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Josy Barthels Olympia -Gold 1952

Josy Barthels Olympia -Gold 1952

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Hier in London ehrte der internationale Sportpresseverband AIPS alle Journalisten, die in ihrer Karriere schon zehnmal oder öfter über Olympische Spiele berichtet haben. „Ursache“ für diese Ehrung, wenn man so sagen will, war der deutsche Leichtathletik-Fachjournalist Gustav Schwenk.

Seit 1952 berichtete er über alle Sommerspiele bis auf Peking 2008 und feiert nun in London im Alter von 88 Jahren seine 15. Teilnahme. Er saß auch in Helsinki im Stadion, als der Luxemburger Josy Barthel vor 60 Jahren Olympia-Gold über 1.500 m gewann.

Anekdoten

Zwei Dinge vergisst Schwenk nicht: „Barthel hat geweint nach seinem Sieg.“ Und bei der Siegerehrung, die neben dem damaligen Luxemburger Erbgroßherzog Jean vom IOC-Präsidenten Edström vorgenommen wurde, habe der Schwede die Medaillen (es gab noch keine Hostessen) einfach in seinen Taschen dabei gehabt: „Je eine in jeder Jackentasche und eine in der Hosentasche.“

(clc)

Dies war in unserem Gespräch mit dem wandelnden Leichtathletik-Lexikon denn auch am interessantesten. Interessant in mehreren Hinsichten, denn Barthel wurde bekanntlich in der Person von Woldemar Gerschler von einem Deutschen trainiert, und der große Favorit vor den 52er Spielen war auch ein Deutscher – Werner Lueg.

„Er hatte etwa einen Monat vor den Spielen den Weltrekord über 1.500 m eingestellt. Damit war er der erste deutsche Weltrekordler in einer olympischen Disziplin nach dem Weltkrieg. Auch international galt er als Favorit für dieses Rennen. Barthel war nicht auf der Rechnung. Und es gab noch viele andere starke Konkurrenten“, so Schwenk, der am kommenden 17. Dezember seinen 89. Geburtstag feiert.

Lueg nahm die Favoritenrolle auch an, ließ von seinem Landsmann Lamers im Finale das Tempo vorgeben. Nach 900 m ging er selbst an die Spitze, zog in der letzten Runde das Tempo an und bog mit ca. 3 m Vorsprung auf das von Barthel angeführte Feld auf die Zielgerade.

Barthel „vollkommen locker“

Schwenk blättert im Buch „Von Athen bis Sydney – Luxemburg und die Olympischen Spiele“ von Petz Lahure, zeigt auf ein Foto: „Sehen Sie mal den Gesichtsausdruck von Lueg beim Einbiegen auf die Zielgerade, und dann den von Barthel. Der ist noch vollkommen locker, Lueg von der Anstrengung schon gezeichnet.“ Gustav Schwenk erklärt den Schluss des Rennens: „Lueg versuchte es mit einem langen Spurt. Aber er hat sich immer wieder umgesehen, das war idiotisch. Dann kam Barthel, zog vorbei – da war Lueg schon kein Gegner mehr für ihn. Bob McMillen, der Zweiter wurde, der hätte Barthel noch am ehesten gefährden können. Wenn er seinen Spurt eher angezogen hätte. 10 m mehr und der Amerikaner hätte vielleicht gewonnen.“

Den Endspurt resümiert Schwenk wie folgt: „Josy Barthel hat das Rennen gewonnen, weil er aus der Kurve heraus am nächsten an Lueg dran war. Er hat das Rennen vielleicht mehr mit dem Kopf gewonnen als mit den Beinen.“ Der Tatsache, dass Barthel vom deutschen Trainer Gerschler betreut wurde, misst Gustav Schwenk indes keine so große Bedeutung zu. Außerdem sei es falsch, dass Gerschler in Helsinki als deutscher Nationaltrainer tätig gewesen sei „Es gab einen einzigen Hauptamtlichen“, so Schwenk, „und das war Sepp Christmann. Alle anderen waren nebenberuflich, bekamen nur Spesen. Wäre Gerschler angestellt gewesen, hätte man ihm die Betreuung Barthels ja verbieten können.“ In der Vergangenheit hatte das des Öfteren hohe Wellen geschlagen; Gerschler habe dazu beigetragen, dass Deutschland eine mögliche Goldmedaille „geklaut“ wurde.