Tageblatt: Sie sind schon vor einer Woche mit der FLA-Delegation angereist. War es nicht zu schwer, so lange auf ihren Einsatz zu warten?
Victoria Rausch: Nein, gar nicht. Ich glaube, es war schwerer, dass die ganzen Leute um mich herum immer gefragt haben, ob es mich nicht störe, so lange warten zu müssen (lacht). Doch natürlich freue ich mich jetzt, dass es nun endlich losgeht.
Haben Sie denn etwas von der Atmosphäre im Stadion mitbekommen?
Gleich am Montag waren ja die anderen drei FLA-Athleten im Einsatz, da war ich als Zuschauerin im Stadion. Die Stimmung ist wirklich einzigartig. Ich bin auch so froh, dass ich meinen Vorlauf in der Abendsession bestreiten darf, in der es in dieser Woche ja immer richtig voll war. Meine Familie wird auch da sein, darauf freue ich mich richtig. Sonst haben sie ja nicht so oft die Möglichkeit, mich bei Wettkämpfen zu unterstützen.
Wie ist Ihre Vorbereitung auf die EM verlaufen?
Als ich wusste, dass ich mich für München qualifiziert hatte, haben wir angefangen, uns gut auf die EM vorzubereiten. Es ist ja das erste Mal, dass ich überhaupt bei einem solch großen internationalen Wettkampf antreten darf. In den letzten drei Wochen bin ich so auch kein anderes Rennen mehr gelaufen.
Als Trainingspartnerin von Patrizia van der Weken hatten Sie aber auch die Reise zur WM in die USA mit angetreten …
Genau, ich bin für zehn Tage mit in die USA geflogen, um Patrizia bei ihrer Vorbereitung auf die WM zu unterstützen. Als die Delegation dann aber nach Eugene gereist ist, bin ich wieder nach Hause zurückgekehrt. Gestört hat mich das nicht, da ich ja von Anfang an wusste, dass der Plan so sein würde. Es war einfach toll, dabei sein zu können. Noch mehr freue ich mich aber jetzt, dass wir gemeinsam an einem solch großen Event teilnehmen dürfen. Das ist auch für unseren Trainer einer klasse Sache, da er ebenfalls viel investiert hat.
Hatten Sie überhaupt damit gerechnet, dass Sie sich für die EM qualifizieren könnten?
Zu Beginn der Outdoor-Saison war die EM auf keinen Fall ein Ziel. Als die Zeiten aber immer besser wurden, wurde das auch immer mehr ein Thema. Am Ende habe ich mich ja sogar als 29. von insgesamt 36 Athletinnen, die in München an den Start gehen dürfen, qualifiziert. Die Steigerung ist schon enorm: Dass ich nach dem Landesrekord in der Halle auch den Freiluft-Rekord knacken konnte, freut mich natürlich riesig. Das war schon ein großes Ziel. Doch damit soll noch nicht Schluss sein, denn ich hoffe, dass ich mich in den nächsten Jahren kontinuierlich weiter steigern kann.
Wie erklären Sie sich die Fortschritte, die Sie im Jahr 2022 gemacht haben? In den letzten Monaten haben Sie ja wirklich Ihren Durchbruch geschafft.
Arnaud (Trainer Starck, Anm. d. Red.) weiß einfach ganz genau, was er tut. Bei mir hat es aufgrund von Verletzungen einfach auch sehr lange gedauert. Ich wusste, was ich kann, aber diese Verletzungen haben verhindert, dass ich mein Potenzial auch zeigen konnte – so hat auch niemand gesehen, dass ich durchaus in der Lage bin, mich verbessern zu können. Ich hatte immer gehofft, dass ich zurückkommen kann und die harte Arbeit fängt jetzt auch an, sich zu lohnen. Das war aber auch nur durch die Armee möglich, da ich als Sportsoldatin mich ganz auf meinen Sport konzentrieren kann.
Was haben Sie sich denn für Ihren Vorlauf am Samstagabend vorgenommen?
Ich möchte vor allem Erfahrung sammeln, da es ja mein erster großer Wettbewerb auf diesem Niveau ist. Mein Ziel ist es, mich im Ranking nach vorne zu arbeiten. Hier belege ich derzeit Platz 33 in Europa, das wäre schon eine richtig gute Leistung. Die Gegnerinnen kenne ich alle so langsam, im Vorlauf sind ja die besten zwölf nicht dabei, die sind direkt für das Halbfinale gesetzt.
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