Tageblatt: Heinz Thews, mit der Pandemie, den kritisierten Menschenrechtsverstößen Chinas und einer strengen Bubble sieht es nach schwierigen Spielen aus. Was erwarten Sie?
Heinz Thews: Wir spüren jetzt schon, dass sie nicht einfach werden. Wir haben das zweite Playbook (die präzisen Vorgaben und Bestimmungen zu den Spielen, Anm. d. Red.) bekommen und die Auflagen sind sehr hoch. Derzeit haben wir mit China täglich zwei, drei Stunden Meeting. So gibt es sehr strenge Einreisebestimmungen, es sind auch keine normalen kommerziellen Flüge möglich, sondern Sonderflüge müssen über spezielle Kanäle gebucht werden. Vor Ort werden wir dann in einer sehr strengen Bubble sein, in der sich im Gegensatz zu Tokio auch die Mitarbeiter der Organisation oder die Helfer in der Logistik befinden.
Was haben Sie in Tokio für Spiele in diesen Zeiten gelernt?
Sobald man in die Wettkampfstätten kam, war in Tokio alles gut für die Athleten. Die waren prima, die Konkurrenz hoch, die Wettkämpfe spannend. Hiervon gehe ich auch für Peking aus. Das Drumherum ist dann schon schwierig. Es ist seltsam, wenn man durch eine Stadt gefahren wird und dann ist man da, aber kann doch nicht teilhaben. Viele Erfahrungen und ein großer Teil vom Austausch fallen weg. Für die Athleten war auch schade, dass diese tollen Stadien leer waren. Das ist dann schon ein anderes Gefühl. Derzeit sind in China einheimische Zuschauer vorgesehen. Aber es wird natürlich geschaut, wie sich die Situation und der Infektionsdruck auch mit der neuen Mutation entwickeln. Da sind jedenfalls noch weitere Verschärfungen möglich.
Außer bei den Auftritten von Marc Girardelli hatte Luxemburg bei Winterspielen immer einen schweren Stand. Was erwarten Sie sich sportlich?
Mit der Verletzung von Peter Murphy haben wir ja noch vier Kandidaten. Kari Peters ist im Moment krank, aber er hat Vorleistungen erbracht. Jeff Bauer ist noch nicht so weit vorne, wie er sein müsste. Aber die Konkurrenz ist in den letzten vier Jahren auch größer und besser geworden. Matthieu Osch ist eine bekannte Größe und er hat sich gut entwickelt. Bleibt noch ganz rezent Gwyneth ten Raa, die das sehr gut macht. Bisher übertrifft sie bei allen die Erwartungen. Wir haben vielleicht eine ganz junge Athletin dabei, das kann sehr interessant werden. Ich hoffe jedenfalls auf mehr als einen Athleten, dass wir dieses Mal auch von einem Team sprechen können. Und die werden sich sicher auch gut verkaufen können.
Nach Peking ist für Sie die Arbeit beim COSL getan. Welche olympische Zukunft sehen Sie für den luxemburgischen Sport?
Es wäre schön, wenn wir bei den nächsten Spielen aus der Pandemie raus wären. Für den Sport wäre es wichtig, ohne Restriktionen unterwegs sein zu können. Sportlich haben wir sehr hoffnungsvolle Leistungen in Tokio gesehen und Paris steht ja schon vor der Tür, bereits in einem Jahr fängt die Qualifikationsphase an. Ich sehe einige Athleten, die da noch einen Schritt weiter nach vorne können. Ich glaube an eine tolle Mannschaft in Paris. Im Gegensatz zu Tokio werden wir keine Probleme mit der Akklimatisierung oder der Zeitverschiebung haben. Und der Winter war ja nicht immer so unsere Domäne. Aber auch da gibt es mittlerweile einige junge Athleten, die das sehr ernsthaft, in den passenden Strukturen, angehen.
Zu Demaart
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