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RADSPORT / Amstel Gold Race: Frank und Andy Schleck beugten sich Stärkeren (Fotostrecke)

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Andy und Frank Schleck versuchten beim gestrigen Amstel Gold Race alles. Die beiden Brüder aber mussten sich mit einem 7. (Frank) und 18. Rang (Andy) zufrieden geben. Im Anstieg zum Cauberg war der überlegene belgische Sieger Philippe Gilbert nicht zu halten. / Petz Lahure aus Valkenburg

Obwohl der siebte Platz (hinter Sieger Philippe Gilbert (Bel), Ryder Hesjedal (Can), Enrico Gasparotto (Ita), Bert De Waele (Bel), Roman Kreuziger (Cze) und Damiano Cunego (Ita))noch lange kein Grund ist, Trübsal zu blasen (es bleiben ja noch die Flèche Wallonne und Liège-Bastogne-Liège), entspricht er nicht dem, was Sport-Luxemburg und vor allem das Saxo-Bank-Team selbst erwartet hatten. Allgemein rechnete man im dänischen Lager mit zwei Top-Ten-Rängen der Gebrüder Schleck, eventuell einem Podium und, warum eigentlich nicht, einem Sieg.

Dass es nicht dazu kam, hat verschiedene Ursachen. Ehe er in der letzten Steigung des Cauberg in die Barrieren geschubst wurde und nicht richtig sprinten konnte, stand Frank oft im Blickpunkt. Anscheinend ist er dazu verdammt, beim Amstel Gold Race zu stürzen. „He landed hard“, twitterte Jim Ochowitz vom BMC-Team in die Welt, als der Gewinner von 2006 zu Boden ging.Schleck der Ältere hatte bereits 2007 beim holländischen Klassiker Bekanntschaft mit dem Boden gemacht. Letztes Jahr schlug er so schwer auf den Asphalt auf, dass man das Schlimmste befürchten konnte. Zum Glück aber kam Frank mit dem Schrecken davon und konnte eine Woche später bei Liège-Bastogne-Liège wieder starten. Das Saxo-Bank-Team mit Laurent Didier an der Spitze aber brachte seinen Co-Leader schnell ins Feld zurück. Bald zierte ein blaues Pflaster seinen linken Arm. Etwas später lief Andy Schleck platt. „Erneut mussten wir schwer schuften, um ihn vorne im Peloton zu platzieren“, so Didier. Der dritte Luxemburger in der Saxo-Bank-Mannschaft streckte später vorzeitig die Waffen. „Die Strecke ist äußerst gefährlich und für mich ungewohnt lang“, meinte er.

Andy hatte Krämpfe

Um diese Zeit war die „échappée matinale“ noch nicht gestellt. Ihr gehörten Rafael Valls (Footon-Servetto), Staf Scheirlinckx (Omega Pharma-Lotto), Peter Wrolich (Milram), Sebastien Delfosse (Landbouwkrediet), Thierry Hupond (Skil-Shimano), Steven Van Vooren (Topsport-Vlaanderen) und Arnoud Van Groen (Vacansoleil) an.

Der Vorsprung der „Kopgroep“ betrug zeitweise über sechs Minuten. Als man im Peloton beschloss, der „Spaß“ hätte lange genug gedauert, schmolz der Abstand wie die Butter in der warmen Frühlingssonne. Insbesondere das Rabobank-Team und die Saxo-Bank-Mannschaft sorgten an der Spitze des Feldes dafür, dass das Tempo sich verschärfte. Bald war es um die Spitzenleute geschehen. Einer nach dem andern wurden sie eingefangen.

„Wir haben danach alles probiert“, sagte Frank Schleck. „Zuerst attackierte Andy im Eyserbosweg, danach probierte ich es im Keutenberg. Wir waren super motiviert, doch spielte zum Schluss die Taktik eine große Rolle. Die Katusha-Mannschaft war sehr stark. Als Kolobnew sich auf und davon machte, wachte Iwanow in meinem Rad. Es war nicht an mir, Damiano Cunego und Philippe Gilbert an Kolobnew heranzuführen, da ich im Sprint kaum Chancen gegen beide gehabt hätte. Gilbert war ohnehin der stärkste Fahrer im Anstieg zum Cauberg. Gegen ihn war nichts zu machen.“

Die Schlussphase war äußerst hektisch, die Lage wechselte ständig. Andy Schleck hatte einen Moment lang den Kontakt zu seinem Bruder abreißen lassen, doch am Fuße der letzten Steigung war die Spitzengruppe wieder beisammen. Hier zog der spätere Sieger unwiderstehlich davon. „Ich wurde von einem Konkurrenten am Sprinten gehindert, ansonsten wäre ich vielleicht aufs Podium gefahren“, sagte Frank Schleck (7.) nach der Ankunft. Sein Bruder Andy beendete die niederländische „Classique“ auf dem 18. Rang. „Das Rennen hatte schon einen komischen Verlauf“, meinte der jüngere Schleck. „Vielleicht spielten die relativ hohen Temperaturen eine Rolle. Es war praktisch windstill, und wir konnten nicht vieles anders machen. Wir haben es probiert, sind aber auf Stärkere gestoßen. Ich bin zufrieden, obwohl ich in der Schlusssteigung von Krämpfen geplagt wurde. Den beiden weiteren Rennen am Mittwoch und am Sonntag sehe ich mit Zuversicht entgegen.“

Gilberts Vierte

Mit dem Amstel Gold Race schrieb Sieger Philippe Gilbert sich nach Paris-Tours 2008 und 2009 sowie dem Giro di Lombardia 2009 den vierten Klassiker ins Palmarès. „Ich musste reagieren, als Andy Schleck im Eyserbosberg angriff“, sagte der 27-Jährige (geb. am 5. Juli 1982 in Verviers). „Meine Mannschaft hat Kolossales geleistet. Für mich war es ein großer Vorteil, dass mein Teamkollege Staf Scheirlinckx in der ‚échappée‘ war. Als man mir ins Ohr schrie, Cunego sei am Ende, griff ich im Cauberg an. Mit Erfolg.“

Philippe Gilbert siegte vor einer riesigen Menschenmenge, unter ihnen Tausende von Luxemburger Supportern. Sie alle konnten auch Ben Gastauer zujubeln, der als 96. mit 10’31» Rückstand im großen Feld eintraf. „Ich bin zufrieden, dass ich die Ankunft gesehen habe“, meinte der junge Fahrer, der in den letzten Wochen mehrmals nach getaner Arbeit aufgeben musste.

Der isländische Vulkan Eyjafjallajökull dagegen war schuld daran, dass eine Reihe Fahrer ihre Chancen nicht verteidigen konnten. So fehlten u.a. Alejandro Valverde und Luis Leon Sanchez, die zuerst von Alicante aus per Flugzeug über Charleroi, dann via Basel anreisen sollten. Die Vulkanasche verhinderte dies. Nicht dabei waren auch Bradley Wiggins und Carlos Sastre. All diese Fahrer – ebenso wie Toursieger Alberto Contador – sollen am Mittwoch bei der „Flèche“ vor Ort sein. Valverde und Sanchez haben sich gestern Abend mit dem Wagen auf den Weg gemacht. Vor ihnen lag eine Strecke von 2.100 km … 


AMSTEL GOLD RACE: DIE ERGEBNISSE

45. Amstel Gold Race über 257,8 km von Maastricht nach Valkenburg: 1. Philippe Gilbert (Belgien/Omega Pharma-Lotto) 6:22:54 Stunden, 2. Ryder Hesjedal (Kanada/Garmin) 0:02 Minuten zurück, 3. Enrico Gasparotto (Italien/Astana) gleiche Zeit, 4. Bert De Waele (Belgien/Landbouwkrediet) 0:05, 5. Roman Kreuziger (Tschechien/Liquigas), 6. Damiano Cunego (Italien/Lampre) beide gleiche Zeit, 7. Frank Schleck (Luxemburg/Saxo Bank) 0:07, 8. Marco Marcato (Italien/Vacansoleil) 0:09, 9. Karsten Kroon (Niederlande/BMC) 0:11, 10. Christopher Horner (USA/Radioshack), 11. Paul Martens (Deutschland/Rabobank), 12. Sergei Ivanov (Russland/Katusha), 13. Cadel Evans (Australien/BMC) alle gleiche Zeit, 14. Oscar Freire (Spanien/Rabobank) 0:17, 15. Eduard Vorganov (Russland/Katusha) gleiche Zeit, 16. Sylvain Chavanel (Frankreich/Quickstep) 0:19, 17. Haimar Zubeldia (Spanien/RadioShack) 0:21, 18. Andy Schleck (Luxemburg/Saxo Bank) 0:25, 19. Carlos Barredo (Quickstep/0:37), 20. Jurgen Vandenbroeck (Omega Pharma-Lotto) 0:46, … 96. Ben Gastauer (Luxemburg/AG2R) 10:31

Aufgabe: u.a. Laurent Didier (Luxemburg/Saxo Bank), Joaquin Rodriguez (Spanien/Katusha), Lars Boom (Niederlande/Rabobank), Valentin Iglinskyi (Kasachstan/Astana)