17 Jahre lang hatte der beste Luxemburger Unparteiische Auftritte rund um den Globus. Er leitete Spiele vor 100.000 Menschen im Camp Nou in Barcelona und nahm als vierter Schiedsrichter an der Europameisterschaft in Portugal teil.
Alain Hamer Steckbrief
o Geboren am 10.12.1965 in Luxemburg
o Schiedsrichter seit 1982
o FIFA-Schiedsrichter seit 1993
o Erstes Spiel: Scolaires-Spiel in Niederkorn
o Erste internationale Begegnung: Frauenländerspiel 1993 zwischen Island und den Niederlanden
o Internationale Einsätze: 150
o Wohnsitz: Waldbillig
o Verein: CS Petingen
o Hobbys: Reisen (vor allem nach Asien und speziell Thailand) und Sport
Dabei war eine Karriere in der großen Welt des Fußballs nicht unbedingt vorprogrammiert. Bis zu seinem 14. Lebensjahr kam er fast gar nicht in Berührung mit der weltweiten Sportart Nummer eins. Hamer wuchs als Sohn eines Restaurantbesitzers in Petingen auf und musste von einem Freund fast dazu genötigt werden, Fußball zu spielen. Für seinen Heimatverein, den CS Petingen, bestritt er nie ein offizielles Spiel. Stattdessen wusste Hamer bereits als Jugendlicher, dass das Schiedsrichterwesen genau seine Sache ist. Er wollte für Gerechtigkeit sorgen und war fasziniert von der Arbeit der Männer in Schwarz.
In nur acht Jahren stieg er vom Nachwuchsschiedsrichter zum jüngsten Unparteiischen in der Nationaldivision auf. Mit 27 Jahren war er damals jüngster FIFA-Schiedsrichter aller Zeiten. Eine Blitzkarriere, die für Aufsehen sorgte.
Kritik von Mourinho
Alain Hamer war während seiner ganzen Laufbahn ein Vorbild an Seriosität. Das ist laut ihm auch einer der Gründe, warum er es so weit brachte. An einem Ziel scheiterte er jedoch. Trotz gutem Test im Vorfeld wurde er nie als erster Schiedsrichter für eine Weltmeisterschaft oder eine Europameisterschaft berufen. Diese Entscheidung der FIFA, ihn nicht zu selektionieren, hat er bis heute nicht verdaut.
Der Luxemburger stand selten im Mittelpunkt und war auch nie großer Kritik ausgesetzt. Nur einmal sorgte Chelseas Startrainer José Mourinho für Aufsehen, als er Hamer 2005 nach der Niederlage in der Champions League gegen Betis Sevilla (0:1) eine schlechte Leistung unterstellte. „Es ist eine Tatsache, dass der Referee aus einem Land kommt, in dem es keinen Fußball gibt“, so der Portugiese damals. Mittlerweile haben sich die beiden versöhnt und Alain Hamer bescheinigt im „T“-Interview dem heutigen Trainer von Real Madrid „wahre Klasse“.
Eine Klasse für sich war auch Alain Hamer während seiner gesamten Laufbahn. Einen Nachfolger für ihn zu finden, wird mit Sicherheit zu keiner einfachen Aufgabe für den nationalen Fußballverband. Der 31-jährige Sven Bindels soll in die riesigen Fußstapfen des Bankangestellten treten. Weitere internationale Schiedsrichter sind Abby Toussaint und Luc Wilmes, bei den Frauen Laurence Zeyen. Insgesamt sind elf Luxemburger im kommenden Jahr auf den internationalen Spielfeldern unterwegs.
Trotzdem muss sich laut Alain Hamer vor allem an den Rahmenbedingungen im Schiedsrichterwesen hierzulande einiges ändern. Im „T“-Interview spricht der 45-Jährige vor allem die niedrige finanzielle Entschädigung an, die in keinem Verhältnis zum Zeitaufwand steht, den die Unparteiischen betreiben. Er spricht sich für einen professionellen Manager aus, der sich um die Betreuung der Pfeifenmänner kümmert.
Nun ist die FLF gefordert, denn die Entwicklung des nationalen Fußballs wird nicht nur mit besser ausgebildeten Spielern, sondern auch mit qualifizierten Schiedsrichtern vorangetrieben.
Zu Demaart
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