Bis zum großen Einsatz ist es nicht mehr lange hin, doch die Stimmung im markanten olympischen Aquatics Center mit den beiden hohen Seitenflügeln und Platz für 17.500 Zuschauer ist erstaunlich locker.
Die meisten Schwimmer kennen sich gut, grüßen sich, flachsen auch mal und im belebten Olympiabecken lässt jeder dem anderen genügend Platz, um routiniert letzte Trainingseinheiten abzuspulen.
Ab den ersten Entscheidungen wird am Samstag in dem ausverkauften Schwimmzentrum dann die Hölle ausbrechen. Bereits Anfang März stellten sich die beiden Luxemburger beim olympischen Testevent der internationalen Konkurrenz, doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: „Jetzt muss man fit sein“, gibt ein lächelnder Raphaël Stacchiotti als Motto aus.
Der Lagen-Spezialist hatte wegen gesundheitsbedingter Atmungsprobleme im Mai eine schwierige Europameisterschaft, die er aber abgehakt hat: „Ich habe seit Juni ein Spray, das ich regelmäßig nehmen muss. Seither geht es besser. Ich wollte dort gut schwimmen, aber wenn es nicht klappt, dann klappt es nicht. Aber es war eh nicht der Saisonhöhepunkt und dann muss man auf das nächste Ziel schauen.“
Großes Ziel
Das nächste, das große Ziel sind ganz klar diese XXX. Olympischen Spiele, bei der die beiden luxemburgischen Schwimmer am Samstag erst auf ihren Nebenstrecken, 400 Meter Lagen bzw. 100 Meter Brust, auf dem Startblock stehen. „Man weiß dann, woran man noch etwas feilen muss“, sieht Stacchiotti darin einen Vorteil, bevor wenige Tage später ihre Hauptstrecken anstehen.
„Auf diese legen wir etwas mehr Gewicht“, findet auch der spätestens mit seinen Höchstleistungen beim diesjährigen Euro-Meet in der Coque in der erweiterten Weltspitze angekommene Brustspezialist Laurent Carnol. Doch auch fürs erste Rennen seien sie 100 Prozent bereit. Erklärtes Ziel ist, bereits dort neue Bestzeit zu schwimmen.
Ganz besonderer Wettkampf
Noch bis vor zwei Wochen waren sie für einen letzten Feinschliff in einem Lehrgang auf Teneriffa. „Es hat alles bestens geklappt, auch wenn es zu zweit etwas langweiliger als sonst war. Aber wir hatten ja Brian (Rasmussen, den Physiotherapeuten, d.Red.) und die Playstation, um die freie Zeit dennoch rumzukriegen“, resümiert der Fahnenträger von Peking 2008, Raphaël Stacchiotti. Jetzt in London wieder bei Olympischen Spielen zu sein, sei „das geilste Gefühl, was es gibt. Da soll man in der Form seines Lebens sein“.
Auch für Laurent Carnol ist es natürlich etwas ganz Besonderes, hier in London bei seinen zweiten Spielen anzutreten. Umso mehr, da er nur 200 Kilometer entfernt in Loughborough lebt und studiert: „Das ist schon geil. Ich bekam ja die ganze olympische Vorfreude mit. Einige Leute, die ich hier kenne, konnten sich auch Karten für meine Wettbewerbe sichern.“
Mit der ganzen blauen Dekoration, den olympischen Ringen und den erstmals ganz einzusehenden hohen Zuschauerrängen wirke das Aquatics Center ganz anders als noch im März, findet Laurent Carnol, der damals die 200-m-Strecke im „Gästefinale“ gewann. Doch jetzt steht die komplette Weltelite am Start. Neben den eigenen hohen Ambitionen spricht dabei der Wunsch des Vorzeigeathleten für die tolle Stimmung im eingespielten, kleinen Team: „Ich will dich nicht noch einmal so wie bei der EM leiden sehen“, an die Adresse von Stacchiotti. In der Gewissheit, dafür in den letzten vier Jahren alles Mögliche unternommen zu haben, erwarten beide so entspannt wie fokussiert ihren großen Auftritt.
Zu Demaart
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