Leidenschaft gegen Erfahrung, Newcomer gegen Routinier. Die beiden Fußball-Lehrer personifizieren die unterschiedlichen Spielsysteme der Finalgegner Dortmund und München. Und doch haben Jürgen Klopp und Jupp Heynckes eines gemein: Weder der eine noch der andere hat als Trainer bisher den DFB-Pokal gewonnen. Selbst dem hochdekorierten Bayern-Coach, mit Madrid Champions-League-Sieger (1998) und mit München deutscher Meister (1989, 1990), ist dieser Erfolg bisher Samstagabend (12.05.12) ändern. „Mir würde der Pokal schon viel bedeuten. Aber ich sehe die ganze Angelegenheit relativ gelassen“, sagte Heynckes am Freitag: „Dieser Titel fehlt noch in meiner Sammlung.“
Wie Wembley
Die Zeiten, in denen er mit hochrotem Kopf am Spielfeldrand wild gestikulierte, sind lange vorbei. Im Gegensatz zu Klopp hält sich Heynckes während des Spiels zumeist zurück. „Mir fällt als erstes seine Gelassenheit ein, die sich der Jupp über die Jahre angeeignet hat“, antwortete der BVB-Coach in einem DFB-Interview auf die Frage, welche Eigenschaften seines Kollegen er gern hätte.
Die Replik seines 67 Jahre alten Kollegen ging in eine andere Richtung. „So wie ich ihn an der Seitenlinie beobachtet habe, ist er sehr sprintstark und sprunggewaltig“, witzelte Heynckes in Berlin, wo sich die beiden Trainer gegenseitig viel Respekt entgegenbrachten. Heynckes hielt den DFB-Pokal immerhin als Spieler von Borussia Mönchengladbach nach dem Erfolg über den 1. FC Köln 1973 in den Händen. Doch als Trainer scheiterte er im Endspiel 1984 mit den Gladbachern an den Bayern.
Für Klopp ist es das erste Finale. Seine bisher beste Pokal-Ausbeute war das Viertelfinale 2005/06 mit Mainz – und das ging ausgerechnet gegen die Münchner verloren. „Für mich ist das Finale hier in Berlin vergleichbar mit Wembley“, schwärmte Klopp.
„Ich bin dran“
Im direkten Saison-Vergleich mit Heynckes liegt der BVB-Coach mit zwei Siegen über den FC Bayern vorn. Wohl auch deshalb wirkte Klopp in den Tagen vor dem Finale gelassener: „Von diesem Spiel habe ich schon als kleiner Junge geträumt. Ich empfinde pure Vorfreude und maximale Lust.“ Dagegen steht Heynckes stärker unter Druck. Augenzwinkernd hofft er auf eine Ende der Dortmunder Erfolgsserie: „Der Kloppo hat ja bereits voriges Wochenende feiern dürfen. Bei mir ist das länger her. Also bin ich jetzt wieder dran.“
Zu Demaart
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