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Portugal will den Fluch besiegen

Portugal will den Fluch besiegen

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Portugal baut im ersten WM-Spiel gegen Deutschland vor allem auf zwei Stärken: Superstar Cristiano Ronaldo und eine eingespielte, seit der Euro 2012 kaum veränderte Elf. So soll endlich auch die Negativ-Serie gegen Deutschland bei großen Turnieren enden.

Ein beruhigender Blick aufs Knie, ein kleiner Flachs mit dem Kollegen Coentrão: Spätestens beim letzten Training im WM-Quartier der Portugiesen in Campinas war klar, dass Superstar Cristiano Ronaldo fit und vor allem heiß ist vor dem Spiel gegen Deutschland (heute 18.00 Uhr). „Wir haben den besten Spieler der Welt im Team. Niemand gewinnt ein Spiel allein, aber er kann den Unterschied ausmachen“, sagte Portugals Torwart Eduardo kurz vor dem Abflug Richtung Spielort Salvador.

Geht es nach seinen Mitspielern und den Fans der Portugiesen, wird Ronaldo nach der erfolgreichen Behandlung seiner Knie- und Oberschenkel-Probleme einfach da weitermachen, wo er im Frühjahr aufgehört hat.

Dreimal verloren

Dass Ronaldos Einsatz gegen Deutschland lange Zeit fraglich war, haben die Portugiesen äußerst geduldig und unaufgeregt hingenommen. Das Gleiche gilt auch noch für ein paar andere Umstände, die vor dem Duell in der Arena Fonte Nova eher für die deutsche Mannschaft sprechen. Gleich dreimal hat Portugal zuletzt bei großen Turnieren gegen Deutschland verloren – bei der EM 2012 (0:1), der EM 2008 (2:3) und der WM 2006 (1:3). Aber Eduardo sagte dazu nur: „Vergangenheit ist Vergangenheit. Und Favorit bist du vor allem deshalb, weil du etwas in der Vergangenheit erreicht hast. Das muss an diesem Montag nichts bedeuten. Wir haben die Chance, diese Serie zu drehen.“

Die zweite große Stärke dieser Mannschaft neben Cristiano Ronaldos exorbitanter individueller Qualität ist ihre Eingespieltheit. Spätestens seit der Genesung des Superstars ist klar, dass heute nahezu dieselbe Mannschaft auflaufen wird, die schon bei der EM 2012 in ihrem ersten Spiel auf Deutschland traf. Die beiden Flügelstürmer heißen noch immer Ronaldo und Nani, die beiden Antreiber im Mittelfeld João Moutinho und Raul Meireles, die beiden Innenverteidiger Pepe und Bruno Alves.

Wundertüte

Mit einem Sieg im ersten Gruppenmatch will Deutschland sofort eine Stimmungsrakete zünden, die sowohl in der 9.000 Kilometer entfernten Heimat als auch im WM-Land für Aufsehen sorgen soll. „Damit die anderen Nationen auf uns gucken und sagen: Wow, die Deutschen sind da“, sagte Lukas Podolski vor seinem 115. Spiel im Adler-Trikot.

Das DFB-Team tritt bereits zu seinem 100. WM-Spiel an – Weltrekord. Nicht einmal der fünfmalige Champion Basilien, für den das 3:1 gegen Kroatien der 98. WM-Auftritt war, kann mehr bieten.

Bundestrainer Joachim Löw hat seit dem Trainingsstart vor dreieinhalb Wochen in Südtirol viel geprobt, dabei wurde seit der Ankunft in Brasilien auch der Anstoß in der Mittagshitze getestet. „Montag ist keine Simulation mehr“, formulierte der Bundestrainer deutlich.

„Es wächst immer mehr zusammen“, sagte der 54-jährige Löw vor seinem vierten Turnier als Bundestrainer optimistisch. Die Fans sind gespannt auf sein WM-Team 2014, das für viele noch eine Wundertüte ist. Für den Auftakt zeichnen sich einige Überraschungen und Risiken ab.

Vorsichtiges Spielkonzept

Mit Boateng, Mertesacker, Hummels und Höwedes in der Abwehrkette wird Löw gleich vier Innenverteidiger aufbieten, die Außenbahnen sind somit vorrangig defensiv besetzt. Davor sollen Lahm, Sami Khedira und Toni Kroos für Organisation im Mittelfeld sorgen. Offensiv hat der Bundestrainer Thomas Müller, Mesut Özil und wohl André Schürrle als Startkräfte vorgesehen, womit Löws vorsichtiges Spielkonzept weiter verdeutlicht wird. Die bisherigen Spiele der 20. WM demonstrieren aber vor allem: Die Konkurrenz zeigt Power- und Tempofußball vom Feinsten.

Die DFB-Kicker sind sicher, nicht nur mithalten, sondern das Turnier sogar prägen zu können. „Wir sind alle top austrainiert, dass wir mit voller Kraft auf dem Platz auftreten können“, sagte WM-Neuling Benedikt Höwedes. Der Nachholbedarf von Khedira sieben Monate nach seinem Kreuzbandriss oder auch Kloses Fitnessprobleme sowie die Trainingspausen von Torwart Neuer, Vize-Kapitän Schweinsteiger und auch Lahm wurden zuletzt von der sportlichen Leitung gar nicht mehr thematisiert.

Gewachsener Ehrgeiz

Der Ehrgeiz bei den 23 deutschen Akteuren ist noch gewachsen. „Ich habe ein großes Ziel: Am Ende den Pokal zu haben“, tönte Podolski vor der vom serbischen Referee Milorad Mazic geleiteten ersten Gruppenpartie. 300.000 Euro pro Mann würde der DFB als Prämie zahlen. Podolski weiß aber auch, dass die gute Stimmung im Team genährt werden muss.

Zum Auftakt wird viel darauf ankommen, wie Boateng im Verbund mit seinen Mitspielern den Weltstar Cristiano Ronaldo ausschalten kann. „Er erzielt in einer Saison 50 Tore. Und auch bei Portugal macht er viele entscheidende Dinge“, erinnerte Löw. Dennoch sei es vor 48.747 Zuschauern kein Spiel „Deutschland gegen Ronaldo, sondern Deutschland gegen Portugal“, unterstrich Höwedes.