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Situation um Kim Kirchen unverändert ernst

Situation um Kim Kirchen unverändert ernst

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RADSPORT - Luxemburgs Radprofi Kim Kirchen ist in der Nacht zum Samstag nach einem Herzstillstand und anschließender Reanimation ins Universitätsspital Zürich eingeliefert worden. Dort liegt er bis auf Weiteres in einem künstlichen Koma. Die Verantwortlichen des Katusha-Teams schließen einen Herzinfarkt aus.

Petz Lahure aus Liestal
(Foto: Doris Fanconi/Tagesanzeiger)

Eine schrecklichere Nachricht hätte man sich nicht erträumen können: Kim Kirchen, der bei seiner neunten Tour de Suisse das Zimmer mit seinem Kollegen Joaquin Rodriguez teilte, brach gegen 23.40 Uhr in der Nacht vom Freitag zum Samstag im Landhaus Sonne in Dürnten, wo das Katusha-Team logierte, zusammen.Siehe auch:

Dr. Charles Delagardelle: „Tag für Tag abwarten“
(21.06.2010)

Kim Kirchen: Kein Herzinfarkt (20.06.2010)

Kim Kirchen im künstlichen Koma (19.06.2010)

Er hatte einen Herzstillstand und wurde von dem von Rodriguez alarmierten Arzt des Teams, Andrej Mikhailov, und von Marc Joseph, einem Freund der Familie, der just mit Kirchens Vater Erny im Hotel weilte, reanimiert. Kim musste mit Sauerstoff behandelt werden, ehe er mit der schnell eingetroffenen Ambulanz in die Klinik eingeliefert wurde.

Im Universitätsspital war der Zustand von Kim Kirchen zuerst stationär, doch danach verschlechterte er sich. Daher beschloss das Professorenteam, den Luxemburger Radprofi in ein künstliches Koma mit Hypothermie (Unterkühlung) zu versetzen. In der Medizin wird in speziellen Fällen eine solche therapeutische (milde oder tiefe) Hypothermie durchgeführt.

Kein Herzinfarkt

Eine Diagnose wollten die behandelnden Ärzte am Samstagabend nicht öffentlich machen. In einer ersten schriftlichen Stellungnahme auf ihrer Homepage schlossen die Verantwortlichen des Katusha-Teams dagegen einen Herzinfarkt oder eine Thrombose aus. „Based on the tests done until now, it is possible to exclude both a infarctus or a thrombosis“, stand am Samstagabend auf www.katushateam.com zu lesen.

In der Zwischenzeit trafen Kim Kirchens hochschwangere Frau Caroline, seine Mutter, seine Schwiegermutter und sein Schwiegervater in Zürich ein. Der Radprofi soll im Laufe dieser Woche Vater werden. Caroline Kirchen erwartet Zwillinge – zwei Buben. Gestern am frühen Nachmittag hatte die Familie Kirchen Rendezvous mit den Ärzten des Universitätsspitals in der Rämistraße 100, 8091 Zürich.

Am Abend wurde bekannt, dass die Situation um Kim Kirchen unverändert ernst ist. Die Ärzte wollten sich nicht äußern und keine Prognosen wagen. Der Fahrer wird mindestens bis morgen im künstlichen Tiefschlaf auf der Intensivstation des Universitätsspitals bleiben.

Das Unispital ist eines der führenden Spitale der Schweiz. Sein Renommee beruht auf den bisherigen Leistungen in der Medizin und in der Forschung. Mit seinen 42 Kliniken und Instituten garantiert es eine umfassende, medizinisch breit abgestützte und qualitativ hochstehende Betreuung seiner Patientinnen und Patienten. Einige Behandlungen und Operationen bietet das Unispital als einziges Schweizer Spital an, weshalb Patientinnen und Patienten aus allen Kantonen und aus dem Ausland dorthin kommen.

Kim Kirchens Herzstillstand löste im Fahrerlager, bei den Sportdirektoren, Betreuern und Medienvertretern Entsetzen aus. „Bei solch einem Vorfall rückt alles andere in den Hintergrund“, sagte uns ein Schweizer Kollege, der die neun Rundfahrten, die Kim Kirchen in der Schweiz bestritt, verfolgt hat. Sehr betroffen zeigte sich auch Tour-de-Suisse-Direktor Armin Meier. Er hoffe, dass sich in den kommenden Tagen das Blatt für den Athleten noch zum Guten wendet. „Die Nachricht stimmt uns traurig. Wir wünschen dem Fahrer und seiner Familie das Beste. Wenn wir irgendwie helfen können, werden wir das tun.“

Nur Gesundheit zählt

Kim Kirchens letzte beiden Saisons waren eine einzige Leidensgeschichte. Im Jahr 2009 brach er sich bei der Kalifornien-Rundfahrt das Schulterblatt und das Schlüsselbein, danach fiel er beim „Circuit de la Sarthe“ auf der nassen Straße hin und musste wieder aussetzen. Bis zum Schluss der Saison rannte er der großen Form hinterher, die er bei der Tour de Suisse gefunden zu haben schien.

Genau ein Jahr nach seinem Erfolg von Verbier gewann Kim Kirchen auf der Anhöhe in Vallorbe/Juraparc seine zweite Etappe bei der Tour de Suisse. 2008 war es die sechste Etappe, 2009 die siebte Teilstrecke. Beide Male schrieb man den 19. Juni. Dieses Datum erwies sich nun als Katastrophentag. Denn am 19. Juni 2010 wurde Kim Kirchen ins Universitätsspital eingeliefert.

Letztes Jahr folgte auf die Schweizer Rundfahrt eine verkorkste Tour de France. Nur bei der Weltmeisterschaft machte Kim bis zur Schlussrunde von sich reden. In der Zwischensaison wechselte er zum Katusha-Team, wo er einen neuen Anlauf zu einer zweiten Karriere nehmen wollte.

Der Rückschlag folgte nach Tirreno-Adriatico. Beim „Grand Prix de l’E3“ klagte Kirchen über starke Schmerzen an einer delikaten Stelle. Der behandelnde Arzt verordnete Antibiotika, auf die Kirchens Körper negativ reagierte. Der Fahrer wurde krank und musste bis zur „Flèche Wallonne“ aussetzen. Bei diesem Rennen wurde Kirchen nach der Abfahrt der „Mur de Huy“ schwindlig. Er steckte auf, unterzog sich in der Klinik verschiedenen Untersuchungen und blieb bis zur Tour de Luxembourg allen Rennen fern.

Bei der Tour de Suisse wollte Kim den Saisonhöhepunkt vorbereiten. Nur wenige Stunden vor dem Herzstillstand gab er offiziell bekannt, dass er am 3. Juli 2010 (seinem 32. Geburtstag) am Start zur Tour de France sein werde. Dieses Vorhaben wird der Luxemburger nicht in die Tat umsetzen können.
Für ihn zählt jetzt nur eines: gesund werden!