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Die Großen Vier nur noch zu dritt

Die Großen Vier nur noch zu dritt
(AP)

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Es hatte ein wenig von Götterdämmerung: Bereits sechsmal hatte Roger Federer den heiligen Rasen im All England Club mit dem Pokal des Siegers verlassen, und in diesem Jahr wollte er dies ein siebtes Mal tun.

Es kam anders: Wie vor zwölf Monaten scheiterte der langjährige König von Wimbledon bereits im Viertelfinale. 2010 wurde Federer vom späteren Finalisten Tomas Berdych aus Tschechien in drei Sätzen abserviert, diesmal verspielte der Weltranglistendritte gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga eine 2:0-Satzführung – das war ihm bei einem Grand Slam noch nie passiert.

Tennis in Zahlen

Herren, Viertelfinale: Rafael Nadal (Spanien/1) – Mardy Fish (USA/10) 6:3, 6:3, 5:7, 6:4, Novak Djokovic (Serbien/2) – Bernard Tomic (Australien) 6:2, 3:6, 6:3, 7:5, Jo-Wilfried Tsonga (Frankreich/12) – Roger Federer (Schweiz/3) 3:6, 6:7 (3), 6:4, 6:4, 6:4, Andy Murray (Großbritannien/4) – Feliciano López (Spanien) 6:3, 6:4, 6:4
Damit im Halbfinale (Freitag): Nadal – Murray, Tsonga – Djokovic
Heute, Damen-Halbfinale: Maria Scharapova (Russland/Nr. 5) – Sabine Lisicki (Deutschland), Victoria Azarenka (Weißrussland/Nr. 4) – Petra Kvitova (Tschechien/Nr. 8)

Nach 3:02 Stunden war das Undenkbare geschehen. 6:3, 7:6 (3), 4:6, 4:6, 4:6 hieß es aus Sicht von Federer, der damit als Einziger der Großen Vier das Halbfinale nicht erreichte. Denn nach Novak Djokovic (Serbien), der 6:2, 3:6, 6:3, 7:5 gegen den 18 Jahre jungen Qualifikanten Bernard Tomic (Australien) gewann, zogen auch Titelverteidiger Rafael Nadal (Spanien), durch ein 6:3, 6:3, 5:7, 6:4 gegen Mardy Fish (USA), und Andy Murray (Großbritannien), durch ein 6:3, 6:4, 6:4 gegen Feliciano López (Spanien), in die Vorschlussrunde ein. Djokovic trifft dort auf Tsonga, Nadal wie im Vorjahr auf Murray.

«Bin zufrieden mit meiner Leistung»

Federer hat seinen 16. und bislang letzten Grand-Slam-Titel 2010 bei den Australian Open gewonnen, doch nach seiner Niederlage gegen Tsonga wollte er weder von einem Einbruch noch von einem schlechten Spiel seinerseits und schon gleich gar nicht vom Ende einer Ära sprechen. „Das ist jetzt kein Schocker oder eine dumme Zweitrundenniederlage. Ich bin in der Tat zufrieden mit meiner Leistung. Es ist eine harte Niederlage, aber ich fühle mich nicht entmutigt. Das wird einfacher zu verarbeiten sein als die Niederlage im vergangenen Jahr“, behauptete der 29-Jährige.

Die Suche nach Erklärungen fiel Federer dennoch schwer. „Ich glaube, mein Spiel ist derzeit gut genug, dass ich hier das Turnier hätte gewinnen können“, sagte er, nur um irritiert festzustellen, dass gut gegen Tsonga diesmal nicht gut genug war. „Jo hat großartig gespielt“, bestätigte Federer. Er wollte dem Franzosen auch nichts von diesem Sieg nehmen, er stellte aber fest, dass dem zwischenzeitlich wie beseelt spielenden Tsonga gerade dann die entscheidenden Punkte gelangen, wenn er sie brauchte. „Er hat Schläge gemacht, die müssen nicht reingehen“, sagte der Schweizer. Er befand sogar, einige Punkte habe Tsonga nicht so richtig verdient. Auch Tsonga wusste nicht, wie ihm geschah. „Es war einfach unglaublich da draußen. Ich habe unglaublich gespielt, alles ging rein“, sagte der 26 Jahre alte Franzose. Und fast schien es dem Weltranglisten-19., der ebenfalls 2010 im Viertelfinale gescheitert war, ein bisschen peinlich zu sein, ausgerechnet den großen Federer auf dessen Lieblingscourt besiegt zu haben. „Das ist verrückt, er ist der größte Champion in meinem Sport, er hat so viel erreicht. Er ist der beste Spieler der Welt, und ich bin einfach so glücklich, dass ich gegen ihn gewonnen habe, besonders auf Rasen.“ Tsonga bekommt es gegen Djokovic mit jenem Mann zu tun, gegen den er 2008 bei den Australian Open sein bislang einziges Endspiel bei einem Grand Slam verloren hatte.

Zweites Stadion soll überdacht werden

Unterdessen befassen sich die hohen Herren der All England Championships mit der Überdachung eines zweiten Stadions. Ein Sprecher des All-England-Clubs bestätigte der Tageszeitung The Guardian, dass die Verantwortlichen ein bewegliches Dach für den 1997 eingeweihten Court 1 in Erwägung ziehen würden.

Das etwa 80 Millionen Pfund teure Dach über dem Center Court war für das Turnier 2009 fertiggestellt worden und hat sich vor allem in diesem Jahr als äußerst wertvoll herausgestellt.

Der Club-Sprecher betonte, mit der Eröffnung des neuen Courts Nummer 3 in diesem Jahr sei die auf 15 Jahre angelegte, umfangreiche Erneuerung der Anlage vorerst abgeschlossen. Im kommenden Jahr werde es wegen der Olympischen Spiele keine Bautätigkeiten geben, dies gebe dem Club die Chance, über die Zukunft nachzudenken: „Über ein Dach über Court 1 wird diskutiert werden“, sagte er.