Und trotzdem irgendwie so, als wisse sie nicht, ob sie lachen oder weinen soll. Dennoch brachte sie diese Pflicht hinter sich. Auch ein „Happy Birthday“ ließ die Mundwinkel nur kurz nach oben gehen zu einem Lächeln
Ungeschlagen
Gewinnen, verlieren – Freud und Leid: oft ein schmaler Grat, kaum zu trennen (siehe auch Leitartikel im „T“ vom vergangenen Freitag). Hat Marie Muller nun Bronze „verloren“ oder den fünften Platz „gewonnen“? Fakt ist: Sie blieb am Sonntag quasi „ungeschlagen“.
Ihre drei Siege fuhr sie deutlich ein: jeweils mit Ippon, eine Wertung, die im Judo zum sofortigen Kampfende führt. Ihre zwei Niederlagen? Hauchdünn, jeweils nach Kämpfen über die volle Distanz und im letzten sogar noch eine Verlängerung.
Die erste Niederlage: wegen zwei erhaltener Verwarnungen, davon eine umstritten. Die zweite Niederlage: Schiedsrichterentscheid; im Judo muss es einen Sieger geben, und gibt es nach den Regeln keinen, müssen die drei Referees den gesamten Kampf bewerten und sich für den einen und gegen den andern Kämpfer entscheiden.
Marie Muller am Boden? Nein, das war keiner Gegnerin gelungen. Trotzdem wurde sie „nur“ Fünfte.
(clc)
Tageblatt: Marie, ein fünfter Platz ist ja im Prinzip ein schönes Geburtstagsgeschenk …
Marie Muller: „Im Prinzip schon, aber es war so eng … Der Stachel sitzt tief.“
Dennoch bleibt es eine gute Leistung deinerseits.
„Ich habe mein Bestes gegeben. Ich wusste, dass ich es kann. Platz fünf ist super, aber so knapp … Wenn es eine klare Ippon-Niederlage gewesen wäre, ich glaube, dann würde ich besser damit klarkommen.“
Deine Gemütslage, was überwiegt derzeit?
„Ich bin traurig.“
Der Auftaktsieg gegen die Nr. 8 der Setzliste, war das der Schlüssel für deine tolle Leistung?
„Ja, ein guter Start ist wichtig. Gelingt der, läuft es bei mir immer gut.“
Wie beurteilst du den Schiedsrichter-Entscheid?
„3:0 ist vielleicht ein bisschen extrem, aber als Luxemburgerin … Die letzten anderthalb Minuten der Verlängerung gehörten mir. Das wurde vielleicht nicht genug berücksichtigt.“
Die zweite Verwarnung im Match gegen die Kubanerin war auch umstritten …
„Das sehe ich auch so, die war nicht gerechtfertigt. Das Problem ist dann: Bei der zweiten Verwarnung liegst du hinten, musst aufmachen und mehr riskieren. Das geht nicht anders.“
Mit dieser enttäuschenden Niederlage ging es in die kurze Mittagspause, konntest du dich da wieder motivieren?
„Das war eigentlich kein Problem. Ich habe kurz meinen Bruder getroffen, etwas gegessen, ein bisschen entspannt.“
Dafür hast du ja jetzt etwas mehr Zeit, bleibst du bis zum Schluss der Spiele?
„Ja, ich bleibe bis zum Schluss. Nun ist genießen angesagt.“
Und dann? Wie geht’s mit deiner Schulter weiter?
„Die wird wohl im Oktober operiert werden. Zuvor müssen wir aber noch herausfinden, was genau das Problem ist. Vielleicht bestreite ich bis dahin sogar noch Bundesliga-Wettkämpfe.“
Etwas weiter geblickt: Gibt’s 2014 in Rio die Revanche?
„Mal sehen, das ist noch lange hin. Bis dahin kann noch viel passieren.“
Zu Demaart
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