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90-Jährige malende Reporterin

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Mit wenigen Strichen hält sie Bewegungen auf dem Papier fest - das macht Hildegard Pufes Sportmalerei seit Jahrzehnten einzigartig. Noch in diesem Jahr soll ein Band mit ihren Tanzbildern erscheinen, zusammen mit einer Biografie.

Gemälde, Skizzen und Zeichnungen – jeder Winkel, jede Wand im Obergeschoss des Einfamilienhauses in Ludwigshafen-Oggersheim ist voll davon. In einem der drei Räume des Ateliers steht eine Staffelei. Hier arbeitet Hildegard Pufe auch noch im Alter von 90 Jahren, wenn sie nicht als «malende Reporterin» bei Sportveranstaltungen auf der Tribüne sitzt. Bewegungen mit wenigen Pinselstrichen auf Papier festzuhalten: diese einzigartige Form der Sportmalerei hat sie fast um die ganze Welt geführt. «Es gibt keine Sportart, die ich noch nicht gemalt habe», behauptet Pufe.

Logo" class="infobox_img" />Hildegard Pufe beim Malen. (dpa)

Sie demonstriert ihr Können an einem Fahrrad, das sie in Sekundenschnelle mit wenigen Strichen auf einem Blatt skizziert. Bei sechs Olympischen Spielen war sie als «Live-Sportmalerin» dabei. Erstmals in Barcelona 1992, es folgten Albertville, Atlanta, Lillehammer, Nagano und zuletzt die Paralympics für Schwerbehinderte in Athen 2004. Auch bei diversen World Games, bei Radrennen, Reit-, Golf- und Tanzturnieren malte sie. Vom Tanzen handelt nun auch der Bildband, an dem sie gemeinsam mit ihrer Tochter Genia Ruland und ihrer Verlegerin Marita Hoffmann arbeitet. «Das Tanzen zu malen, das war schon immer eine besondere Leidenschaft von mir», sagt Pufe.

Buch kommt noch dieses Jahr

«Hildegard Pufes Alleinstellungsmerkmal ist es, Bewegungen einzufangen. Gleichzeitig sind ihre Bilder sehr abstrakt», sagt Verlegerin Marita Hoffmann. Das Buch soll noch 2013 erscheinen – nach dem Bildband zum Tanzen sollen weitere Bildbände folgen. «Die größte Schwierigkeit besteht in der Auswahl», ergänzt Hoffmann. Aus rund 1000 Bildern vom Tanzen wählte die Verlegerin rund 50 Stück für das Buch aus. Doch auch Pufes bewegte Lebensgeschichte hat sie von dem Projekt überzeugt.

1933 flüchtete Pufes Familie vor den Nationalsozialisten von Köln nach Belgien. Dort gewann sie ab 1938 als Leistungsschwimmerin Medaillen bei internationalen Wettbewerben und studierte in den 1940er Jahren Kunst an der Königlichen Akademie in Brüssel. 1950 kehrte sie zurück nach Deutschland, nach Ludwigshafen am Rhein. Mit ihrem Mann baute sie im Stadtteil Hemshof ein Fernseh- und Radiofachgeschäft auf, das sie 35 Jahre lang managte.

Die Mütze blieb in Heidelberg

«Meine Mütze habe ich leider in Heidelberg vergessen», erzählt Pufe. Sie spricht von der roten Baskenmütze, die sie als «Lady Redcap» bekannt gemacht hat. Günther Koch, ehemaliger Stadionsprecher bei den Sechstagerennen in Stuttgart, hatte ihr die Mütze 1987 geschenkt, um sie auch unter vielen Menschen erkennen zu können. Die Mütze markiert auch den Beginn ihrer Karriere als Sportmalerin, in einem Alter, in dem andere in Rente gehen.

Nach dem Krieg habe sich in Ludwigshafen niemand für ihre Malerei interessiert, sagt Pufe. Spät und zaghaft habe sie wieder mit der Malerei begonnen. Aber dann habe sie alles gemalt, was ihr vor die «Flinte» kam. Mehr als 20 Jahre lang gab sie Malkurse in der Rhein-Neckar-Region, Werbeaufträge für zwei große Autohersteller in Europa folgten.

Die Kunst des Weglassens

«Meine Kunst besteht aus dem Weglassen», erklärt Pufe. Sie konzentriere sich auf sekundenschnelle Bewegungen, um Augenblicke festzuhalten. «Henry Maske, Dirk Nowitzki oder Boris Becker, die habe ich alle schon gemalt.» Auch Juan Carlos, den spanischen König, oder den damaligen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Juan Antonio Samaranch, hat sie porträtiert.

Seit November 2011 wohnt Hildegard Pufe in einem Seniorenwohnheim in Heidelberg. Mit dem Malen aufzuhören, kommt für die 90-Jährige aber nicht infrage. Zuletzt malte sie bei einer Oldtimer-Veranstaltung in Ludwigshafen im Juni 2013. Das Alter habe sie vielleicht etwas vergesslicher gemacht, ihre Kreativität aber keinesfalls beeinflusst: «Je älter ich werde, desto mehr Ideen habe ich», sagt Pufe. Ende des Jahres plant sie, noch einmal zu den Anfängen ihrer Kunst zu fahren und die Königliche Akademie in Brüssel zu besuchen.