Wenn Namen Programme sind, dann gilt das für die neue „Equipe“, die am 13. September erstmals an den Kiosken sein wird. Der Chefrededakteur des Internets wird Geschäftsführer der Redaktion. Der neue Chefredakteur kommt von einer Gratiszeitung, „20 Minutes“. Und nicht zuletzt: Der neue Generaldirektor des Verlages, Cyril Linette, kommt von canal+.
Das Format wird kleiner. L´Equipe der Zukunft wird im Magazin-Format erscheinen. Das Heft wird im Normalfall 30 Seiten an Wochentagen umfassen. An Wochenenden soll der Umfang auf 48 bis 52 Seiten ansteigen. Die langen Artikel, die heutzutage auf einer Seite laufen, sollen zukünftig über zwei Seiten mit Illustrationen laufen und von daher den Leser anziehen.
Mehr Vorausschau, mehr Analyse
Der Journalismus soll sich ändern. Die Redaktion soll zukünftig mehr auf das eingehen, was an dem Tag passiert, an dem der Leser sein Blatt in der Hand hält. Mehr Vorausschau, mehr Analyse. Weniger 1:1 Berichterstattung, in der zu lesen ist, in welcher Minute welcher Spieler auf den Pass eines anderen Spielers ein Tor geschossen hat. Die Redaktion übt derzeit mit der Berichterstattung über die Tour de France.
Die Revolution, der sich das Blatt unterzieht, ist aber weit tiefgreifender. Die neuen Manager, die aus der digitalen Welt kommen, wollen L´Equipe einer digitalen Revolution unterziehen. Zukünftig soll ein Journalist zunächst für die Online-Ausgabe schreiben. Absolute Aktualität über das Online Portal heißt die journalistische Anforderung. Für die Print-Redaktion heißt das: Nicht wie üblich morgens um 11 Uhr soll die Redaktion darüber entscheiden, was der Leser am nächsten Tag im Blatt zu lesen bekommt, sondern erst am Nachmittag. Da jedes aktuelle Thema zunächst online erscheint, wird am Nachmittag entschieden, ob und was davon in das gedruckte Exemplar übernommen wird. Für die Journalisten ergibt sich daraus ein anderer Arbeits-Rhythmus, für den Leser bedeutet das, dass die Zeitung aktueller und reaktiver wird. Die Handschrift des Fernsehens und von 20 Minutes wird unübersehbar in der neuen L´Equipe. Hier wird eine Arbeitsweise eingeführt, die auch bei der Gratiszeitung gilt.
Wirtschaftliche Gründe
Die Revolution ist aus wirtschaftlichen Gründen notwendig. Die Auflage ist in den vergangenen fünf Jahren um 30 Prozent eingebrochen. Die Zeitung, die eine Boulevardzeitung ist und sich nicht über Abonnements verkauft, sondern nur am Kiosk, setzt täglich nur noch 215.000 Exemplare ab. Im online Bereich werden nun neue Wege beschritten. Eine PDF Edition hat ihre Auflage von 14.000 auf 21.000 gesteigert. Das sind bereits zehn Prozent der Print-Edition. Diese PDF-Edition, die bisher um sechs Uhr morgens erscheint, soll zukünftig am Abend vorher im Netz stehen.
L´Equipe beschreitet damit den Weg, den auch die Wirtschaftszeitung „Les Echos“ schon beschritten hat. Für online-Abonnenten gibt es die Print Edition im PDF Format bereits um 22.30 Uhr. Ähnlich verfährt der Le Figaro, der seinen online-Abonnenten eine „Premium-Zeitung“ anbietet mit Inhalten die online den Premium Kunden vorbehalten sind.
L´Equipe will über den PDF-Print-Bereich des Vorabends hinausgehen und seinen Kunden ein reines Internet-Abo mit Equipe.fr anbieten. Bisher gibt es 12.000 Abonnenten. Ende 2015 sollen es 30.000 sein. Die Boulevard Zeitung geht hier ihre letzte Revolution an. Sie soll im Netz den Weg von der Boulevard-Zeitung zur Abo-Zeitung beschreiten.
Zu Demaart
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