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Rückkehr des «Provokateurs»

Rückkehr des «Provokateurs»

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Romain Schumacher, neuer Präsident des F91, bekleidet das Amt (nach 1999-2002) bereits zum zweiten Mal. Nachdem er in der letzten Woche bereits Ersatz für Ex-Trainer Marc Grosjean finden musste, blickt er nun gespannt auf die kommende Saison.

Dass sich Romain Schumacher als „personne provocateur“ beschreibt, lässt so manches über seine Vorgehensweise erahnen. Der neue Präsident des amtierenden Meisters will allerdings keine großen Veränderungen vornehmen und im Sinne der Arbeit von Vorgänger Théo Fellerich fortfahren.

Tageblatt: Herr Schumacher, Sie haben nun zum zweiten Mal das Amt des Präsidenten beim F91 Düdelingen übernommen. Was hat Sie zu diesem Schritt bewegt?

Romain Schumacher: «Eigentlich ist es nicht mein Prinzip, zurückzukehren. Aber als Herr Fellerich vor sechs Wochen seinen Rücktritt bekannt gab und es auch keine Kandidaten für den Posten gab, hat mich der Vorstand überzeugt, es noch einmal zu wagen. Nicht, dass es keine Ehre wäre, Präsident eines solch großen Vereins zu sein.»

Was hat sich in Zwischenzeit im Verein verändert?

«In den neun Jahren hat sich viel beim F91 verändert. Ich bin von Anfang an dabei gewesen, in der ersten Saison als Spieler und Kapitän. Danach bin ich sofort ins Komitee eingetreten. Präsident bin ich dann 1999 geworden, da es damals an der Zeit war, ein neues Konzept einzuläuten. Das aktive Sponsoring wurde aufgebaut. Das Projekt ist danach weitergeleitet worden. Die heutigen Strukturen sind das Resultat einer ständigen Evolution.»

Neue Azente

Hat der F91 nun einen Präsidenten, der die Arbeit von Vorgänger Théo Fellerich weiterführen wird, oder werden Sie versuchen, neue Akzente zu setzen?

«Seine Arbeit war sehr überzeugend. Die politische Linie wird so weitergeführt wie bislang. Charakterlich unterscheiden sich hier zwei Personen. Herr Fellerich ist eher ein ruhiger Mensch, während ich eine ‚personne provocateur‘ bin.»

Welches sind die Ziele, die Sie sich für die kommende Saison gesetzt haben?

«Kurzfristig gibt es keine. Langfristig möchten wir vor allem das Niveau halten und zweitens den Aufbau der Fußballakademie weiter fördern.»

Wo sehen Sie den F91 in fünf oder zehn Jahren?

«Um das herauszufinden, bräuchte ich eine Glaskugel … (lacht) Wo der F91 in fünf Jahren steht, ist abhängig davon, was im Luxemburger Fußball geschieht. Es war zwar schön, als wir unter Michel Leflochmoan mit 21 Punkten Vorsprung Meister wurden, aber das bringt uns nicht weiter. Auf lange Sicht ist das keine Lösung. Wichtig wäre es aber, auf internationalem Parkett weiterzukommen.»

Fußballakademie

Die Fußballakademie soll neue Talente hervorbringen. Kann man also behaupten, dass der F91 in Zukunft hauptsächlich eigene, luxemburgische Spieler auf dem Spielerbogen stehen haben will?

«Ziel ist es, die lokalen und regionalen Talente aufzufangen, die auch später in der ersten Mannschaft einsetzbar sind. Der F91 soll weiterhin um die Titel mitspielen, mit eigenen Talenten. Wenn Ausländer verpflichtet werden, sollen diese dann wenigstens zwei Klassen besser sein als die eigenen Spieler.»

Könnte das eventuell ein Nachteil für andere Vereine aus der Gegend sein?

«Es soll alles in einer ‚ambiance d’entente‘ geführt werden und keine Wilderei im Jugendbereich geben. Es ist ein gutes Zeichen, wenn der Racing ebenfalls ein solches Projekt aufbaut. Das Resultat soll sein, dass manche Spieler es ins Ausland schaffen oder in die erste Mannschaft. Des Weiteren soll unser Zentrum keine Konkurrenz für die Fußballschule in Monnerich sein. Das ist etwas anderes.»

Inwiefern kann der Präsident des F91 die Entscheidungen der Trainer beeinflussen?

«Im technischen Bereich hat der Präsident überhaupt keinen Einfluss. Guy Hellers ist in dem Fall der ’Directeur technique‘, der entscheidet. Der Präsident kann lediglich seine Meinung äußern.»

Welche Rolle spielen in dem Fall die Hauptsponsoren? Haben diese ein Mitspracherecht?

«Da ergeht es dem Sponsor wie dem Präsidenten. Falls der Trainer einen neuen Spieler vorschlägt, dies jedoch finanziell nicht tragbar wäre, könnten wir dies ablehnen. Doch in die Entscheidungen des Trainers mischt sich niemand ein.»

Trainerposten

In der Person von Dan Theis wurde letztlich eine interne Lösung für den frei gewordenen Trainerposten gefunden. War das ein persönlicher Wunsch?

«Es wäre unangebracht zu sagen, dass es eine Notlösung war. Doch es blieben uns zu dem Zeitpunkt zwei Tage vor Trainingsbeginn. Da lag die interne Lösung am nächsten. Dan Theis als Trainer zu verpflichten war ein Rat von Guy Hellers. Ein Trainer aus dem Ausland braucht zudem mehr Zeit, um sich an Spieler und Umstände zu gewöhnen.»

Was kann man sich nun von diesem Trainerwechsel erwarten?

«Was Dan Theis ausmacht, sind seine Kompetenzen, sein Einsatz und das Talent, Spieler zu dynamisieren. Das soll er alles mit in die Mannschaft einfließen lassen.“

Demission Marc Grosjean

War der Entschluss von Marc Grosjean, zu diesem Zeitpunkt zurückzutreten, unangebracht?

«Es gibt keine perfekte Art, sich zu trennen. Ob als Spieler oder als Trainer. Jede Trennung kommt überraschend, außer man kündigt sie schon sechs Monate im Voraus an. Der Zeitpunkt ist in der Tat etwas problematisch gewesen.»

Kann man bereits ein Fazit der Ära Grosjean ziehen?

«Er war ein absolut professioneller Trainer, der einmal den Titel und einmal Platz zwei geholt hat. Er hat uns genau das gezeigt, was wir an Professionalität sehen wollten. Wahrscheinlich war es für ihn aber schwierig, sich an die Gegebenheiten hier in Luxemburg anzupassen, und daran ist er gescheitert.»

Wie hat die Mannschaft auf diese Nachricht reagiert?

«Für die Mannschaft kam es natürlich ebenso überraschend wie für uns, zumal er auch einige der aktuellen Stammspieler selbst vorgeschlagen und in den Verein gebracht hat. Die Spieler sind allerdings professionell genug, um sich nicht zurückwerfen zu lassen.»

Champions-League-Qualifikation

Könnte dieser Entschluss direkte Konsequenzen für die Champions-League-Qualifikation haben?

«Ich denke nicht. Wir können nicht noch drei Monate nachdenken und trauern. Die Spieler schauen sowieso erst mal nach sich selbst.»

In Ihrer Pressemitteilung stand, Dan Theis leite das Team „unter der sportlichen Leitung von Guy Hellers“. Wie kann man dies verstehen?

«Guy Hellers ist verantwortlich für das gesamte technische Geschehen. Er ist der Kopf der technischen Abteilung. Dan Theis ist Trainer der ersten Mannschaft, auch wenn Guy Hellers sein ’Chef‘ ist. Dan Theis trifft seine Entscheidungen selbst. ’Mam Dan Theis wier et anescht och guer net maachbar. Hee muss säi Match do selwer maachen.‘ Guy Hellers konzentriert sich auf das ’Centre de formation‘.»

Nun zur Champions-League-Qualifikation. Gibt es bereits einige Wunschkandidaten?

«Die Frage habe ich mir noch nicht gestellt. Zumal es schwer ist, Informationen über die gegnerischen Vereine zu bekommen. Der ’cadeau empoisonné‘, den wir in der Vorqualifikation mit Malta und San Marino bekommen haben, ist mehr als gefährlich. Ein Weiterkommen wird erwartet. Da kann man nur verlieren.»

Welche Ziele verfolgt der F91 in dieser Qualifikation?

«Eine Runde weiterzukommen, da wir jetzt auch eine Runde früher dran sind als sonst. Danach noch weiterzukommen wird dann zunehmend schwieriger, und irgendwann auch utopisch.»