Gigantisch die Kosten von fast 40 Milliarden Euro, gigantisch Russlands Leistung, aus dem Sommerferienort Sotschi am Schwarzen Meer in sieben Jahren einen Wintersportort zu machen. Wenn Kremlchef Wladimir Putin von Freitag an Gastgeber der XXII. Olympischen Spiele ist, will er sich feiern lassen – und diejenigen Lügen strafen, die nicht an seine Vision geglaubt haben. Mit beispiellosem Aufwand nach dem Chaos der 1990er Jahre präsentiert sich die selbstbewusste Rohstoffmacht vor erwarteten drei Milliarden Fernsehzuschauern als moderner Vielvölkerstaat.
Zum ersten Mal seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat die stolze Wintersportnation wieder ein eigenes vollwertiges Wettkampfzentrum. Athleten in den schneebedeckten Bergen schwärmen von «traumhaften Bedingungen» auf den Pisten, Loipen und Schanzen, aber auch von den Unterkünften und von der russischen Küste.
40.000 Sicherheitskräfte
Zwar hakt es hier und da noch mit unfertigen Hotels und Organisationspannen. Auch das Großaufgebot von 40.000 Sicherheitskräften stört einige Gäste. Aber Gastgeber Putin hat weder Kosten noch Mühen gescheut, Russland von seiner besten Seite zu zeigen – und lässt etwaige Probleme als leicht behebbar abtun. Je näher das Eröffnungsfeuerwerk rückt, desto größer die Sehnsucht der Gastgeber, nach all der Kritik an der Naturzerstörung und den Menschenrechtsverstößen etwa von Gastarbeitern oder zwangsenteigneten Anwohnern nun Anerkennung zu erfahren.
Immer wieder rechtfertigen sich die Organisatoren, die sich mit dem Vorwurf des Gigantismus konfrontiert sehen, dass solche Großprojekte ihren Preis hätten. Nicht wenige vergleichen die im Grunde völlig neu aus dem Boden gestampfte Infrastruktur mit historischen Leistungen wie etwa die ebenfalls einst aus einem Sumpfgebiet errichtete Zarenmetropole St. Petersburg.
Ultramodernes Russland
«Sotschi ist das Schaufenster für ein neues und ultramodernes Russland mit behindertengerechter Infrastruktur», schwärmt etwa der Chef des Olympia-Organisationskomitees, Dmitri Tschernyschenko. Er hat Sotschi 2014 immer wieder als «Putins Spiele» bezeichnet. Der Kremlchef bestätigte jetzt in einem Interview selbst, dass die Idee für Sotschis Neuanfang von ihm stamme.
Die «Spiele der Superlative» gelten als die kompaktesten aller Zeiten wegen der kurzen Wege zwischen den Wettkampfstätten. Den palmenreichen Olympiapark am Schwarzen Meer mit den Eisarenen verbindet eine neue rund 50 Kilometer lange Bahnstrecke mit dem schneebedeckten Kaukasusgebirge. Neue Straßen und Tunnel sind entstanden. Auch in das Stadtzentrum von Sotschi fährt nun ein Zug.
Neues Wintersportzentrum
In der Bergregion Krasnaja Poljana liegen jetzt alpenähnliche Ortschaften, die es künftig aufnehmen sollen mit etablierten Wintersportregionen in Österreich oder der Schweiz. Ehrgeizig war nicht nur das Ziel der Organisatoren, aus dem Nichts – wo vorher Wald war – ein neues Wintersportzentrum zu erbauen. Hoffnungsfroh sind vor allem die Erwartungen, künftig die Zahl der Touristen in der Ferienregion um zwei auf sechs Millionen im Jahr zu erhöhen.
Das zu Sowjetzeiten als «Riviera des Ostens» bekannte Sotschi hat sich zum Kurort für das ganze Jahr gemausert. Dafür hatte der Machtpolitiker Putin die Reichsten der Reichen – die milliardenschwerer Oligarchen – und die großen Staatskonzerne verpflichtet.
Werbeaufwand
Für das Weltsportereignis betrieb das größte Land der Erde mit neun Zeitzonen zuletzt auch einen kolossalen Werbeaufwand. Beim längsten Fackellauf der olympischen Geschichte mit insgesamt 65 000 Kilometern Länge war das Feuer unter anderem im Weltall, am Nordpol und im Baikalsee, dem größten Süßwasserreservoir der Erde.
Sotschi 2014, sagte Putin in einem Interview, sei vor allem auch ein Beweis für den Glauben der Russen an ihre eigene Stärke. «Die russischen Menschen haben solch einen Staat erschaffen wie Russland – der größte Staat der Welt», sagte Putin.
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