Laurent Didier belegt in der Schlusswertung den 74. Rang. Frank Schleck steckte am Samstag auf.
Es ist eher selten, aber manchmal kann es vorkommen, dass an der «Côte d’Azur», diesem von der Sonne verwöhnten Landstrich im Süden Frankreichs, Regen vom Himmel fällt. Normalerweise ist das nicht der Fall, wenn die Fernfahrt Paris-Nice in die Schlussphase geht. Je näher man der Provence kommt, desto besser wird das Wetter.
Dieses Jahr war genau das Gegenteil der Fall. Von Sonntag bis Freitag blies zwar ein kalter Wind durch das Rhônetal, aber die Sonne schien. Der Umschwung kam am Samstag, als die Karawane sich von Brignoles nach Biot-Sophia Antipolis aufmachte. Im Hinterland von Nice begann es um die Mittagstunde zu regnen, Kälte brach ein. Das brachte mit sich, dass die Strassen schmierig und glitschig wurden, wodurch in jeder der zahlreichen Kehren die Gefahr lauerte.
Schwere Stürze
Viele Fahrer wurden Opfer eines Sturzes. Sie mussten entweder ambulant behandelt werden oder waren gezwungen, das Rennen zu verlassen. Der Deutsche Heinrich Haussler ging zweimal zu Boden, Alexandre Vinokourov rettete sich in extremis vor einem Sturz in einen 6 m tiefen Abgrund, während sein kroatischer Mannschaftskollege Kiserlovski unter einen Lieferwagen rutschte und eine Zeitlang eingeklemmt war. Die Ärzte in der Klinik von Antibes mussten sein Gesicht mit sieben Stichen nähen, danach hielten sie ihn für eine Nacht in Beobachtung.
Am schlimmsten erwischte es den Holländer Martijn Maaskant, bei dem man im Spital von Grasse sieben Rippenbrüche feststellte. Im Total steckten 19 Fahrer in dieser vorletzten Etappe auf, darunter auch Frank Schleck, der wegen Schmerzen an einer delikaten Stelle von seiner Rennmaschine stieg und sich in die Duschen im warmen Mannschaftsbus fahren ließ.
Am Ende durfte der Franzose Rémi Di Gregorio einen schönen Etappensieg feiern. Er, der in der Zwischensaison zum Astana-Team wechselte, griff rund ein Dutzend km vor dem Ziel an und verteidigte seinen knappen Vorsprung über die Linie.
Zum Schluss musste der Franzose noch eine Schrecksekunde überstehen, da sein Rad auf einem Fussgängerstreifen wegrutschte, Di Gregorio die Rennmaschine aber wieder ins Gleichgewicht bringen konnte.
Einen Tag später durften die Franzosen einen weiteren Etappensieg eines der Ihren bejubeln. Diesmal war es sogar der Meister des Landes, der die in Regen und Kälte ausharrenden Zuschauer an der «Promenade des Anglais» beglückte. Dabei feierte Thomas Voeckler gleich seinen zweiten Sieg in der Fernfahrt. «Wir hatten am Abend zuvor einen Empfang mit unsern Arbeitgebern», sagte Voeckler bei der Presskonferenz. «Und da habe ich den Champagner Trinkenden angekündigt, dass auf der Schlussetappe noch was Erfreuliches für sie folgen würde.» Teamchef Jean-René Bernaudeau, der beim ‚briefing‘ gefordert hatte, ein Europcar-Fahrer müsse bei der Etappenvergabe dabei sein, dürfte es gefreut haben.
Viele Ausfälle
Thomas Voeckler gehörte mit Lopez Garcia (Movistar), Busche (Radioshack), Pauriol (Française des Jeux), Carrara (Vacansoleil), El Farès (Cofidis), Izagirre Insausti (Euskaltel), Ulissi (Lampre), Gerdemann (Leopard Trek), Vinokourov (Astana) und dem Luxemburger Laurent Didier (Saxo Bank) zur elfköpfigen Gruppe, die für Animation auf der Schlussetappe sorgte. Einer nach dem andern musste locker lassen (Didier in der «Turbie»), am Ende blieben nur noch der Italiener Ulissi und Voeckler. In der letzten Abfahrt vom Col d’Eze machte Voeckler sich dann auf und davon. Insgesamt 37 Fahrer steckten am Sonntag auf.
Schlusssieger Tony Martin (geb. am 23. April 1985 in Cottbus) ist nach Rolf Wolfshohl (1968), Andreas Klöden (2000) und Jörg Jaksche der vierte Deutsche, der Paris-Nice gewinnt. Einen deutschen Doppelerfolg (Klöden wurde Zweiter) aber hat es bisher nie gegeben. Und doch dürften dieser erste und zweite Rang kaum für Begeisterungsstürme in der Bundesrepublik sorgen, denn bei Paris-Nice 2011 war kein einziger deutscher Journalist akkreditiert!
«Am meisten fürchtete ich die Strassenverhältnisse», sagte Tony Martin auf der Pressekonferenz: «Ich glaube, Klöden und Wiggins hatten sich schon vor dem Start zur letzten Etappe mit den Ehrenplätzen abgefunden. Die Stürze vom Vortag machten mir Angst, nicht so die Berge. Paris-Nice war ein Ziel, das ich erreicht habe. Jetzt bereite ich behutsam die Tour de France vor. Dort werde ich einer unserer Leader sein.»
Zu Demaart
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