Texte & Fotos: NoNic & FeNic
Mit fast hundertprozentiger Sicherheit kommt der Gesamtsieger (LMP1) aus dem Audi- oder Peugeot-Lager. Alles andere wäre eine faustdicke Überraschung. Weder vom Budget her noch vom fahrerischen Aufgebot haben die drei Aston Martin der Prodrive- und SignaturePlus-Teams eine wirkliche Chance. Gleiches gilt für das Beachdean-Mansell-Team. Old Nige, F1-Weltmeister von 1992, geht mit seiner berühmten „red 5“-Startnummer und zusammen mit seinen zwei Söhnen Greg und Leo an den Start.
Oreca bringt neben einem Peugeot 908 HDI genau wie letztes Jahr auch noch einen seiner Eigenbaus an den Start. Für alle drei Marken würde eine Top-5-Platzierung schon als übermäßiger Erfolg gelten. Ein großer Abwesender dieses Jahr in Le Mans ist die Legende Henri Pescarolo. Nachdem die Übernahme seines Teams durch Genii Capital, die Firma des Luxemburgers Gerard Lopez, nicht geklappt hat, wird man Henris Renner zum ersten Mal nach langer Zeit nicht werksseitig am Start sehen. Er wird für Eurosport kommentieren.
LE MANS DIE FAKTEN
o Programm:
Gestern:
Qualifying (bei Redaktionsschluss noch nicht beendet)
Heute:
19.00-21.00, 22.00-0.00 Uhr: Qualifying
Samstag:
9.00-9.45: Warm-Up; 14.22 Uhr: Beginn der Startprozedur; 5.00: Start durch Jean-Claude Killy zur 78. Ausgabe der 24 Stunden von Le Mans
Sonntag:
15.00: Zielflagge
o Die letzten Sieger:
2009: Alexander Wurz/Marc Gené/David Brabham (AUT/ESP/AUS/Peugeot 908 HDi-FAP)
2008: Tom Kristensen/Rinaldo Capello/Allan McNish (DEN/ITA/GBR/Audi R10 TDI)
2007: Frank Biela/Emanuele Pirro/Marco Werner (GER/ITA/GER/Audi R10 TDI)
2006: Frank Biela-Emanuele Pirro-Marco Werner (GER-ITA-GER/Audi R10 TDI)
2005: Tom Kristensen-JJ Lehto-Marco Werner (DEN-FIN-GER/Audi R8)
o Internet:
www.lemans.org
In der LMP2-Klasse heißt der Sieger wohl Acura. Entweder das Highcroft-Auto aus den USA oder das Strakka-Auto. Als Außenseiter gelten die Lolas oder privaten Pescarolo des OAK-Teams.
In der LMGT1-Klasse kommt es zu einem Kampf zwischen den Ford GT40 des Schweizer Matech-Teams und des belgischen MarcVDS-Teams. Ihre Gegner sind der Aston Martin des YoungDriver-AMR-Teams sowie die beiden Corvettes des Luc-Alphand-Teams.
Die LMGT2-Klasse ist die wahrscheinlich umkämpfteste. Hier treten die Porsche 911 gegen die Werks-BMW M3, die Ferrari F430, die Werks-Corvette und die Spyker an. Favoriten sind die werksunterstützten Porsche. Dass die Ferrari F430 standfest sind, muss nicht erst bewiesen werden, schließlich haben sie im letzten Jahr gewonnen. Ferrari bietet mit Alesi/Fisichella/Vilander die wohl klangvollste Mannschaft der GT2-Klasse auf. Die knallgelben Corvettes haben in den vergangenen Jahren mehrmals in der großen GT1 Klasse gesiegt, nun aber wollen sie die starke Konkurrenz in der kleinen Klasse bezwingen.
BMW sollte man nicht abschreiben: Sie waren beim 1.000-km-Rennen von Spa bereits nah am Podium (4. Platz) und sind durch ihren hervorragenden Sieg bei den 24 Stunden vom Nürburgring voll motiviert. Der Luxemburger Francis Schammo ist wie vor einigen Wochen als Koordinator tätig.
ALEXANDER WURZ, ALLAN MCNISH, OLIVIER QUESNEL UND WOLFGANG ULLRICH
IM TAGEBLATT-INTERVIEW
An diesem Wochenende finden die 24 Stunden von Le Mans statt. Vor diesem größten Event der Endurance-Saison konnten wir uns mit den schnellsten Fahrern der jeweiligen Favoritenteams, Allan McNish (Audi) und Alexander Wurz (Peugeot), sowie mit ihren jeweiligen Teamchefs Dr. Wolfgang Ullrich und Olivier Quesnel unterhalten.
Tageblatt: Allan McNish, Alex Wurz, wie haben Sie das 24-Stunden-Rennen von Le Mans dieses Jahr vorbereitet?
A.M.: „Ich glaube, dass wir bei Audi sehr gut vorbereitet sind. Wir hatten drei 30-Stunden-Tests. Besonders der letzte in Südfrankreich war sehr erfolgreich. Wir gehen dieses Jahr die 24 Stunden von Le Mans anders an als 2009. Wir haben ja bereits zwei Rennen als Vorbereitung bestritten: die 6 Stunden von Paul Ricard und die 1000 km von Spa. In Spa sind wir exakt so angetreten wie wir es auch in Le Mans tun werden (Red: 3 Autos mit exakt den Besetzungen von Le Mans) und das war sehr nützlich So halten wir die ganze Mannschaft ‚auf Trab‘, nicht nur die Fahrer, sondern auch die Mechaniker, die Ingenieure und die Strategen.Letztes Jahr hatten wir in Le Mans zwei große Probleme, die wir erst im Rennen selbst entdeckt haben: Unsere Kühler verdreckten. Dies hatten wir weder vorher in Sebring (2009) noch im Training in Le Mans festgestellt. Bei der kurzen Trainingszeit, die uns zur Verfügung stand, haben wir dann auch noch das Setup nicht hinbekommen.“
A.W.: „In den vergangenen zwölf Monaten sind wir mit Peugeot alle paar Monate Langstreckentests gefahren, sowohl im Simulator wie auch auf der Piste. Audi wird uns die Sache dieses Jahr sehr schwer machen. Bei Peugeot haben wir vier Autos, die gleich stark sind. Wir haben bislang gesehen, dass die neuen Audi R15 TDi plus den Peugeots ebenbürtig und vielleicht in der Endgeschwindigkeit sogar noch schneller sind. Aston Martin sollte man auch nicht abschreiben.“
„T“: Olivier Quesnel, Dr. Wolfgang Ullrich, sagen Sie etwas zu Ihren neuen Fahrern.
W.U.: „Persönlich glaube ich, dass wir mit Marcel Fässler, Benoît Treluyer und André Lotterer eine sehr gute Wahl getroffen haben. Wir haben die 3 Jungs schon länger beobachtet und sie sind im Umfeld von uns immer schon eingesetzt gewesen.Ich habe im Spätherbst 2009 mit allen im Detail gesprochen und sie haben mir alle bestätigt, dass sie unbedingt mit uns Le Mans bestreiten wollten. Sie verstehen sich sehr gut untereinander, was sehr wichtig ist. Wir haben sie auch seit unsern ersten Tests voll mit eingebunden. Man darf nicht vergessen, dass die drei erfahrene Langstreckenpiloten sind, dass sie aber auch zurzeit noch in andern Rennserien am Start sind, was eher Sprintserien sind.“
O.Q.: „Simon Pagenaud ist bereits 2009 für uns in Spa gestartet (und hat dort auch gleich gewonnen, d. Red.). In Le Mans 2009 fuhr er auf dem von Pescarolo eingesetzten 908 HDI, sodass wir ihn vom letzten Jahr her bereits gut kennen. Er war und ist sehr schnell. Was Anthony Davidson betrifft, so hat er bereits für uns getestet. Sie wissen, dass eigentlich Sébastien Loeb im Peugeot mit der Nummer 1 hätte sitzen sollen. Als er die Entscheidung traf, nicht in Le Mans zu starten, war es für uns ein logischer Entschluss, Anthony zu holen. Und so wie das sich für einen neuen Peugeot Fahrer gehört (Red: er grinst verschmitzt), hat Anthony dann auch gleich sein erstes Rennen für uns (die 12 Stunden von Sebring) gewonnen, genauso wie es Simon Pagenaud letztes Jahr bei seinem Debut in Spa gemacht hat. Dies ist die beste Manier in ein neues Team einzusteigen und sich von Anfang an den nötigen Respekt zu verschaffen.“
„T“: Alex, Allan, wen betrachten Sie als Ihren stärksten Gegner in Le Mans, sowohl bei der Konkurrenz wie auch teamintern?
A.M.: „Der große Gegner heißt Peugeot. Letztes Jahr stand für mich fest, dass bei Peugeot das Team Wurz/Gené/Brabham die stärkste Kombination war. Dieses Jahr hat Peugeot seine drei Mannschaften viel effizienter zusammengestellt. Nichtsdestotrotz bleibt die Nummer 1 mit Wurz/Gené/Davidson mein Favorit. Bei uns sieht es auch nicht schlecht aus: Mike Rockenfeller, Romain Dumas und Timo Bernhard sind erfahrene Langstreckenpiloten. Unsere neue Mannschaft mit Marcel Fässler/Benoît Tréluyer/André Lotterer verfügt ebenfalls über Langstreckenerfahrung.Ich glaube, Audi bringt drei gute Autos mit drei guten Mannschaften an den Start und ich möchte keines der drei Teams hervorheben.“
A.W.: „Unsere Mannschaften bei Peugeot sind in etwa gleich schnell. Es kommt jeweils auf die Tagesform an. Bei den Audis ist für mich die Rangordnung etwas klarer. Sie haben ein Auto, das wesentlich schneller ist als die beiden andern (das von Kristensen/McNish/Capello). Bei Langsteckenrennen geht es nicht nur darum, der Schnellste zu sein, sondern man muss auch einen klaren Kopf behalten.“
„T“: Olivier Quesnel, Dr. Ullrich, wie sieht die Situation nach den 1.000 km von Spa und vor den 24 Stunden von Le Mans aus?
W.U.: „Die 1.000 km von Spa waren für uns ein Test. Wir hatten aber auch noch drei Tage Tests nach Spa. Dort sind wir mit der Aerodynamik-Abstimmung von Le Mans gefahren, was sicherlich nicht 100% optimal war, doch wir wollten unbedingt mit dieser Abstimmung so viel wie nur möglich Erfahrung sammeln. Wir waren 2009 mit dem neuen R15 einfach noch nicht so weit. Wir haben jetzt versucht, die Probleme, die wir letztes Jahr hatten, zu lösen und die Reaktionen unserer Techniker auf die Reglementänderungen für dieses Jahr zu einem vernünftigen Paket zusammenzuschnüren. Das Chassis ist das gleiche geblieben, die Aerodynamik wurde stark verändert.“
O.Q.: Unser Peugeot 908HDI ist jetzt in seiner vierten Saison. Der Vorteil daran ist, dass er sehr ausgereift ist und wir ihn in- und auswendig kennen. Wenn ein vier Jahre altes Auto auf der einen Seite einen Vorteil darstellt, so ist es auf der andern aber auch ein Nachteil, da es allmählich ans Ende seiner möglichen Entwicklung kommt. Wir haben das Auto selbstverständlich dem neuen Reglement angepasst. Der 908 HDI hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, und ich glaube, dass er noch sehr konkurrenzfähig ist. Es würde mich absolut nicht wundern, wenn Audi und Peugeot nur durch eine Winzigkeit getrennt wären.“
„T“: Allan, wie sehen Sie die Zukunft der Prototypen, besonders im Hinblick auf die „allmächtige“ Formel 1?
A.M.: „Die Prototypen sind momentan sehr stark im Kommen. Im Jahr 2006 hat Audi einen dieselgetriebenen LMP1 eingesetzt und sofort das erste Rennen (12 Stunden von Sebring, d.Red.) und dann auch gleich Le Mans gewonnen. Vorher ist Audi das Gleiche mit der TFSI-Technik gelungen. All diese Produkte flossen sofort in die Produktion der Straßenautos ein. Zum Beispiel wäre es ja für Toyota super, wenn sie ihre Standfestigkeit durch Siege in den Langstreckenserien unter Beweis stellen könnten. Ich bin überzeugt, dass Toyota irgendwann zurückkehren werden. Auch mit der Hybridtechnologie gibt es noch vieles zu beweisen. Der Einfluss auf die Serienproduktion ist nirgends größer als bei uns in den verschiedenen Le-Mans-Serien. Es ist zweifelsohne einfacher, einen Vorstand vom Nutzen des Motorsports zu überzeugen, wenn die Technik des Rennsports dem Alltagsauto zugute kommt und Motorsport nicht nur zu Marketingzwecken betrieben wird. Viele Marken haben ja bereits den Schritt zu Endurance gemacht.“
Zu Demaart
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