Newcastle-Manager Pardew versetzte einem Gegner eine Kopfnuss, dann gewann sein Team und der Boss, Mike Ashley, war der Meinung, mit seiner Verbannung auf die Tribüne habe Pardew entscheidend zum Sieg von Newcastle beigetragen – die FA ist da anderer Meinung. Anelka, Stürmer von West Brom, wurde soeben von der FA nachträglich wegen einer unerlaubten Geste nach einem erzielten Tor vor einigen Wochen bei West Ham bestraft.
Es sei eine antisemitische Geste gewesen, heißt es, und sie habe an düstere Zeiten erinnert, als die Lulima noch Rapid Wien hieß. Ungeachtet der berechtigten Empörung über diese Geste streiten Anelka und Rapid Wien jede böswillige Absicht ab. Anelka verweist auf einen Ausdruck aus dem Erste-Hilfe-Kursus für Taubstumme, der da heißt „Halten Sie den Finger fest auf der Wunde, ich hole Hilfe“, während das Pfadfinder-Handbuch der drei Neffen von Donald Duck einen ähnlichen Gruß als „Vorsicht, unter uns ist ein Ameisenhaufen“ interpretiert.
Der FA war das egal, sie verdonnerte Anelka zu fünf Spielen Sperre, einer saftigen Geldstrafe und einem Straftraining bei Lazio Rom. Um Fehlinterpretationen anderer Gesten zu verhindern, will sie nun auch den Al-Bundy-Hosenwärmer, den einarmigen Achsenhöhlen-Blues, auch „Deo-Salut“ oder „Di-Canio-Zeiger“ genannt, den Haider-Jodler, den Moon Walk, den Schumi-Hopser, den Zahia-Geiger, den Suarez-Beißer, den Monster-Burger und den Joe-Cocker-Twist verbieten.
Star in der Reserve
Nicht verschont von der FA-Regulierungswut bleiben auch die Fans. Das Aufstehen auf den Rängen ist in allen Stadien verboten, außer beim Feiern eines Tores, bei Gegentreffern in Old Trafford, einer Gedenkminute, dem Abspielen der Nationalhymne, einer Überschwemmung oder beim Gang zur Toilette, was in englischen Stadien oft ein- und dasselbe ist. Bei Tottenham verbietet man sogar den eigenen Fans das Singen, kein Wunder, dass man die auswärtigen Fans oft besser hört als die einheimischen. Eine Ausnahme: Bei der Lulima benutzen die Fans Megafone, um die auswärtigen Gesänge zu übertönen. Erbärmlicher und billiger geht’s nicht, Hoeneß hat sie ihnen gekauft und steuerlich als Werbeausgaben abgesetzt.
Nicht zu übertönen war das Gekreische von viertausend jugendlichen Fans beim Spiel letzte Woche der Reserven von Doncaster Rovers gegen Rotherham. Normalerweise finden sich maximal hundert Leute zu einem Spiel der Reservemannschaften ein, doch wenn dann ein Mitglied der Band One Direction im Team der Rovers aufläuft, strömen Paulas aus der ganzen Welt ein. Sogar aus Mexiko waren welche eingeflogen, um Louis Tomlinson zu sehen, der erst gegen Schluss eingewechselt wurde, aber immerhin. Tomlinson hat einen Amateur-Vertrag bei den Rovers, er setzt sich nebenbei auch für ein Kinderheim bei Doncaster ein und die Fans finden ihn einfach süß. Man muss der FA jetzt nur noch erklären, dass zwei ausgestreckte Finger – der Zeigefinger und der kleine Finger – keine rassistische oder antisemitische Anspielung darstellen. Dies für den Fall, dass Lemmy Kilmister einmal bei Millwall aufläuft.
Zu Demaart
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