein.

2012 bereits war Frisch – mit drei anderen FLA-Athleten – mittels Wildcard bei der EM am Start gewesen. Damals hatte der das Halbfinale nur recht knapp verpasst (22 Hundertstel).

Halbfinale: „Utopisch“

«So nah ans Halbfinale ranzukommen, das wird bei der WM utopisch sein», weiß Jacques Frisch, «das war eine EM und hier sind wir bei der WM. Das ist ein ganz anderes Niveau, es werden überhaupt kaum mehr als ein Dutzend Europäer im Feld sein.»

Frisch hat sich die Startliste denn auch noch nicht angesehen, «ech wëll mech net geckeg maachen. Ech weess, datt ech eng vun de schlechtesten Zäite wäert hunn.» Genauer gesagt, wenn sich bis Montag nichts mehr ändert, die zweitlangsamste Zeit aller gemeldeten Starter (39 aus 24 Nationen). Alleine diese kleine Teilnehmer-Zahl zeigt, dass das olympische Motto «Dabei sein ist alles» längst nicht mehr nur bei Olympia nicht mehr überall gilt.

In der Leichtathletik sind große Starterfelder bis auf einige wenige Disziplinen nicht mehr unbedingt erwünscht, die Teilnahme-Hürden bereits hoch.

So lag die B-Norm über 400 m Hürden bei 49.60 Sekunden; Frischs Landesrekord steht seit Ende Juni bei 50.94 Sekunden. Als WM-Ziel gibt er angesichts dessen vor: «Ich werde mich nicht verstecken. Ich will von der Erfahrung profitieren und werde versuchen, mich von der Konkurrenz zu einer guten Zeit ziehen zu lassen.»

Saison: «Optimal»

Denn Potenzial sieht er trotz zweifacher Landesrekord-Verbesserung diese Saison – zuerst 51.16, dann 50.94 Sekunden – noch bei sich: «Die 400 Hürden sind relativ einfach zu rechnen: Man weiß, was man über 400 flach wert ist, und rechnet dann hoch. Das ergibt bei mir, dass ich noch schneller laufen kann. Aber das perfekte Hürdenrennen ist bekanntlich immer schwer zu erwischen, vom Wetter über den Lauf-Rhythmus bis zur Technik muss wirklich alles klappen.» Vielleicht klappt es ja im Luschniki-Stadion, mit starker leistungsfördernder Konkurrenz auf den Nebenbahnen.

Vor der WM und anschließend Anfang September den «Jeux de la Francophonie» in Nice ist Jacques Frisch mit seiner bisherigen Saison jedenfalls zufrieden. Neben den zwei Rekord-Verbesserungen gab es auch JPEE-Gold sowie den Halbfinal-Einzug bei der Universiade.

Drei Zielsetzungen, alle drei erreicht: «Optimal, ich kann nicht meckern bisher», so der 25-Jährige, für den die WM-Wildcard eine Art Belohnung darstellt: «Ich hatte keinen Gedanken an die WM verschwendet, Saisonziele waren nach den JPEE die Universiade und die Francophonie. Ich nehme diese Chance aber gerne und dankend an.»

Frisch, der im Sommer 2012 sein Studium abschloss und seitdem berufstätig ist, kann auf einen «verständnisvollen Arbeitgeber zählen, bei dem ich mich an dieser Stelle bedanke», damit er überhaupt auf diesem Niveau noch aktiv sein kann: «Das war schon eine Umstellung auf die 40-Stunden-Woche. Alleine wegen der Ferien hat man als Uni-Student noch mehr Zeit zum Trainieren; v.a. ist man aber flexibler in der Trainingsgestaltung.»

400 m: «im Hinterkopf»

Und so konnte Jacques Frisch sein Niveau von 2012, als er erstmals Landesrekord lief, dennoch halten, und sogar steigern. Er hatte im vergangenen Jahr einen Uralt-Rekord verbessert, den von Yves Kirpach aus 1980. Einen weiteren, noch älteren, hat Frisch ebenfalls auf dem Radar – die 47.4 Sekunden über 400 m flach von Mil Jung aus dem Jahr 1969: «Ja, den 400-m-Rekord habe ich natürlich auch im Hinterkopf. Vor zwei Wochen wollte ich eigentlich eine 400 laufen, da kam aber was dazwischen, so dass es diese Saison wohl nichts mehr wird. Aber ich weiß, dass ich eine 47.5 drauf habe …»

Frisch, der am Freitagmorgen (09.08.13) anreist, wird in Moskau begleitet von DTN Frédéric Kimmlingen als Delegationsleiter sowie Coach Marc Dollendorf. Auch Vater Nico ist vor Ort; der FLA-Vizepräsident vertrat den nationalen Verband beim IAAF-Kongress in dieser Woche.