Montag2. Februar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

Boonen, «Canci»… oder etwa Devolder?

Boonen, «Canci»… oder etwa Devolder?

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Zwischen Brügge und Oudenaarde wird am Sonntag die 96. Auflage der "Ronde van Vlaanderen" ausgetragen.

Topfavorit für die Belgier ist Tom Boonen, der Gewinner von 2005 und 2006. Sein schärfster Widersacher dürfte der Sieger von 2010, Fabian Cancellara, sein. Kein Luxemburger Fahrer ist am Start.

Für die Flamen ist der erste Sonntag im April weitaus mehr als nur ein freier Tag. Das Datum, an dem die «Ronde» durch Flandern fährt, bedeutet für die Leute in diesem Teil Belgiens etwa so viel, wie wenn Ostern, Weihnachten und der Nationalfeiertag auf ein und denselben Tag fallen würden.

Die Flaggen werden gehisst, überall sind die Häuser geschmückt und das Volk zieht zu Hunderttausenden hinaus in die Straßen, wo die „Ronde van Vlaanderen“ passiert. So wird es auch diesen Sonntag sein, wenn die Fahrer den «Groote Markt», den schönsten Startplatz eines Rennens überhaupt, erst einmal verlassen haben.

Radikale Änderungen

Schon im Vorfeld sorgte diese 96. Auflage der «Ronde» für so viel Gesprächsstoff wie kein belgisches Rennen zuvor. Und das, weil Veranstalter Walter Vandenhoute, der die Flandern-Rundfahrt vor drei Jahren kaufte, an der Strecke fummelte und das bisherige Grundgerüst mit u.a. dem «Mur de Grammont» und dem Bosberg 16 und 12 Kilometer vor dem Ziel in die Geschichtsbücher verbannte.

Stattdessen stampfte er einen neuen Parcours aus dem Boden, der in der Entscheidung eine Schleife über den Oude Kwaremont und den Paterberg vorsieht, die alle beide dreimal erstiegen werden müssen, zum letzten Mal 16 und 13 km vor dem Ziel. Dies deckt sich in etwa mit den bisherigen Abständen im Finale mit «Mur de Grammont» und Bosberg.

Die Änderungen mit dem Entfernen des legendären «Muur» stört die sogenannten «Puristen», erhielt aber die Zustimmung von anderen – wie beispielsweise Eddy Merckx –, die meinten, bisher hätte auch der nicht unbedingt stärkste Fahrer gewinnen können. So war es letztes Jahr, als Nick Nuyens kurz vor dem Strich in Meerbeke an Sylvain Chavanel und dem damals das Rennen dominierenden Fabian Cancellara vorbei ins Ziel spurtete.

Drohungen

«Die Trilogie Kwaremont-Paterberg bietet vor allem den Zuschauern, die live dabei sein wollen, etwas», so der Organisator. Es gibt aber auch Leute, die von einem «Kirmesrennen» reden oder solch Verrückte, die ihr Entsetzen über die Streckenänderung durch Drohungen ausdrücken. So erhielt der Bürgermeister von Oudenaarde, wo das Rennen am Sonntag erstmals zu Ende gehen wird, ein Schreiben, in dem ein unbekannter Absender ankündigt, Nägel auf die Strecke zu streuen.

Ehe es zum großen Finale kommt, stehen insgesamt 16 Anstiege («hellingen») also zwei weniger als im Vorjahr, und acht Pavé-Abschnitte («kasseien») mit einem Total von 20,4 km, auf dem Menü der Fahrer. Die Veranstalter haben 25 Teams eingeladen. Das Feld besteht aus den 18 UCI-World-Tour-Mannschaften sowie sieben Zweitdivisionären, die eine Wildcard erhielten. Mit dabei ist auch die belgische Mannschaft Accent-Jobs, doch Jempy Drucker, der sich vor Wochen das Schlüsselbein brach, muss schweren Herzens auf eines seiner Lieblingsrennen verzichten.

«Triplé» angepeilt

Topfavorit bei der «Ronde» ist für die meisten Beobachter Tom Boonen, der das Rennen 2005 und 2006 gewann. Bereits siebenmal stand «Tornado-Tom» diese Saison ganz oben auf dem Treppchen, zuletzt bei den World-Tour-Rennen E3 Harelbeeke und Gent-Wevelgem. Boonen, der danach vergeblich versuchte, auf «seinem» Terrain ein drittes Mal erfolgreich zu sein und mit Achile Buysse, Fiorenzo Magni, Eric Leman und Johan Museeuw gleichzuziehen, musste in den letzten Jahren Nick Nuyens (2011), Fabian Cancellara (2010) und seinem früheren Mannschaftsgefährten Stijn Devolder (2008, 2009) den Vortritt lassen. Von diesem hörte man in der laufenden Saison bisher reichlich wenig. Es hat aber den Anschein, als ob er seinen Coup bestens präpariert hätte, um das «Triplé» anzupeilen.

In Abwesenheit des verletzten Titelträgers Nuyens dürfte Boonens härtester Widersacher einmal mehr der Schweizer Fabian Cancellara sein, der den Klassiker in den beiden letzten Jahren (Sieg 2010, 3. Platz 2011) nach Strich und Faden dominierte. Bis zu seinem großen Triumph klebte Cancellara bei der «Ronde» lange das Pech am Sattel. Vor drei Jahren musste er beispielsweise im Koppenberg wegen einer gebrochenen Kette passen.

Am Freitag gab «Canci», der seine Sturzverletzungen vom letzten Sonntag bei Gent-Wevelgem in der Schweiz ausheilte und dann nach Belgien zurückkehrte, eine Pressekonferenz im Hotel Weinebrugge in Sint-Michiels (siehe auch S. 36 in der Samstagausgabe des Tageblatts).