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UkraineSkeletonfahrer Wladislaw Heraskewitsch: Ein Mann mit mehr als einer Botschaft

Ukraine / Skeletonfahrer Wladislaw Heraskewitsch: Ein Mann mit mehr als einer Botschaft
Der Ukrainer Wladislaw Heraskewitsch spricht sich gegen die Wiederzulassung russischer Athleten aus Foto: Mark Schiefelbein/AP/

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Wladislaw Heraskewitsch ist durch den Krieg so etwas wie der inoffizielle Athletensprecher der Ukraine geworden. Die Standpunkte des Skeletoni haben es in sich.

Als die Welt längst ahnte, was kommen würde, setzte Wladislaw Heraskewitsch ein verzweifeltes Zeichen. Nach seinem Lauf bei Olympia in Peking hielt der Skeletoni seine Botschaft „No War in Ukraine“ in die TV-Kameras. 13 Tage später, am 24. Februar 2022, stellte sich sein Flehen als vergeblich heraus.

„Ich betrachte dieses Datum mit einem Gefühl der Ungerechtigkeit, mit einem Gefühl des Bedauerns und dem Wunsch, dass der Krieg so schnell wie möglich enden möge“, sagte Heraskewitsch dem SID am Jahrestag des Kriegsbeginns.

Gemeinsam mit seinem Vater und Trainer Michailo sammelt er seither Spenden und transportiert Hilfsgüter in die Ukraine, in seinen Social-Media-Profilen zählt er die getöteten Athleten. Der 24-Jährige, 13. der gerade beendeten Weltcup-Saison, ist mittlerweile über seinen kleinen Sport hinaus bekannt. Er gibt der New York Times oder dem Guardian Interviews, ist so etwas wie ein inoffizieller ukrainischer Athletensprecher geworden – und seine Forderungen haben es in sich.

„Nicht bloß boykottieren“

Für den Fall der Wiederzulassung russischer Athletinnen und Athleten zeichnet Heraskewitsch ein Szenario, das dem Internationalen Olympischen Komitee nicht gefallen dürfte. „Wir würden nicht bloß boykottieren“, sagte er dem SID: „Wir würden alternative Wettkämpfe entwickeln, damit Athleten nicht unter dem Boykott leiden müssen.“ Vielleicht wäre das „ein historischer Moment, in dem das IOC aufhört zu existieren. Die Geschichte wird es zeigen“.

Allerdings hoffe er noch auf ein Umdenken bei der Weltregierung des Sports, denn: „Wir wollen keinen Boykott. Aber wir werden dazu gezwungen, wenn russische und belarussische Athleten teilnehmen dürfen.“ Der ukrainische Sport könne „nicht ignorieren, was in unserer Heimat passiert. Wir können bei Wettkämpfen nicht denen Solidarität und Respekt zeigen, die Teil der russischen Propaganda sind.“ Zumal nach seiner Aussage ein hoher Prozentsatz russischer Sportler der Armee oder Polizei angehöre.

Das IOC hatte zuletzt erklärt, einen „Weg“ zu prüfen, um russischen und belarussischen Athletinnen und Athleten eine Teilnahme unter neutraler Flagge zu ermöglichen. Eine Entscheidung sei allerdings noch nicht gefallen. Heraskewitsch mag daran nicht so recht glauben. (SID)