Präsident Jean Cazzaro prangert gegenüber dem «Tageblatt» die schlechte Mentalität der Mannschaft an und ist weiter auf der Suche nach den
Gründen für den Absturz.
Nachdem am Wochenende Trainer Fernando Gutierrez die Escher Kommandobrücke verließ, knöpfte sich die technische Leitung des amtierenden Meisters am Montag die Mannschaft vor. «So eine Leistung wird nicht mehr toleriert. Es wurden Disziplinarmaßnahmen ausgesprochen, die jedoch vertraulich bleiben», resümiert Jeunesse-Präsident Jean Cazzaro das Treffen.
Antworten hat der Vereinsdirigent jedoch nicht bekommen. «Irgendwann ist es in der Mannschaft zum Bruch gekommen. Das muss nach der Winterpause gewesen sein. Bis heute weiß ich nicht, warum das so ist», erklärt ein enttäuschter Cazzaro.
Fernando Gutierrez musste und wollte jedenfalls das Feld räumen. Bis zum nächsten Auswärtsspiel am Samstag gegen Hesperingen (18.00 Uhr) wird die Mannschaft von Sportdirektor Vinicio Monacelli betreut. Im Moment ist Jeunesse intensiv auf der Suche nach einem Nachfolger.
Drei Kandidaten befinden sich in der Endauswahl. «Das Angebot an Trainern ist nicht groß, das ist normal zu diesem Zeitpunkt der Saison. Der neue Mann an der Seitenlinie muss einfach unseren Vorstellungen entsprechen und Erfolg haben», so die einfache Vorstellung von Jean Cazzaro. Michel Leflochmoan (Ex-Jeunesse und -F91) ist laut Cazzaro kein Kandidat. Auf Nachfrage bestätigte der Franzose, dass zurzeit kein Kontakt bestehe.
«Interesse an einem Gespräch ist aber da», so Leflochmoan schmunzelnd.
Keine Leidenschaft
Der neue Trainer muss jedenfalls an die Ehre der Mannschaft appellieren. «Die Leidenschaft ist nicht mehr da. Diese Tendenz spürte ich schon nach den beiden Champions-League-Spielen gegen Solna. Ich bin tief enttäuscht, vor allem über die Mentalität nach der Winterpause. Das ist schwer zu verdauen. Und dieses Verhalten ist auch ein Schlag ins Gesicht der Zuschauer», sagt Cazzaro, der selbst auch nicht von Kritik verschont bleibt.
Am Sonntag hatte die Fangruppierung «Etoile noire» der Vereinsführung vor allem schlechte Jugendarbeit vorgeworfen. Vor vier Jahren flohen 40 bis 50 Jugendspieler und -trainer von der Jeunesse zur Fola, weil die Jugendarbeit der Schwarz-Weißen, laut Aussagen früherer Mitglieder, nicht mehr richtig vorangetrieben wurde. Diese Vorwürfe will Jean Cazzaro nicht auf sich sitzen lassen. «’Dat ass dee gréisste Schrott, deen ech a mengem Liewen héieren hunn.’ Unsere Nachwuchsteams haben Erfolg. Einige junge Spieler wurden in die Ehrenpromotion ausgeliehen, um dort Spielpraxis zu sammeln. Wer später in der ersten Mannschaft spielt, hängt aber auch von den Spielern selbst ab.»
Wegen der schlechten Leistungen hatte eine andere Fangruppierung das Spiel am vergangenen Sonntag gegen Wiltz boykottiert. Der Präsident versteht diese Reaktion und ist selbst böse über die Leistung seiner Mannschaft.
«Ich verstehe, dass die Zuschauer wegbleiben, das war nämlich die schlechteste Jeunesse-Leistung seit fünf oder sechs Jahren.»
Zu Demaart
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