Ziemlich kühn, aber seinem ausgeprägten Selbstbewusstsein entsprechend. Er wusste ja nicht, wer in «allen Zeiten» noch kommen würde. Nun, zwischen 2000 und 2012 kam Schwimmer Michael Phelps.
Bevor wir aber zum erfolgreichsten Olympioniken aller Zeiten kommen, seien noch kurz zwei weitere Ali-Reminiszenzen hier aus London erwähnt. Die erste betraf ihn leider höchstpersönlich. Dem Tode geweiht, wurde der 70-Jährige bei der Eröffnungsfeier regelrecht zur Schau gestellt (das «T» berichtete).
Die andere betrifft Frankreichs Judo-Superstar Teddy Riner. Ein früherer Trainer vergleicht seinen Kampfstil mit dem legendären «float like a butterfly, sting like a bee» Alis. Vielleicht nicht mal zu Unrecht, denn unter den Judo-Schwergewichtlern kommt Riner definitiv sehr leichtfüßig daher. Und mit gerade mal 23 Jahren ist er schon Rekord-Weltmeister (5) und nun auch Olympiasieger – da bleibt noch Zeit, an der eigenen Legende zu stricken und Größe zu «sammeln».
Locker, gelöst und zufrieden
Zeit, die hätte auch Michael Phelps noch. «Ich habe mir immer gesagt: Spätestens mit 30 höre ich auf», so der «Baltimore Bullet» (nach seiner Heimatstadt) oder auch «Flying Fish» genannte US-Amerikaner auf seiner letzten Sieger-Pressekonferenz nach der 4×100-m-Lagen-Staffel am Samstag in London. Nun ist mit 27 Schluss. Noch einmal Olympia hätte eh nicht in den selbst gesteckten Zeitraum gepasst. Und: «Ich habe alles erreicht was ich wollte, jedes einzelne Ding. ‚I did it.‘ Wenn man das von sich sagen kann, dann kann man aufhören. Und das tue ich jetzt: Ich beende meine Karriere so, wie ich es wollte.» Wahrhaben will das nicht jeder. Phelps musste am Samstag auf US-Journalisten-Nachfragen mehrfach das bekräftigen, was er seit Mai angekündigt hat. U.a. sagte er Folgendes: «Ich bin so viel in der Welt herumgekommen. Aber nur zu Wettkämpfen. Ich will das alles jetzt auch mal ohne sehen. Andere Sachen machen.» Er sagt das locker, gelöst, mit einem zufriedenen Lächeln.
Dann erhebt er sich, muss zum nächsten Termin. Nachfolgende Frage, wieder ein US-Journalist: «An die anderen drei US-Schwimmer: Glaubt ihr wirklich, dass er aufhört, dass er nicht zurückkommt?» Michael Phelps hat den Saal noch nicht verlassen, ruft laut «Yes». Die Lacher hat er auf seiner Seite …
Emotionen
Das Publikum kurz zuvor im Aquatics Center hatte er auch auf seiner Seite. Am Tag nach seinem letzten Einzelgold über 100 m Schmetterling gewann er die 4×100-m-Lagen-Staffel, wie es sich für einen Superstar wie ihn gehört. Auf Platz zwei liegend, brachte er die US-Staffel, an Position drei auf der Schmetterling-Strecke schwimmend, wieder in Führung. Olympia-Medaille 22, Gold Nr. 18, ist gesichert.
Anders als am Tag zuvor, nach dem letzten Einzelrennen seiner Karriere, konnte Phelps diesmal bei der Siegerehrung seine Emotionen nicht verbergen. Beim Ausmarsch der Athleten kamen die Tränen. Zusätzlich gab es vom Weltverbands-Präsidenten kurz später noch eine spezielle Trophäe – noch eine Ehrenrunde, diesmal alleine, ohne die Staffel-Kollegen. Phelps genoss den triumphalen Abschied.
Und bescherte nicht nur sich selbst einen unvergesslichen Abgang. «Unglaublich, Teil dieses Teams gewesen sein. Das werde ich nie vergessen. Das werden wir alle einmal unseren Kindern und Enkelkindern erzählen», so Phelps’ gleichaltriger Staffel-Kollege Matthew Grevers. Wenn Grevers dies tatsächlich einmal seinen Enkeln erzählt, wird kaum noch darüber gesprochen werden, dass er bei den Olympischen Spielen 2012 in London Gold über 100 m Rücken geholt hat. Doch Michael Phelps’ Rekorde, die riskieren dann noch immer in den Geschichtsbüchern zu stehen.
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können