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Die «WM aller WMs»

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FUSSBALL - Der WM-Countdown läuft: Ab Dienstag (04.03.14) sind es noch 100 Tage bis zum Anpfiff in São Paulo. Gastgeber Brasilien verspricht die "WM aller WMs". Die große Unbekannte bleiben die Proteste. Das macht auch der FIFA weiter Sorgen.

Für Brasiliens Nationalcoach Luiz Felipe Scolari ist schon längst klar, wer die nächste WM gewinnt. Natürlich Gastgeber Brasilien. «Jeden Tag bin ich überzeugter, dass wir die Copa gewinnen», sagte der 65-Jährige kürzlich. Er begründete das auch mit der Überzahl der «Seleção». «Wir werden immer zwölf (Mann) auf dem Spielfeld und somit besser sein», sagte er mit Blick auf die Unterstützung der Fans. So weit die Theorie. Doch dem Optimismus des charismatischen Trainers dürften einige seiner 31 Kollegen, die zur WM anreisen, widersprechen wollen. Und das zu Recht.

Brasilien fiebert inzwischen dem WM-Anpfiff am 12. Juni entgegen. 64 Spiele in zwölf Städten und in zwölf Stadien, von denen allerdings einige erst mit erheblicher Verspätung fertig werden. Auch das Eröffnungsstadion, die Corinthians Arena in São Paulo, wird nach einem schweren Bauunfall im November 2013 erst Anfang April eröffnet. Noch schlimmer steht es um die Arena da Baixada in Curitiba, die für Schlagzeilen sorgte, weil die FIFA den lokalen Organisatoren offen mit WM-Rauswurf drohte, den die Stadt im Februar gerade noch abbiegen konnte.

Es ist davon auszugehen, dass alle zwölf Stadien fertig werden, wenn auch die FIFA-Frist vom 31. Dezember 2013 schon längst verstrichen ist. Sportlich will sich die «Seleção» noch bei drei Testspielen beweisen. Am 5. März geht’s in Johannesburg gegen Südafrika, den Gastgeber der WM 2010. Es folgen noch weitere zwei Spiele im Juni. Auf der FIFA-Weltrangliste arbeitete sich der fünffache Rekordweltmeister, der 2013 erneut und in beeindruckender Weise den Confed-Cup gewann, inzwischen auf einen halbwegs achtbaren Rang neun hoch.

Den WM-Kader wird Scolari Anfang Mai präsentieren. Bis dahin bleibt vieles Spekulation. Eher schlechte Aussichten haben aber wohl namhafte Top-Stars wie Kaká, Ronaldinho oder Robinho.

Hauptthema Sicherheit

Als einziger sicher gesetzter Spieler gilt Neymar, der sich bei Barcelona eindrucksvoll als Stürmer behauptet und in Szene setzt. Doch der muss sich wegen des Multi-Millionen-Transfers von seinem Ex-Club Santos nach Spanien auch außerhalb des Spielfeldes gegen Druck wehren und die Nerven bewahren. Bei seinen Fans genießt der erst 22-Jährige Kultstatus. Schon beim Confed-Cup wurde er umjubelt. Wie vor einem Jahr dürften auch zur WM vor allem Brasilianer in den Stadien sitzen und für Samba-Stimmung sorgen. 57 Prozent der bislang in öffentlichen Verfahren vergebenen 1,5 Millionen Tickets gingen an brasilianische Fans.

Zur WM werden rund 600.000 Fans aus dem Ausland erwartet. «Wir sind sehr gut vorbereitet, um die Sicherheit für alle zu garantieren», versprach Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff, von der auch der Slogan «WM aller WMs» stammt. Rund 150.000 Polizisten und Soldaten sowie 20.000 private Sicherheitskräfte sind während des Turniers landesweit im Einsatz. Notfalls will die Staatschefin auch auf die Armee zurückgreifen.

Die Sicherheit bleibt ein Hauptthema während der WM und die FIFA verweist in diesem Punkt wie immer auf die alleinige Zuständigkeit des Staates. Seit Monaten laufen die Strategieberatungen, wie mögliche Proteste zur WM eingedämmt werden können. Die Demonstrationen, bei denen zum Confed-Cup bis zu eine Million Menschen auf die Straße gingen, sind die große Unbekannte. Die WM-Gegner, die erbost die Milliarden-Kosten für die WM anprangern, zeigen sich protestwillig.

Ihre Kampfansage: «Não vai ter Copa» (Es wird keine WM geben). Vor allem über Facebook mobilisieren die Mitglieder des gefürchteten «Black Blocs» ihre Proteste, bei denen es immer wieder zu massiven Randalen, Tumulten und heftigen Straßenschlachten mit der Polizei kommt. Der 100-Tage-Countdown läuft, und auch die Demonstranten bereiten sich vor.